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Pyramos
Von Ingo Schulze

Rezension erschienen: 28.11.2005, Serie: Rollenspiel, Autor(en): Ingo Höckenschnieder u.a., Verlag: Neue Welten Verlag, Seiten: 244, Erschienen: 2005, Preis: 23,80


Pyramos ist der Fantasyhintergrund für das Universalsystem Prost und nach der Abenteuersammlung "Angst über Bradok" die zweite Veröffentlichung des Neue Welten-Verlags. Präsentiert zur Messe Essen '05 im Softcover, für Fans auch im Hardcover erhältlich, mag sich manch einer fragen - "Nanu, noch ein Fantasysystem?". Doch der Untertitel "Die Welt ist ein Tetraeder" deutet schon an, dass hier einiges anders ist...

Die Welt ist also tatsächlich ein Tetraeder mit (fast) allen Konsequenzen: die vier Flächen bilden vier unabhängige Ebenen, die jeweils einem der Elemente zugeordnet sind. Andere Maße, Richtungen, Zeitunterteilungen und Konventionen sind die Folge...

Eridas, die Erdebene, stellt dabei am ehesten die klassische High-Fantasywelt dar und dient auch dazu, klassische Abenteu(r)er ins Boot zu holen und den Spielern ein erstes Kennenlernen von Pyramos zu ermöglichen, ohne nur auf Neuerungen zu treffen. Die Ebene wird dominiert vom Doppelkönigreich der Menschen, Preteri, aber auch Elben, Zwerge und Kobolde sind zu finden. Neu ist das druidisch geprägte Waldvolk, die vom Aussehen an einen stark beharrten Joda mit haarlosem Kopf und etwas untersersetzer Größe im Vergleich zum Menschen erinnern. Viele Orte laden zu Abenteuern ein: der unheimliche Gebeine-Hügel, der düstere, mit Ruinen übersähte Hrag-Wald oder der Donnerberg mit seiner Donnerburg. Klassisches, bodenständiges Flair, von Legenden und Erzählungen unterstützt, bietet diese Ebene.

Die Ebene der Luft heißt Lias, beherrscht vom Vogelvolk. Auf ihr ragen Berggipfel aus dem Sauren Meer. Im sauren Nebel dort leben Schleimmänner, vermutlich mutierte Menschen, und ameisenartige, mit Chitinpanzern überzogenden Quendel, über ihnen die katzenhaften Krúlauz, Lungas, Menschen, Windelfen und Wolkenstrolche, meist unter der Herrschaft des Vogelvolks, die in fliegenden Wolkenstädten thronen, manchmal auf den fliegenden Festungen der Piraten der Winde. Große Fleischberge, Gaswale, grasen im Tal, während man über sohlweite (kilometerweite) Entfernung das Tonspiel des Hohlhörnigen Pans vernehmen kann. Schon einfache Reisen können auf dieser Ebene zu Abenteuern werden ebenso wie der Kampf ums Überleben gegen Luftpiraten oder ungerechte Herrscher.

Wasser ist das beherrschende Element Hyrions: Nur wenige kleine Inseln, ein zentrales Massiv sowie Eis im Avulna (Norden) ragen aus dem Meer. N'Bughoos, froschartige Humanoide, sind die mächtigen Herren dieser Ebene, sowohl unter wie auch über Wasser, auch weil ihnen die Kun'Takruhr zu Diensten sind. Diese krebsartige Zuchtrasse besteht aus willenlosen Kriegern, die den wenigen Kollaborateuren einheizen, wenn sie sie denn entdecken. In Unterwasser-, Insel- und auch schwimmenden Städten leben Echslinge, Menschen, O'bso, krokodilartige Warags oder auch ganz exotische Scha'el'ael (Quallenartige) und Tk'Arguhn (Polypenartige). In großen Höhen leben die Freien, da hier die unterseeischen Truppen nicht vordringen können, viele Städte sind sogenannte Bundstädte, die Völker dort akzeptieren die Herrschaft der N'Bughoos. Das ideale Umfeld für Seeabenteurer aller Coleur, ebenso wie für Freiheitskampf- und Sabotageakte-Szenarien.

Als letztes Element fehlt das Feuer. Dieses findet sich auf Vulnaris, der wohl fremdartigsten Ebene. Verbranntes Land, Vulkanschlote und Lavaseen beherrschen das Bild, ohne dass es wirkliche Herrscher gibt. Zahlreiche intelligente Völker haben sich allerdings - mal im Widerstreit, mal in guter Zusammenarbeit - herausgebildet: Eisenväter, lederhäutige Zwergenähnliche ohne Haare, Entropen, Wesen von Chaosgöttern geschaffen, Igneus, tanzende Flammengeister, oder Pyromagi, oft als Herrscher über das Feuer bezeichnet, teilen sich mit anderen die Ebene. Auch einige Menschen müssen sich in dieser von Feuer und Chaos geprägten, lebensfeindlichen Ebene zurechtfinden. Dementsprechend können schon Abenteuer im alltäglichen Überlebenskampf gegen Höllenhunde, Lavaschlangen, Magmabestien und Feuerteufel stecken, genauso wie in der Suche nach Wasser, welches die meisten Völker zum Leben brauchen.

Dem zur Seite steht das universelle System Prost, die allgemeinen Kurz-, die Magie- und PSI-Regeln sind hier abgedruckt. Im Gegensatz zu den Ultrakurzregeln, die schonmal im Envoyer zu finden waren, wird noch ausführlich auf das (optionale) Vor- und Nachteilssystem eingegangen. Die Spielmechanismen sind meist einfach und praktikabel und in der Regel von einem W20-Wurf abhängig. Einige Elemente meint man aus anderen Systemen wiederzuerkennen, sie werden jedenfalls in einer ausgewogenen und spielbaren Mischung präsentiert. Auch wenn man manche Passagen schonmal zweimal lesen muss, wenn man es noch nicht kennt und neu lernt.

Eine allgemeine Abhandlung zu Pyramos fehlt auch nicht. Vorweg werden Himmelsrichtung, Sonnenläufe, Elementarzustände, Zeiten, Maße und Ähnliches erläutert. Ebenso wie das Pantheon, wobei es hier schon eine Besonderheit gibt, nämlich die Zusammenfassung mehrerer Götter in Konklaven (z.B. Chaos oder Feuer), die in ihrer Gesamtheit häufig angebetet werden und auch Geweihte haben. Ein ausführlicher Blick wird auf verschiedene Gruppierungen geworfen, Gilden, Bünde, Schulen und Orden, einige wenige gar ebenenübergreifend, vorgestellt.

Den Abschluß bietet eine Einstiegskampagne, die auf alle vier Ebenen führt und einen Vorgeschmack auf Pyramos im Gesamten bietet. Der jeweilige Besuch der Ebene wird mit dem passenden Flair unterlegt und führt die Spieler, wenn auch etwas linear, über ganz Pyramos. Einige kreativen Ideen, wie sie zum bisherigen Quellenbuch gehörten, finden sich auch hier wieder. Dazu kommt, dass Interaktion immer vor purem Kampf steht.

Beim Layout merkt man doch, dass das Buch irgendwann an das Maximum der Druckerei stieß, immerhin 244 Seiten, und es etwas zusammengerückt werden mußte. So kommen einige der erstklassigen Bilder etwas zu klein rüber, insbesondere die Bilder von Nachwuchskünslern Kay Elzner, der auch das erstklassige Cover zeichnete, aber auch Andreas Hölle und Matthias Geiger hätten mehr Potential. Neue, fremdartige Kreaturen wurden auch grafisch ansprechend umgesetzt und dem Leser näher gebracht. Der Satz ist übersichtlich und die Rahmen, jede Ebene hat einen bekommen, tun ihr übriges zur Atmosphäre. Während Rechtschreibfehler im ersten Teil selten sind, nehmen sie im zweiten Teil etwas zu, wenn auch nicht sinnverdrehend oder den Text unverständlich machend.

Ein Wort zum Preis: Zwischen 17 und 27 Euro liegt der Marktpreis für ein 128-seitiges Softcover. Da liegt Pyramos genau in der Mitte - nur ist es fast doppelt so dick... Schon erstaunlich, dass es gerade ein Kleinverlag schafft, das Preisgefüge derart zu durchbrechen, ohne dass man in der Qualität Abstriche machen muss. Das Hardcover in reinem Schwarz ist für 36 Euro und in kleiner Auflage erhältlich.

Fazit: Vier Welten, vollgestopft mit kreativen Ideen und allem, was es braucht um loszuspielen. Endlich mal kein 08-15-Fantasyabklatsch, welcher in Klischees ausartet, sondern mal Neues und Innovatives zu fairem Preis. Da kann man nur die Daumen drücken für die nächsten Publikationen, die mit Sicherheit die Szene bereichern werden!




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