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Aggersborg
Von Michael Schmitt

Rezension erschienen: 02.12.2005, Serie: Gesellschaftsspiele, Autor(en): Uwe Fischle, Verlag: Spielteufel GmbH, Seiten: , Erschienen: Oktober 2005, Preis: 38,00 Euro


Aggersborg

Bei "Aggersborg" handelt es sich um eine der größten Wikingerburgen in Dänemark. Sie hat einen Durchmesser von 240 Metern und der ringförmige Wall ist 750 Meter lang.
Diese historische Stätte hat Uwe Fischle als Hintergrund für sein erstes Brettspiel gewählt.
Es geht darum Aggersborg aufzubauen und mit einem Ringwall zu schützen. Wer dabei seine Langhäuser taktisch am besten platzieren kann, darf sich am Ende "Königlicher Bauherr" nennen.

Das Spiel stammt von einem Kleinstverlag und hat eine geringe Auflage. Wie bei solchen Spielen üblich ist einiges "selbstgemacht". Das ist schon an der Schachtel zu sehen. Der farbige Deckel ist beklebt und zeigt das hübsche Logo des Spiels. Leider ist so eine Schachtel insgesamt etwas empfindlicher und nutzt sich schneller ab.
Im Inneren befindet sich eine Menge Spielmaterial. Allein die Langhäuser bestehen aus insgesamt 96 Teilen, hinzu kommen 64 Wallteile. Daneben gibt es noch Karten, einen echten Stein, etwas Kleinmaterial und einen Spielplan. Dieser ist sehr liebevoll gezeichnet und versetzt die Spieler in die Zeit zurück auf eine weite Ebene, in der eine neue Ringburg entsteht. Der Plan ist sehr robust und übersichtlich. Eine kleine Skizze für die Sonderwertungen ist ebenfalls darauf vorhanden. Die Spielsteine bestehen aus lackiertem Holz in bester Qualität. Die Auswahl der einzelnen Spielerfarben (schwarz, weiß, gelb, rot) wirkt anfangs etwas unpassend und schadet ein wenig der Übersicht. Das legt sich aber schnell nach ein paar Runden. Die Abstimmkarten sind ebenfalls schön gezeichnet, können jedoch mit professionellen Produktionen nicht mithalten. Sie sind farbig auf Karton gedruckt und besitzen keine Schutzschicht. Eine schnelle Abnutzung ist wahrscheinlich.

Bei der Spielanleitung handelt es sich lediglich um Schwarzweiß-Kopien, die zu einem Ringbuch zusammengefasst sind. Sie hat einen klaren und verständlichen Aufbau und ist nicht zu lang. Ein paar mehr Beispielbilder wären hilfreich sind aber nicht nötig. Die Variante für 2 Spieler ist nicht ganz eindeutig, klärt sich aber spätestens nach zwei Spielen.

Die Spielvorbereitungen sind recht schnell getroffen und man findet auch schnell ins Spiel hinein. Jeder Spieler erhält Langhäuser in seiner Farbe, die dazugehörigen Abstimmkarten und eine bestimmte Anzahl an Wallteilen. Zu Beginn erfolgt erst mal eine Grundsteinlegung, bei der jeder nacheinander einen Raum in eines der vier Baugebiete legt. Der "Runenstein" bestimmt dabei, wie auch im folgenden Spiel, den Startspieler.
Danach beginnt das eigentliche Spiel. Als Erstes erfolgt eine Abstimmung. Dazu wählt jeder Spieler verdeckt eine seiner Abstimmkarten mit den Werten 1-6 aus. Wer die Höchste gelegt hat darf zuerst seine Aktionen ausführen. Hat er alleine eine 1 gespielt, darf er ein Feuer legen und somit einen Raum oder ein Dach entfernen. Hat er alleine eine 2 gespielt, darf er einen Aufstand ausrufen. Dieser bezieht sich auf eines der vier Baugebiete, in dem nichts mehr gebaut werden darf, solange der Aufstand dort besteht. Schließlich muss er noch ein Raum oder Dach seiner Farbe auslegen. Wobei ein Dach natürlich nur auf einen Raum gebaut werden darf. Setzt er das Dach auf einen Raum der eigenen Farbe, darf er eines seiner Wallteile an den Ringwall anlegen. Hat der Spieler in seinem Zug gar ein oder mehrere Sonderkonstellationen fertiggestellt, darf er mehrere Wallteile anlegen. Wurde eines der vier Baugebiete beendet (alle Dächer sind gebaut), gibt es noch einmal eine Sonderwertung für die meisten Dächer.
Beim Spielen muss man sich schon sehr auf die Lage der anderen Häuser konzentrieren und selbst gut überlegen wie man baut. Dabei darf man die verschiedenen Wertungsmöglichkeiten nicht aus den Augen lassen.
Das Spiel endet entweder, wenn ein Spieler alle seine Wallteile verbauen konnte, der Ringwall fertig ist, alle Baugebiete abgeschlossen sind oder ein Spieler nicht mehr agieren kann.
Wer jetzt keine oder die wenigsten Wallteile übrig hat wird zum "Königlichen Bauerherr" ernannt und gewinnt das Spiel. Durch den Aufbau des "Walls" wurde somit die Punktewertung der einzelnen Spieler mal auf eine andere Weise originell umgesetzt.

Ein toller Anblick bietet das Spielfeld am Ende wenn die Ringburg fertig ist. Meist sind fast alle Langhäuser gebaut und von dem fertigen Wall umgeben.
Aggersborg lässt sich in jeder Besetzung gut spielen. Bei wenigen Spielern ist es sogar noch etwas taktischer. Die Spieldauer ist wie angegeben (wenn nicht gerade Dauergrübler mitspielen). Das Prinzip mit den Abstimmkarten kennen wir schon aus anderen Spielen. Es gibt noch weitere bekannte Elemente, die jedoch sehr gut in einem neuen Spiel umgesetzt und ergänzt wurden.

Fazit: Aggersborg besticht nicht nur durch sein Material und seine Optik. Die Spieltiefe und die Möglichkeiten sind vielfältiger als es das erste Spiel vermuten lässt. Leider mangelt es etwas an Abwechslung.
Schade, dass der hohe Preis eher abschreckend wirken dürfte. Aber aufgrund des Materials und der kleinen Auflage, bei der die Kosten immer höher sind als bei einem professionellen Spiel, ist der Preis vertretbar. Man erhält dafür ein gutes und stimmiges Spiel.




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