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Envoyer 01/2001
Von Stefan Sauerbier

Rezension erschienen: 15.02.2001, Serie: Zeitschriften, Autor(en): Christian Fischer (Hrsg.), Verlag: FZ Werbung / Redaktion Envoyer, Seiten: 81, Erschienen: 2001, Preis: 3,00 DM


"Envoyer ... der Nächste ist immer der Beste." So wirbt der Envoyer jedes Mal für die kommende Ausgabe. Nun ist sie erschienen die Envoyer-Ausgabe 01/2001. Neues jahrtausend, neues Glück. Wie bereits in der letzten Ausgabe angekündigt, soll sich dieses Heft um das Thema Tiere im Rollenspiel drehen. Beim Blick auf das Cover der aktuellen Ausgabe scheint dies ja zuzutreffen, schließlich sieht man hier einen Drachen, der aus seinem Käfig flieht. Groß darüber prangt ein Schild mit den Wort "Tierasyl". Ebenfalls angekündigt ist das Cthulhu-Abenteuer "Harzer Hexen" und eine Kurzgeschichte mit dem klingenden Titel "Der Tod als solcher".
Nach dem Editorial, in dem Christian Fischer für die Aktion Schreiberling vom Envoyer wirbt bekommt der geneigt Leser auf zwei Seiten zunächst einen kleinen überblick, was ihn so im Heft erwarten mag. Auffällig ist hier besonders das Layout der zweiseitigen Zusammenfassung. Wenn man im folgenden Newsbereich nicht eines Besseren belehrt würde, so könnte man meinen, dass diese Unübersichtlichkeit mit ihrer unterschiedlichen Spaltenbreite und -höhe ein Mangel an Können sei. Hier und da eine Grafik weniger wäre sicherlich mehr gewesen.
Nach dem dreiseitigen News-Bereich, der vorwiegend ausländische Produkte enthält, mit einem Schwerpunkt auf WOD-Produkte folgt auch schon die erste Rezension.
Die CD-Rezi zu "Disclosure" (dt. Enthüllung) eines unbekannten Autors ist der Auftakt zu langen Reihe an Rezensionen in diesem Heft. An und für sich lässt sich die Kritik flüssig lesen und ist in sich stimmt, wenn hier nur nicht fast das gesamte Fazit mit der Angabe des Autors fehlen würde. Einer der vielen Fauxpas in dieser Ausgabe, die dem Lektor sicher hätten auffallen sollen. Nun folgen verschiedene Rezensionen überwiegend zu FanPro- und Pegasusprodukten, welche alle von unterschiedlicher Qualität seitens Inhalt und Schreibstil sind. Insgesamt bieten die Rezensionen zu "Armalion - Kampf um Ilsur", "Myranor - Das Güldenland" (DSA), "Reise zum Horizont" (DSA), "Three Days to Kill" (D&D 3e), "Gail 2" (Cthulhu), "Das große Abenteuer der kleinen Halblinge" (Midgard) und "Brainscan" (Shadowrun) dem Leser einen guten überblick, sind aber teilweise zu oberflächlich und viel zu subjektiv. Später im Heft gibt es noch zwei Buchkritiken zu "The Yellow Sign and Other Stories" von Robert W. Chambers und "Das Buch der Worte" von J.V.Jones. Die erste der beiden Rezensionen ist zwar wesentlich kürzer als zum "Buch der Worte", kann aber mit wesentlich besseren Inhalt aufwarten, zumal man hier keine umfangreiche Inhaltsangabe vorfindet.
Bevor man nun in den Bann der "Harzer Hexen" gerät, macht Stephan Hilbrand noch einen Szenariovorschlag für Diskwars mit dem passenden Namen "Beutezug". Dieses Szenario ist für zwei und mehr Spieler konzipiert und - wie der Name bereits verrät - geht es hier nur ums Beute machen. Für jeden Diskwars-Neuling ist "Beutezug" sicher eine gute Anregung.
Verlassen wir nun die Schlacht der Scheiben und begeben uns ins Jahr 1957 in das schöne Clausthal-Zellerfeld. Stefan Geisler entführt einen mit "Harzer Hexen", einem Abenteuer für Call of Cthulhu, in eine scheinbar friedliche Gegend in den Harz. Nach einer kurzen, aber inhaltlich gut verfassten Einleitung führt Geisler den Spielleiter in den Mythos der "Harzer Hexen" ein und erklärt auf den nächsten dreieinhalb Seiten, was es mit dem Mythos auf sich hat und stellt seine Beziehung zu Clausthal-Zellerfeld und den Nachbarorten her. Bei der Lektüre wird schnell deutlich, dass Geisler Ahnung von der Materie hat und sich bemüht, soviel wie möglich von der Geschichte der Gegend in dieses Abenteuer einfließen zu lassen. Die dem Abenteuer beigefügten Photos tragen dazu bei, dem Spielleiter einen möglichst vollständigen Eindruck von Schauplatz der Ereignisse zu vermitteln. Nachdem die Charaktere der Spieler nun von der Frau eines guten Freundes erfahren haben, dass dieser nun schon länger vermisst wird, machen sie sich auf die Suche in den Harz um ihren Freund wiederzufinden. Stefan Geisler bietet dem Spielleiter nun zahlreiche Möglichkeiten, wie die Spieler das Rätsel um das Verschwinden ihres Freundes aufklären können und so erfahren die Charaktere nach und nach, was es mit den "Harzer Hexen" wirklich auf sich hat und welche Parallelen es zu ihrem Freund gibt. Zur Unterstützung liegen dem Abenteuer noch zahlreiche Handouts bei. Dabei deckt er auch noch Bereiche ab, die für die Charaktere von Bedeutung sein können, aber für den Spielverlauf nicht unbedingt erforderlich sind. Alles in Allem ist das 22 Seiten lange Abenteuer der Höhepunkt dieser Envoyer-Ausgabe und nicht nur für den Cthulhu-Begeisterten sehr interessant, man bekommt beim Lesen schon richtig Lust, dieses stimmungsvolle Abenteuer möglichst bald mal selber auszuprobieren.
Nun, nach den ersten 50 von 80 Seiten folgt nun auf die "Harzer Hexen" der Artikel, auf den das Cover dieser Ausgabe passt: "Lassie und Co? - oder: Tiere im Rollenspiel". Auf den nun folgenden fünf Seiten beschreibt André Wiesler die Vorzüge und Nachteile von Tieren im Rollenspiel, welche Bedeutung ihnen nur allzu oft beigemessen wird und regt zum Nachdenken an. Damit jeder weiß, wovon er überhaupt spricht, kategorisiert Wiesler nun das Phänomen 'Tier" an sich erst einmal in Rubriken wie "Nutztiere", "Arbeitstiere" und "Prestigeobjekte". Als nächstes spricht er den Nutzen eines solchen Tieres im Rollenspiel an. Es kann so z.B. als Verstärkung für den Kampf dienen, ein magischer Gefährte sein oder schlichtweg als Transportmittel fungieren. Leider ließt man hier viel zu häufig, dass die ein oder andere Gruppe nicht in diesem Artikel angesprochen werden soll. Aber genau diese ausgesparten Gruppen von Fabelwesen, magisch aktiven Tieren und ähnliche sind für den Rollenspieler wohl die Interessantesten. Wiesler möchte verdeutlichen, was ein ganz normales Tier überhaupt leisten kann, was es heißt, ein Tier zu halten und welche Konsequenzen es mit sich bringt. Das kann von der regelmäßigen Tierdressur bis zur Versorgung des Gefährten reichen. Zuletzt spricht er noch das Thema Tierquälerei an und zieht dabei schlüssige Parallelen von der meist fantastischen Spielwelt zum Mittelalter her. Leider bleibt der Artikel aufgrund seiner Länge mit nur knapp fünf Seiten zwangsweise an einigen Stellen recht oberflächig und kratzt das Thema meistens nur ansatzweise an. Anregungen zum Nachdenken bietet der Artikel allemal und für mehr sollte er sicherlich auch nicht gedacht sein.
Wie bereits in der letzten Rezension angesprochen, gibt es nun im Envoyer die neue Rubrik: "Wuddi's Webtipp". in der Januar-Ausgabe hat Wuddi nun seine erste richtige Premiere. Das Thema dieses Artikels ist AD&D. Insgesamt werden drei Webseiten vorgestellt. Wer bei " Wuddi" jedoch fortführende Materialien sucht, die er beim Spiel selber einbauen kann ist leider nicht so gut beraten. Diese neue Rubrik leidet zwar noch an kleinen Kinderkrankheiten, wird sich aber sicher bald im envoyer fest etablieren.
Stylo hingegen hat in der Januar-Ausgabe des Envoyers stark nachgelassen. Das Thema heute: "Ende eines Jahrtausend". Tja, Stylo kratzt in seinem Artikel viele Themen an, die derzeit die deutsche Nation interessieren: er beginnt mit dem Millenium, das in diesem Jahr auch endlich begann, wechselt rasch zur BSE-Krise in Deutschland schwenkt aber gleich nach ein paar Worten über zur indirekten Zensur bei Berichten und Rezensionen von Rollenspielprodukten. Er fragt sich inwieweit "die Hersteller selbst Einfluss auf die Artikel nehmen". Tja, was soll man dazu sagen? Schwach. Stylo's Haßecke macht ihrem Namen in "Ende eines Jahrtausend" nun wirklich nicht alle Ehre. Sie erinnert eher an ein Gespräch zwei alter Opas in der Loge bei der Muppet-Show. Schade eigentlich.
"Die Chroniken von Baal" ist der Titel der neuen Comic-Reihe von Nephilim im Envoyer. Worum es hier nun geht kann man nicht genau sagen, da nach bereits zwei Seiten der Comic mit dem Hinweis "Fortsetzung folgt" beendet ist. Wenn man nun auf den großen Werbehinweis am Ende des Heftes verzichtet hätte, so wäre noch platz für eine weitere Seite, die man dem Comic hätte ruhig beimessen könne. Der letzte Comic im der Dezember-Ausgabe war schließlich auch vier Seiten lang. Laut Untertitel geht es um eine Verschwörung. Zeichentechnisch gesehen ist am Comic nichts aussetzten, auch die layouttechnische Gestaltung von Text und Bildern ist gut gelungen, nur leider - wie gesagt - ein wenig kurz. Man kann gespannt sein auf den nächsten Teil in der kommenden Februar-Ausgabe mit vielleicht ein paar Seiten mehr.
Die Kurzgeschichte dieses Heftes hat gleich mehrere verschiedene Titel: auf dem Cover wird sie angepriesen als "Der Tod als solcher", im Index nennt sie sich "Die Leiche" und die überschrift lautet "Von der Vergeblichkeit des ewigen Seins, dessen Nachwirkungen und deren schöne Seiten", eine Kurzgeschichte von Shakja. Dem geneigten Leser werden hier die Gedankengänge eines Mädchens geboten, die ihren Tod bereits hinter sich hat. Eine kuriose Kurzgeschichte die einen die Verzweiflung und die Ausweglosigkeit eines Lebens nach dem Tod á la Wraith spüren lässt.
Vier Seiten mit teils interessanten und kritischen Leserbriefen runden diesen Envoyer ab.

Wie in so vielen Envoyer-Ausgaben kann man hier auch wieder nicht davon sprechen, dass hier ein einheitliches Layout verwendet wurde. überschriften wie Texte haben bei jedem Artikel ein anderes Format, Zeilenabstände sind von Beitrag zu Beitrag unterschiedlich und an so mancher Stelle fragt man sich, wo der Lektor war. Die Anzahl von Rechtschreibfehlern ist alarmierend hoch, welche auch schon auf dem Cover zu finden sind.
Sieht man mal von diesen Schnitzern ab und berücksichtig, dass der Envoyer ein semi-professionelles Magazin ist, hat der doch viel zu bieten, was den Rollenspieler interessieren kann. Mit dem Abenteuer "Harzer Hexen" hat der Envoyer sich selber übertroffen, einen Vergleich zum letzten Abenteuer (TRI: Verloren im Paradies) sollte man besser gar nicht anstellen. Die Kurzgeschichte ist mal etwas anderes und beinhaltet einige interessante Gedankengänge. "Lassie und Co." laden zum Nachdenke und laden zum Weiterentwickeln der hier angesprochenen Ideen ein, so dass der ein oder andere Charakter sich wohl in Zukunft ein wenig mehr um seinen Gefährten kümmern wird. Doch wenn man sich ein Titelthema setzt und sogar das Cover dementsprechend illustriert, sollte doch ein wenig mehr zum Thema vorhanden sein. "Die Chroniken von Baal" sind ein Augenschmaus, leider ein wenig kurz. Vielleicht lässt sich die Redaktion in der nächsten Ausgabe zu ein wenig mehr hinreißen. Wuddi's Webtip hat hier seine Premiere gehabt und sollte daher mit Nachsicht beurteilt werden. Aller Anfang ist schwer und gute Ansätze zeigen sich hier allemal. "Der Nächste ist immer der Beste."

Preis/Leistung: 8/10
Idee: 8/10
Layout: 5/10
übersichtlichkeit: 6/10
Gesamt: 7/10




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