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Die Minen von Moria-Einsteigerset
Von André Domke

Rezension erschienen: 10.11.2005, Serie: Tabletop, Autor(en): , Verlag: Games Workshop Deutschland GmbH, Seiten: , Erschienen: Oktober 2005, Preis: 49,95 Euro


Die Tabletop-Umsetzung des Fantasy-Meisterwerks "Der Herr der Ringe" hat Games Workshop schon seit einiger Zeit in die Welt der Miniaturenstrategen fest verankert. Da auch weiterhin neue Käuferschichten dazu gewonnen werden sollen, bietet der Publisher der Warhammer-Reihe nun eine Box an, die sich vor allem an die Einsteiger in dieses Spielegenre richtet.

Für einen Preis von rund 50 Euro erhält man eine schick designte Box, die neben mehr als 40 Plastik-Miniaturen auch einige Geländeteile sowie ein Schnellstartheft und ein komplettes Regelbuch enthält.
Die Figuren erscheinen minimal kleiner als jene der Warhammer-Serie und auch etwas weniger konturiert. Als weiterer Unterschied sind die runden Bases anzusehen, welche allerdings mehr Bewegungsmöglichkeiten einräumen und eher auf Einzelkämpfe denn auf Massenschlachten ausgerichtet sind. Dass dieses Design nicht von ungefähr kommt, wird später noch näher erläutert.

Etwas unverständlich hingegen ist die teils sehr üppige Auslegung der Gussstege zu den Figuren und Geländestücken. So muss man doch recht häufig ein Kneifwerkzeug bemühen, da viele Teile und Figuren auch noch so angebunden sind, dass sie sich nicht einfach aus dem Plastikrahmen herausdrehen lassen.
Es ist also vor dem Bemalen (natürlich nicht zwingend für das Spielen mit den Figuren notwendig) noch einiges an Restarbeit nötig. Bei einigen Figuren (z.B. Sam mit Pfanne in der Hand) sind dagegen einige Details nicht sehr widerstandsfähig konstruiert. Die meisten Schwerter, Sperre usw. wirken aber doch recht bruchsicher.

Inhaltlich geht es, wie der Titel der Box schon vermuten lässt, um den schwierigen Gang der Gefährten durch die dunklen Minen von Moria. Hierzu bietet das 33-seitige Schnellstarterheft vier vorgefertigte Szenarios, die alle in den Tiefen der Zwergenstadt spielen. Das Heft wie auch das im praktischen A5-Format daherkommende 110-seitige Regelbuch sind sehr ansehnlich layoutet und das Glanzpapier macht einen sehr stabilen und hochwertigen Eindruck. Auf der Rückseite der Starterbroschüre finden sich praktischer Weise alle wichtigen Charakterwerte der in der Box enthaltenen Figuren. Für die gute Seite sind dies im übrigen sämtliche neun Gefährten, die böse Seite wird durch 24 Moria-Goblins vertreten. Letztere teilen sich in je ein Drittel Bogenschützen, Lanzenkämpfer und Schildträger. Nicht vergessen werden darf natürlich auch der riesige Höhlentroll, der je nach Gusto mit großem Hammer oder langem Speer ausgestattet werden kann. Vier Säulen, eine große Flügeltür, zwei Falltüren, Balins Grab und noch einige kleinere Geländestücke verhelfen selbst einem Tisch als Grundfläche zu einer gewissen Atmosphäre.
Ein paar Würfel und zwei Messstäbe komplettieren die Ausstattung der Box, wobei letztere aus unerklärlichen Gründen nur mit metrischen Maßen versehen sind. Dieser Umstand könnte bei der Benutzung von englischsprachigen Erweiterungswerken eventuell hinderlich sein. In den Regelwerken sind alle Angaben hingegen auch in Zoll berücksichtigt.

Das Schnellstartheft ist grundsätzlich recht übersichtlich und gut strukturiert aufgebaut. So startet es mit einer kleinen Einführung in die Welt des Herr der Ringe-Tabletops und zeigt Tipps zur Vorbereitung des Spielfeldes sowie der Figuren, um sich danach den Szenarios zu widmen. Abschließend gibt es noch einige Anleitungen zur Bemalung der Miniaturen und zur Erweiterung der Sammlung.

Die Szenarios sind so aufgebaut, dass man durch sie die Grundlagen des Spielsystems kennen lernt. Warhammer-Spieler dürften sich ein Stück weit zu Hause fühlen, sind doch die verwendeten Charakter-Attribute nahezu identisch. Doch bei der Spielweise zeigen sich einige Unterschiede. So gibt es beispielsweise Kontrollzonen um die Charaktere und auch die Angriffs- und Verteidigungsregeln sind nicht die gleichen. Kritik muss allerdings insofern angebracht werden, dass in den einzelnen Szenarios bestimmte Regeln nicht genannt werden, sondern der Text auf eines der anderen Szenarios verweist. Spielt man also diese Settings nicht in der vorgegebenen Reihenfolge oder hat sich noch nicht alle Regeln eingeprägt, ist wildes Blättern angesagt. Hier hätte man sicherlich ein wenig mehr Platz spendieren und die benötigten Regeln einfach in jedes Szenario drucken sollen.

Insgesamt sind die Szenarien sehr stark an den Film angelehnt, was daher fast immer das gleiche Schema hervorruft: Kleine Heldengruppe kämpft gegen große Moria-Übermacht. Man sollte denken, damit wäre die böse Seite im Vorteil. Doch schaut man sich die Werte und Fähigkeiten der guten Seite einmal genauer an, verkehrt sich dieser Eindruck ins Gegenteil. So brachte ein Testspiel des großen Finales in Balins Grabraum einen fulminanten Sieg der Gefährten und ließ einen etwas frustrierten Spieler der Moria-Goblins zurück. Kein Wunder, trafen hier doch trotz zahlenmäßiger Überlegenheit der Moria-Goblins ca. 190 Punkte auf über 600 Punkte der Gefährten. Dass solch ein Ausgang nicht immer vorherbestimmt ist und immer auch zu einem anständigen Teil vom Würfelglück abhängt, zeigt eine Testspielreihe auf den offiziellen Seiten von Games Workshop (http://www.games-workshop.de/hdr/).

Wer nach dem Durchspielen der vier Szenarien Orkblut geleckt hat und seine Armeen ausbauen möchte, für den dürfte das beigelegte erweiterte Regelwerk sehr hilfreich sein. Dort werden viele weitere Zusatzregeln beschrieben, wie beispielsweise für bestimmtes Gelände, verschiedene Waffen und Belagerungswerkzeuge, Reiterei, monströse Einheiten und vieles mehr. Weiterhin finden sich hier auch fast alle erhältlichen Einheiten mit Bild und Werten sowie Spezialfähigkeiten. Ein sehr hilfreiches Werk, dass durch seine praktische Größe und dem sehr übersichtlichen und gut strukturierten Inhalt immer zur Hand sein sollte. Dass es immer Platz für Verbesserungen gibt, zeigt sich allerdings auch hier. So war es nicht möglich, eine klare Regelung zu finden, wie die Nahkampfabfolge zu handhaben ist, wenn mehrere Einheiten im Gefecht miteinander verstrickt sind und zusätzlich weitere Angreifer hinzukommen. Ein Umstand, der ein wenig in der Tatsache begründet scheint, dass es nur eine Nahkampfrunde gibt, die nicht in Angriff und Verteidigung unterteilt ist.

Abschliessend lässt sich Games Workshop bescheinigen, dass mit dieser Box ein sehr guter Grundstein für den Einstieg ins Tabletop gelegt ist und durchaus viele weitere Spieler für das System gewonnen werden können. Dass dies auch noch mit einem mehr als akzeptablen Preis gelungen ist, wird den sammelnden und spielenden "Herr der Ringe" - Fan sehr erfreuen.




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