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Pyramos - Die Welt ist ein Tetraeder
Von Lars-Hendrik Schilling

Rezension erschienen: 09.11.2005, Serie: Rollenspiel, Autor(en): , Verlag: Neue Welten Verlag, Seiten: 234, Erschienen: 2005, Preis: 23,80 Euro


"Warum dieses Rollenspiel anders ist?" - damit wirbt der Klappentext von Pyramos zu Recht. Auf 234 Seiten wird eine Fantasywelt beschrieben, die mit vielen innovativen Konzepten und Ideen aufwartet.

Die Welt Pyramos ist tatsächlich ein Tetraeder. Dabei ist jede der vier Seiten eine Ebene, die jeweils eines der vier Elemente vertritt. Eigentlich handelt es sich nicht um eine, sondern um vier Welten, denn von einer Ebene kommt man nur durch aufwendige Magie auf eine der anderen. Das Konzept der vierseitigen Welt ist konsequent umgesetzt. So gibt es sechs Himmelrichtungen, die jeweils auf eine Seite oder Ecke der dreieckigen Ebene zeigen. Auch der Lauf der Sonnen (zwei!) um den Tetraeder ist nachzulesen. Die Maße und der Kalender sind ebenfalls anders. Da ist es eine Erleichterung, dass zumindest für den Kalender eine (wenn auch recht billige) Erklärung gefunden wurde, um den irdischen verwenden zu können. Alle Maße sind entweder sehr nah an unseren dran, oder leicht nachvollziehbar – wie Finger oder Fuß. So gewöhnt man sich rasch an die neuen Maße.
Es folgt eine kurze Abhandlung über die Religionen auf Pyramos. Dabei wird eine polytheistische Hauptreligion beschrieben und eine Vielzahl von Göttern aufgelistet und in die Konklaven Erde, Wasser, Luft, Feuer, Leben, Tod, Ordnung und Chaos eingeordnet. Leider fehlt es hier sehr an Details. Es wird nicht beschrieben, wie man diese Götter anbetet, was für Rituale es gibt oder ob es eine Art kirchliche Institution gibt.

Na dem Anfangskapitel, in dem die Natur Pyramos’ und die der vier Elemente, so wie die Maße, der Kalender und die Religionen erläutert werden, folgt die Standard-Erklärung "Was ist ein Rollenspiel?", die sonst normalerweise am Anfang steht.

Danach wird jede der vier Ebenen einzeln beschrieben; mit eigenen Völkern, Berufen und Kreaturen. Nur Menschen kommen auf jeder Ebene vor. Die meisten Kreaturen sind völlig neu erdacht. Es kommen keine klassischen Fantasywesen wie Orks, Trolle, oder Oger vor. Zwar gibt es bekannte Mythengeschöpfe, wie Drachen und Riesen, aber wer hat schon mal von "hohlhörnigen Panen" oder "Steinrochen" gehört? Auch die Völker sind größtenteils neu. Sie erinnern aber viel öfter an mythische Wesen und bekannte Rassen.

Die erste Ebene ist Eridas, die Ebene der Erde. Sie ähnelt am stärksten klassischen Fantasywelten. Daher wird auch empfohlen, das Spiel auf dieser Ebene zu beginnen. Hier leben vor allem Menschen. Aber auch Elben, Elfen, Kobolde, das Waldvolk und Zwerge kann man hier antreffen.

Die zweite Ebene ist Lias, die Ebene der Luft. Hier spielt sich das Leben meist in der Höhe ab. Das "saure Meer" ist eine ätzende Gaswolke, die den gesamten Boden Lias’ bedeckt und in der nur wenige Lebensformen überleben können. Nur wenige hohe Berge und sehr hohe Bäume ragen aus diesem Meer hinaus. Auf ihren Spitzen, in fliegenden Städten und Häusern aus Wolken spielt sich das Leben ab. Menschen trifft man weniger häufig. Beinahe die gesamte Ebene bildet ein riesiges Reich, dass vom Vogelvolk regiert wird - einer Rasse, die wie Menschen aussieht, aber Vogelflügel hat. Es gibt aber noch viele andere Völker, die teilweise auch fliegen oder im sauren Meer überleben können.

Hyrion, die Ebene des Wassers, ist größtenteils von eben jenem bedeckt. Nur auf einigen wenigen Inseln gibt es Landlebewesen. Durch einen langen Krieg haben die N’Bughoos - eine Art Froschmenschen, die im Wasser leben - die Herrschaft über ganz Hyrion an sich gerissen. Alle anderen Völker müssen ihnen dienen. Viele werden prinzipiell als Sklaven gehalten. Die wenigen, die noch frei sind, sind entweder Piraten oder leben an Orten, die für die N’Bughoos und ihre Kriegerrasse unzugänglich sind. Es wird generell angenommen, dass die Spielercharaktere aus diesen "freien Völkern" kommen und die N’Bughoo-Herrschaft nicht anerkennen. Dabei sind Spieler nicht auf Menschen beschränkt, sondern können auch Mitglieder der Echsenvölker, zweibeinige Krabben oder Quallen wählen.

Die letzte Ebene ist Vulnaris, die Ebene des Feuers; ein lebensfeindlicher Ort auf dem die Götter des Chaos und des Feuers regieren. Es kann für die Spielercharaktere schon zum Abenteuer werden, an Wasser zu gelangen, denn es ist ein seltenes Gut in Vulnaris. So etwas wie ein größeres Reich gibt es hier nicht, nur einige Städte und riesige Einöden. Wo das Chaos regiert, kann man einige sehr seltsame Kreaturen spielen.

Dass mit den vier Ebenen eigentlich vier eigenständige Welten geboten werden, hat jedoch den Nachteil, dass sie nur wenig ausgearbeitet sind. So sind zwar alle Völker und Kreaturen ausreichend beschrieben, es fehlt jedoch an Details zu den Gesellschaftsstrukturen und dem täglich Leben. Es haben auch nicht alle Kreaturen Werte. Es ist zwar noch sehr stilvoll, das bei einigen nur ein "?" steht, wenn ein Wert unbekannt ist. So kann man bei vielen der absonderlichen Kreaturen nicht genau sagen, ob sie intelligent sind. Wenn aber zu einer wundervoll ausgearbeiteten Kreatur, die man als Spielleiter gerne einsetzen möchte, keine Werte angegeben sind, so ist das schon schade.

Zu dem reinen Quellenmaterial ist noch das Kurzregelwerk zu Prost, dem Haussystem des Verlages, im Quellenbuch enthalten. Dabei handelt es sich um ein einfaches System mit vielen Regeloptionen. Wirklich erwähnenswerte Besonderheiten gibt es nicht. Es stelt halt ein solides Universalsystem dar. Das Kurzregelwerk ist aber sehr knapp gehalten und stellenweise nur schwer zu verstehen. Dafür wurde bei Pyramos darauf geachtet, Welt und Regeln möglichst deutlich voneinander zu trennen, so dass man das Setting mit wenig Aufwand auch mit einem anderen System spielen kann.

Die Aufmachung des Werkes bestimmen solide Schwarzweiß-Grafiken. Die Zeichnungen sind sehr schön und gut zu erkennen. Leider gibt es nicht für alle Kreaturen Bilder, was jedoch durch gute Beschreibungen nicht so schlimm ist. Der einzige Teil des Regelwerkes, der farbig gehalten ist (abgesehen vom Einband) sind die Karten der vier Ebenen. Diese stellen leider auch den schlechtesten Teil dar. Sie sind sehr klein, die Schrift ist schlecht zu lesen und die Farben schlecht gewählt. Hier wären größere Karten zum Herausnehmen sicherlich besser gewesen.

Seinen Abschluss findet das Quellenbuch in vier kurzen Abenteuern, die je auf einer der vier Ebenen spielen. Sie können auch als Kampange gespielt werden. Die Abenteuer sind zwar etwas absurd, bieten aber eine gute Einführung in die vier Ebenen. Auf der Seite des Verlages kann man noch ein weiteres Abenteuer herunterladen, das sowohl in die Welt, als auch in das System einführt.

Fazit:
Trotz kleiner Fehler, die bei kleineren Verlagen leider vorkommen, ist Pyramos sicherlich eine Anschaffung, die ihr Geld wert ist. Die Welt ist sehr interessant und bietet viele neue Elemente. Auch wer nicht vor diesem Hintergrund spielen möchte, kann sich viele Inspirationen holen. Wer Pyramos nutzen möchte, sollte sich aber entweder das Prost-Regelwerk zulegen oder die Welt auf ein Regelwerk seiner Wahl umstellen.




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