Willkommen Gast - LORP.de v2.45.00
LORP.de  
Seite drucken Seite empfehlen Leserbrief schreiben Translate into English with Google
 

Startseite » Rezensionen » Gesellschaftsspiele » Brettspiele » Monstererbe - Das Testament des Doktor F.

Monstererbe - Das Testament des Doktor F.
Von Michael Bauland

Rezension erschienen: 01.05.2006, Serie: Gesellschaftsspiele, Autor(en): Michael Benkendorf, Verlag: Spiellabor, Seiten: , Erschienen: Oktober 2005, Preis: 49,90 Euro


Mit dem Spiel Monstererbe – Das Testament des Doktor F. hat Michael Benkendorf in seinem Eigenverlag Spiellabor ein durchaus gelungenes Brettspiel auf den Markt gebracht. Wie der Titel bereits verrät, geht es darum, ein Erbe anzutreten. Ein Doktor F., Neffe eines gewissen Frankensteins, ist gestorben und sein überaus lukratives Erbe erhält derjenige, der einen künstlichen Menschen erschafft. So versuchen die Spieler mit verschiedenen Organen und anderen Hilfsmitteln, ein solches Monster zusammen zu flicken, zu erwecken und für zwei Runden am Leben zu halten.

Auf der Verpackung des Spiels sieht man einen Bildausschnitt, auf dem ein Doktor in seinem Labor an einem Bein arbeitet. Im Hintergrund wird ein anderes Monster von einem Blitz getroffen und vermutlich erweckt. Im Karton sind die Spielutensilien leider nur ausreichend verpackt. Der Spielplan und die Pläne für die Labore der Spieler passen gut hinein. Für die Karten gibt es eine passende Pappschachtel, die lose im Karton liegt. Außerdem wurden noch zwei Plastikbeutel zugegeben, in die man beispielsweise die Würfel und die Spielfiguren legen kann. Das Spielgeld hingegen liegt unverpackt in der Schachtel.

Das Spielmaterial ist größtenteils von guter Qualität. Es gibt 363 Karten aus mit Kunststoff beschichteter Pappe, einige Würfel, Geldscheine aus Papier, ein Spielbrett, sechs Laborpläne (einen pro Spieler) und vier Spielfiguren pro Spieler. Die Spielfiguren werden aus zwei Teilen zusammengesteckt, so dass sie aufrecht stehen können. Allerdings passen die Teile nicht gut zusammen und lösen sich häufig von selbst, so dass man am Anfang des Spiels seine Spielfiguren jeweils wieder zusammenstecken muss. Alle Karten, der Spielplan und die Spielsteine sind sehr schön illustriert und haben humorvolle Texte.

Die Spielanleitung ist leider die Schwachstelle des Spiels. Obwohl sich der Autor sicherlich viel Mühe damit gemacht hat, ist sie dennoch schwierig zu verwenden. Sie besteht aus mehreren Teilen. Zum einen ist da der Abschnitt der eigentlichen Regeln. Alle wichtigen Begriffe haben einen Index, so dass man deren Definition (und weitere Informationen) im zweiten Teil der Spielregeln, einem Kompendium, nachlesen kann. In einem dritten Teil werden dann noch die wichtigsten Spielkarten näher erläutert. Der Hauptteil der Spielregeln kommt dabei ohne Beispiele und Illustrationen daher, so dass man zwölf Seiten Text durcharbeiten muss, was dank eines lockeren und witzigen Schreibstils aber nicht zu schwer fällt.Das eigentliche Problem der Spielregeln liegt darin, dass nicht alle Regeln im Hauptteil beschrieben sind. Einige wichtige Informationen findet man nur im Kompendium und andere wiederum nur im Kartenalmanach. Dadurch fällt es sehr schwer, spezielle Regelfragen zu klären (die bei den umfangreichen Regeln häufiger auftreten), da man nicht weiß an welcher Stelle man suchen muss. Ebenfalls bleiben einige Detailfragen offen, so dass man sich im Spiel selbst verständigen muss, wie man diese regelt.

Der Spielplan von Monstererbe stellt ein kleines Dorf dar. Hier finden sich die Labore der Spieler, ein Friedhof, ein Laden, eine Bibliothek, ein geheimes Kabinett und eine Spelunke. Zu Anfang werden die Spielkarten gemischt und entsprechend ihrer Gattung (dazu später mehr) auf die verschiedenen Orte verteilt. Jeder Spieler erhält ein Labor (eigene Spielfläche zum Ablegen von Karten), welches auf dem Hauptspielplan durch ein farbiges Fenster angezeigt wird, einen Doktor und einen Amateur-Igor (ein Gehilfe des Doktors, der unterschiedliche Werte in fünf Eigenschaften haben kann) in seiner Farbe.

Monstererbe ist ein rundenbasiertes Spiel. Jede Runde besteht aus vier Phasen, wobei jeder Spieler in jeder Phase aktiv werden kann. In Phase eins wird die Leibrente (in der Währung Knochenmark) kassiert und es muss der Lohn für die Igors (ja, es gibt mehrere dieser Art) bezahlt werden. Der Startspieler würfelt zusätzlich das Wetter aus (es kann sonnig sein, bewölkt sein oder ein Gewitter geben) und bestimmt mit einem weiteren Würfel, ob der verrückte Wissenschaftler in der Irrenanstalt gefangen oder in seinem geheimen Kabinett ist. In der zweiten Phasen bestimmen alle Spieler gleichzeitig und geheim den Aufenthaltsort ihrer Personen (ein Doktor und ein oder zwei Igors). Die dritte Phase nimmt den Hauptteil des Spiels ein. Hier werden nacheinander alle Orte abgehandelt und anwesende Spieler können agieren. Hierzu ein kurzer Überblick, was an den jeweiligen Orten gemacht werden kann:


  • Friedhof: Hier können Igors graben. In Abhängigkeit von verschiedenen Faktoren (unter anderem dem Fleiß des Igors) darf man sich mehrere Karten nehmen. Dabei befinden sich auf dem Friedhof hauptsächlich Organe (wie beispielsweise Herz, linker Arm, rechtes Auge), die man für sein Monster benötigt. Es gibt auch einige Schätze, die man im Laden verkaufen kann, und Reliquien (Bonuskarten mit besonderen Eigenschaften).

  • Laden: Hier können Igors oder der Doktor Waren kaufen. Diese Waren bestehen aus nützlichen und notwendigen Dingen. So bekommt man nur hier einen Blitzableiter oder einen großen Schalthebel (beide sind für Erweckungsversuche natürlich unabdinglich).

  • Bibliothek: Hier können Igors oder der Doktor Bücher kaufen. Bücher bringen entweder Boni im Spiel (beispielsweise mehr Leibrente durch ein gefälschtes Testament) oder Boni für die Siegpunkte am Schluss.

  • Geheimes Kabinett: Nur falls der verrückte Wissenschaftler anwesend ist, ist das geheime Kabinett überhaupt zugänglich. In diesem Fall verkauft er pro Runde maximal ein Gehirn.

  • Spelunke: Hier kann der Doktor weitere Igors (mit möglicherweise besseren Fähigkeiten) anheuern. Wobei jeder Spieler immer maximal zwei Igors gleichzeitig beschäftigen kann.

  • Eigenes Labor: Im eigenen Labor kann der Doktor operieren, also Körperteile und Organe an das Monster anbringen. Sollte man ein lebensfähiges Monster haben (hierzu muss das Monster eine bestimmte Liste von Organen mindestens enthalten), kann der Doktor einen Erweckungsversuch starten. Dazu würfelt man mit einem W20 und muss abhängig von verschiedenen Boni eine bestimmt Zahl erreichen. Sollte man bereits ein lebendes Monster haben, muss ein Lebenserhaltungswurf (ebenfalls mit einem W20) erfolgen, damit das Monster nicht direkt wieder stirbt.

  • Fremdes Labor: In fremde Labore kann man Igors schicken, die abhängig von ihren Werten und Abwehrmaßnahmen Handkarten des anderen Spielers klauen können.


Die letzte Phase dient dazu, dass Spieler untereinander handeln können. Das Spiel endet, sobald ein Monster zwei Runden überlebt hat. Nach einer relativ komplizierten Tabelle werden dann die Siegpunkte an alle Spieler verteilt. Der Spieler mit den meisten Punkten hat gewonnen.

Das Spiel lässt sich mit drei bis sechs Spielern spielen und funktioniert in allen Besetzungen sehr gut. Für die Spieldauer sollte man bei drei Spielern ungefähr drei Stunden einplanen. Bei mehr Spielern steigt die Zeit entsprechend auf rund vier Stunden. Auf Grund der vielen Möglichkeiten, des festen Ziels vor Augen (sein Monster immer weiter operieren, bis es lebensfähig ist) und nicht zuletzt dank des humorvoll umgesetzten Themas werden diese Stunden aber nie langweilig.

Fazit:
Wer nicht vor komplexeren und längeren Spielen abschreckt, erhält mit Monstererbe ein sehr schönes und witziges Spiel. Das Thema ist sehr gut umgesetzt, die Spielmechanismen funktionieren ebenfalls gut. Einzig die verzettelten Spielregeln trüben den Reiz des Spiels. Hier muss man Ausdauer beweisen und sie mindestens zweimal komplett durchlesen, um alle Regeldetails zu kennen und sich zu erinnern, an welcher Stelle man bei Fragen nachlesen muss.



LORP.de Copyright © 1999 - 2017 Stefan Sauerbier, Alle Rechte vorbehalten.