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Quo Vadis?
Von Stefan Moriße

Rezension erschienen: 15.12.2005, Serie: Gesellschaftsspiele, Autor(en): Reiner Knizia, Verlag: AMIGO Spiel + Freizeit GmbH, Seiten: , Erschienen: Oktober 2005, Preis: 12,00 Euro


Amigo legt mit Quo Vadis? einen alten Spielklassiker neu auf. In einer kleinen, handlichen Box und für ein Brettspiel zu einem äußerst günstigen Preis, präsentiert sich das Spiel in neuer Optik. Die Spielmechanismen haben sich gegenüber der Vorgängerversion, die 1992 zum ersten Mal publiziert und im selben Jahr in die Auswahlliste des Spiel des Jahres aufgenommen wurde, nicht verändert und wurden höchstens leicht überarbeitet.

Reiner Knizia, der Autor von Quo Vadis?, schickt die Spieler in die Vergangenheit zurück, genauer gesagt in die Römische Republik. Dort kontrollieren die einflussreichen Patrizierfamilien die hohen Ämter des Landes und bestimmen über die Zukunft Roms. Auch wenn die zahlreichen Gremien, die letztendlich den Senat wählen, in ihrer Struktur demokratische Züge aufweisen, so kann sich eine Familie nur in ihren einflussreichen Positionen halten, wenn sie sich der Zustimmung der anderen Familien sicher ist. Die Macht ist in Rom eine Frage der Kontakte und der aufgebauten Netzwerke. Nur wer andere Familien unterstützt, kann sich auf deren Kooperation verlassen – sofern man nicht dem Schwindel und den falschen Versprechungen unterliegt.

Dieser Grundgedanke bildet den Hintergrund in Quo Vadis? und wurde von Knizia überzeugend in ein fesselndes Spielprinzip eingebettet. Auf einem kleinen Brett sind Einer-, Dreier- und Fünfergremien verzeichnet. Jeder Spieler, der über je acht Senatorfiguren verfügt, darf pro Runde am unteren Rand des Feldes in einer der Gremien einen Senator platzieren. Mit diesen gilt es nun, sich in immer höhere Positionen wählen zu lassen, bis das Ziel, der Senat, erreicht ist. Eine einmal aufgestiegene Figur kann nicht mehr absteigen. Die Wahl des Weges sollte also gut durchdacht werden, denn dank zahlreicher Verknüpfungen zwischen den Gremien kann jede politischen Karriere anders aussehen. Sind schließlich alle fünf Felder des Senats belegt, ist das Spiel vorbei und die Wertung (dazu später) beginnt.

Anstatt pro Runde einen Senator ins Spiel zu bringen, kann alternativ auch ein Senator nach oben gehen, also sich wählen lassen, denn die unteren Felder sind irgendwann zwangsläufig alle besetzt. In Einergremien ist dies ohne Probleme machbar. Der Weg in ein neues Gremium bringt allerdings keine Lorbeeren und damit keine Punkte ein, die für die abschließende Wertung nötig sind. Nach Dreier- oder Fünfergremien sind die Wege in neue Ämter nach Zufall mit Lorbeeren versehen, die zwei bis fünf Punkte einbringen. Um aus einer solchen Position jedoch aufzusteigen, ist die Zustimmung anderer Senatoren in dem jeweiligen Gremium nötig. Das bedeutet, das in einem Derierfeld mindestens eine und in einem Fünferfeld zwei weitere Figuren den Aufstieg gewähren müssen. Hat ein Spieler mehrere Figuren seiner eigenen Farbe in einem Gremium, wird er sich selbst sicher zustimmen. Braucht er jedoch die Zustimmung anderer Spieler, beginnt der spannendste Teil des Spiels, namentlich die Verhandlung.

Verhandelt werden kann über alles mögliche. Ein Abkommen für die Unterstützung in späteren Zügen aber auch das Teilen von Lorbeerpunkten ist möglich. Grenzen gibt es keine. Einzige Voraussetzung ist, dass die Abmachungen, sofern sie in der jeweiligen Runde beendet werden, auch eingehalten werden müssen. Versprechungen in der Form "ich wähle deine Figur in deinem Zug aus einem anderen Gremium, wenn du mich jetzt auch wählst" können eingehalten werden, müssen es aber nicht. Dadurch ergeben sich zahlreiche taktische Möglichkeiten, die die Interaktion zwischen den Spielern deutlich steigern. Mit einem nicht eingehaltenen Versprechen kann dem Gegner zwar viel Schaden zugefügt werden, allerdings ist es fraglich, wie viel Vertrauen der Spieler in späteren Zügen dann noch von seinen Mitspielern erhält. Hier gilt es, geschickt vorzugehen.

Um das Spiel mit einer weiteren Komponente zu versehen, befindet sich unter den Lorbeeren ein Cäsarplättchen. Liegt dieses Plättchen über einem Dreier- oder Fünfergremium, kann dieses Feld ohne Wahl verlassen werden. Cäsar sucht sich seine Lieblinge eben gerne selbst aus. Da nicht nur ein Feld bevorzugt werden soll, kann pro Zug, alternativ zu dem Einsetzen einer Senatorfigur oder dem Ziehen einer solchen, auch Cäsar mit einem beliebig anderen Lorbeerplättchen vertauscht werden.

Fazit
Quo Vadis? ist ein unterhaltsames und durchgängig überzeugendes Spiel, das dank seiner Interaktionsmöglichkeiten auch nach mehrmaligem Spielen nicht langweilig wird. Das Fehlen von Würfeln reduziert die Glückselemente auf ein Minimum und belohnt gleichzeitig Taktik und das strategische Vorgehen. Die Ausstattung ist für den Preis mehr als gerechtfertigt. Ein großer Vorteil ist, dass dank zweier beigelegter Stofftüten das Umherfliegen der Lorbeerplättchen und Spielfiguren durch die Pappschachtel verhindert wird. Zwar gewinnen das Spielbrett und die Figuren keinen Schönheitspreis, doch erfüllen sie voll und ganz ihren Zweck.
Wer ein kostengünstiges Spiel sucht, das auf Interaktion basiert, einfache Regeln mit vielen Möglichkeiten bietet und dauerhaften Spielspaß garantiert, liegt bei Quo Vadis? genau richtig. Also, auf nach Rom!




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