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Artefakt #15
Von Ralf Sandfuchs

Rezension erschienen: 09.12.2005, Serie: Zeitschriften, Autor(en): , Verlag: Förderkreis innovatives Spiel e.V., Seiten: 83, Erschienen: 2005, Preis: 4,30 Euro


Das Artefakt ist mit seiner Ausgabe 15 auf einem guten Stand angekommen und hat für Fans des eher düsteren Rollenspiels einiges zu bieten.
Nach einigen Rezensionen folgt ein Artikel unter dem wunderschönen Titel ...und dann tret' ich Cthulhu in die Fresse!, der einen eindringlichen Blick auf das Thema Horror und cinematisches Rollenspiel wirft und dabei einige interessante Ideen aufbringt. Passend dazu werden anschließend einige Lovecraft-Verfilmungen vorgestellt, wobei der Autor jedoch stellenweise zu sehr ins Schwafeln gerät und ganze Plotlines einfach so ausplaudert.

Das darauf folgende Abenteuer Das Böse über Stadt versöhnt den Leser jedoch mit seiner interessanten Grundidee und der gelungenen Ausführung. Eigentlich ist es für Arcane Codex geschrieben, kann jedoch ohne Probleme für jedes andere Fantasy-Rollenspiel benutzt werden. Und das wäre sicherlich lohnenswert, denn die Geschichte um die Bedrohung einer Stadt durch eine düstere dämonische Macht ist vielschichtig und wartet mit einem feinen, aber gemeinen Ende auf. Ein wirkliches Highlight!

Danach dann ein weiterer Höhepunkt dieser Ausgabe: das Cthulhu-Abenteuer Le Tour du Mal, um die erste Tour de France im Jahr 1903. Es ist offensichtlich eine Menge Recherche-Arbeit in dieses Abenteuer geflossen, und das Ergebnis kann sich auch durchaus sehen lassen. Die Atmosphäre des Jahres 1903 wird wunderbar eingefangen, bis hin zu der eher improvisierten Natur, die die Tour in jenen Tagen hatte. Auch die Einbringung des Mythos ist gut gelungen und in sich schlüssig.
Ich habe eigentlich nur mit zwei Dingen ein Problem: Das Eine ist der Tod des historisch verbürgten Teilnehmers Hyppolite Aucouturier, der jedoch in Wirklichkeit noch an mindestens einer weiteren Tour de France teilnahm; bei der restlichen historischen Genauigkeit (soweit ich dies prüfen konnte) ist dies ein unnötiger Faux-Pas (im Spiel sollte man seinen Tod einfach durch den eines unbekannten oder erfundenen Fahrers ersetzen). Das zweite Problem sind die vorgegebenen Charaktere. Einer ist der Organisator der Tour, der zwar nach dem Willen des Autors die Tour mehr oder weniger selbst organisieren sollte (in meinen Augen ein fast unmögliches Unterfangen im Rahmen eines Rollenspiels), dafür aber kaum mit den Mythos-Elementen in Berührung kommen dürfte. Der nächste Charakter ist sein Gegner, der die Tour verhindern will, für den aber im Abenteuer kaum Verwendung ist. Die besten Spielmöglichkeiten bieten die vorgegebenen zwei Teilnehmer der Tour, die auch am leichtesten direkten Kontakt zu den übernatürlichen Phänomenen bekommen können. Mein Vorschlag zur Lösung des Dilemmas (denn die Rolle des Planers bietet einen höchst interessanten Einblick in den Hintergrund der Tour): jeder Spieler übernimmt einen Fahrer und einen Helfer des Organisators, die er abwechselnd spielt, denn so kann man dieses wirklich faszinierende Abenteuer wohl am besten erleben.

Den Abschluss dieser Ausgabe bietet das Abenteuer Die weiße Frau für das in meinen Augen völlig unterschätzte Kinder-Rollenspiel Kleine Ängste. Die gruselige und bisweilen eklige Geschichte um eine Tagesmutter und ihr düsteres Geheimnis dürfte den kleinen Charakteren einiges an Horror bieten, wenn sie nicht schon genug Schrecken aus den schwelenden Konflikten zwischen den vorgegebenen Charakteren ziehen können. Bis auf einige Äußerungen über Kinder und Eltern, die mich als zweifachen Vater doch zum Grinsen brachten, ein rundum gelungenes Szenario!

Insgesamt gesehen ist diese Ausgabe des Artefakt eine runde Sache, und wo bekommt man schon drei gute Abenteuer und einige interessante Artikel für gerade mal 4,30 €? Von daher, eine uneingeschränkte Kaufempfehlung!


Besuchermeinungen
keine Wertung Besten Dank für die Rezension, endlich sind wir im Netz mal ein wenig präsent. Das mit dem Fahrer bei der Tour ist in der Tat ein Fauxpas, seltsam, dass ich das nicht gemerkt hab. Ich werde das aber auch nochmal nachschlagen. In der Tat hab ich derbe dabei recherchiert, war auch ein wenig eine Herzensangelegenheit. Die Organisation der Tour seitens des Charakters klappte im Testspiel besser, als ich es gedacht hab. Er hat gleich zu Anfang imt dem Quatschen gar nicht mehr aufhören wollen, obwohl der Spieler keinen Schimmer vom Radsport hatte. Auch der Gegenspieler hatte richtig zu tun, als er sich als Freund ausgab und Hilfe anbot und dann Sonderblätter mit Spott und Häme herausgab. Die Filme hab ich deshalb so ausführlich besprochen, weil man den Großteil davon nicht mehr, oder nur sehr schwer, bekommen kann. Zur Weißen Frau: Nett, dass Du das System schätzt, ich bin der Meinung, dass es doch ein wenig totgemotzt wurde. Zu den Äußerungen über Kinder: Naja, mit 23 hab ich noch keine ;-)
von Chrtistoph Schubert
Aussergewöhnlich (5 Sterne) Das Abenteuer zur "Tour de France" ist sicherlich der Höhepunkt des ganzen Artefakt, ein sehr cooles Stück Zeitgeschehen, gut recherchiert (für Fanzineverhältnisse eigentlich excellent) und eine Verneigung vor der Tour der Leiden, die ja schon bald wieder bevorsteht...

Der Filmartikel hat dann ja fast schneller als der Hexer von Salem den Pulp in Cthulhu gebracht :-)
von Greifenklaue
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