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Unter dem Schirm des Jadekaisers
Von Ingo Schulze

Rezension erschienen: 29.12.2005, Serie: Rollenspiel, Autor(en): Isolde Popp, Verlag: Pegasus Spiele GmbH, Seiten: 304, Erschienen: Oktober 2005, Preis: 34,95 Euro


Nach den neuesten Entwicklungen bei Midgard wird wohl "Unter dem Schirm des Jadekaisers" eines der letzten Produkte aus dem Hause Pegasus Press sein, bevor das System zum Verlag für F&SF-Spiele von Elsa Franke zurückkehrt, der aber auch Lizenz- und Herausgeber dieser Publikation sind. Bei Pegasus verbleibt der (Groß-)Vertrieb des Midgardsystems. Also bleibt auch irgendwie alles beim alten, nur der aufgedruckte Verlag wird ein anderer werden...

Unter diesen Vorzeichen stand also die Neuauflage der KanThaiPan-Box, welche diesmal als schönes, Hardcover mit mehr als 300 Seiten erschienen ist und zahlreiche Überarbeitungen erfahren hat. Die Region ist das Äquivalent des irdischen China, das ebenfalls beschriebene TsaiChen-Tal entspricht hingegen dem irdischen Japan.

Die ersten hundertzwanzig Seiten bieten den kulturellen, religiösen und geschichtlichen Hintergrund beider Länder. Zahlreiche Dynastien herrschten über das Land, bevor vor über 800 Jahren die späte Mangdynastie unter Kaiser Fang begann und zugleich die "Schwarzen Adepten" erschienen.

Die Gesellschaft ist geprägt von modernen Errungenschaften: landwirtschaftliche Geräte, astronomische Uhren, Magnetnadeln oder gar einfache Flugapperate. Auch Recht und Gesetz sind bekannt, gar Ausweispapiere und Schutzpässe. Die Stände und Ränge in der Gesellschaft werden natürlich auch beleuchtet: Ob Fürst, Beamte oder Bauer, wie sieht die typische Lebenswirklichkeit dieser Menschen aus?

Glauben und Mystik sind ebenfalls ein prägendes Element in KanThaiPan. Verschiedenste Lehren stehen miteinander in Konkurrenz: Ahnenkult, typische Götterpantheons oder das Äquivalent des Buddhismus sind nur einige Beispiele für die häufig in zahlreiche Untersekten zersplitterte Kulte. Unterstützt wird das ganze von kleinen Sagen und Legenden, die sich häufig ums Thema Unsterblichkeit drehen. "Sitten und Gebräuche" berichtet vom sozialen Miteinander und ist so vielleicht das wichtigste Kapitel. Typische Verhaltensweisen von SCs aus der Region können hier ebenso abgeleitet werden wie das Auftreten von NSC.

Ein Ausflug in die einzelnen Regionen KanThaiPan führt durch das Land und seine Besonderheiten: der fruchtbare Osten, das karge Grenzland Sun im Nordosten, die Klöster in den Bergprovinzen, die fischreichen Ebenen Sui und Chan am Schattenmeer und natürlich das wehrhafte, abgegrenzte TsaiChen-Tal. Grundrisse von Palästen und typischen Häusern runden die Gesamtbeschreibung ab.

Der zweite große Teil des Buches, rund 50 Seiten im Umfang, kümmert sich um die regeltechnische Ausgestaltung von Charakteren aus der Region mit ihren besonderen Fertigkeiten und Hintergründen. Grundlage sind die Standardklassen Midgards, die regional modifiziert werden. Typische Beispiel-NSCs werden angerissen, Dichter, Bergführer, Gelehrte, Wächter oder Wandermönche. Neben den Werten werden die Rollen kurz umrissen, in denen sie ad hoc eingesetzt werden können. Daneben gibt es aber auch eigene Klassen, die sich nur hier finden: DokuUba (Gifthexen), KiDoka (fernöstliche Kämpfer), Ninja (Assasinen) oder XuéDsche (Gelehrte). Fertigkeiten aus der Region sind beispielsweise spezielle Kampfkünste oder Wissensfähigkeiten wie FengSchui (das Erkennen von Orten mit gutem oder schlechten Einfluß) oder LiYao (Feueralchemie). Die Lernpunktpläne für kanthaipansche Charaktere sind im Anhang enthalten.

Der Kunst des Kampfes, dem KiDo, ist ein eigenes Kapitel gewidmet, schließlich gibt es Dutzende von Angriffs- und Entwaffnungstechniken, Finten und Waffen, die alle benutzt und beherrscht werden wollen. Die Besonderheiten der fernöstlichen Magie werden erläutert und mit zahlreichen Zaubersprüchen untermauert. Abschließend gibt es noch einen Ausflug in die kanthaipansche Fauna mit Rabenkobolden, den Feuerdämonen BalRok, den Fuchsgeistern HuLis oder den Flußdrachen Long.

Als Beilage gibt es eine gefaltete Farbkarte der Region, die etwas größer als A2-Format ist. Stabiles, griffiges Papier, intimetaugliche Zeichnungen und stimmige, atmosphärische Farben auf der Basis der 1992er Karte. Aber auch die Aufmachung des Buches macht einiges her: durchgehend sauberes Layout mit genügend Bildern und Zeichnungen, griffigem Hardcover und edlem Lesebändchen.

Fazit: Eine gelungene, ausgewogene Mischung aus stimmiger Regionalbeschreibung, neuen Charakteren für Spieler- und Spielleiterhände und unterstützenden Regeln.




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