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Der Schrecken von Randall Castle
Von Peter Rennert

Rezension erschienen: 20.02.2006, Serie: Rollenspiel, Autor(en): Thilo Byer, Jan Christoph Steines, Verlag: Redaktion Phantastik GbR, Seiten: 67, Erschienen: 2005, Preis: 13,95 Euro


Das Abenteuerband #2 Der Schrecken von Randall Castle beinhaltet zwei Abenteuer für das Private EyeRegelwerk, die aber auch für Midgard 1880 und Castle Falkenstein verwendet werden können. Das erste Abenteuer eignet sich auch für Cthulhu. Für beide Abenteuer ist das Band die 2. Auflage, die ersten Auflagen erschienen bereits 1991.
Das Abenteuerband beinhaltet zwei Fälle, welche die Detektive zu lösen haben. Einmal das Titelabenteuer, welches sich abseits von London auf Randall Castle abspielt und das Abenteuer Eine Studie in Scharlachrot, dass dem gleich lautenden Sherlock Holmes Roman nachempfunden ist.
Die Story des ersten Abenteuers führt die Detektive auf das Land um einen drohenden Erbstreit zu verhindern. Alles beginnt mit einem Brief an einen Vorgesetzten eines Detektivs. Darin erhofft sich ein Jugendfreund und heutiger Bürgermeister eines kleinen Dorfs professionelle Hilfe aus London. Der Vorgesetzte schickt nun die Spieler in die "Provinz". Diese Reise beginnt mit einer sechsstündigen Zugfahrt und geht dann in eine zweistündige Holperfahrt mit der Kutsche über. Von nun an beginnen die verwirrenden Ereignisse ihren Lauf zu nehmen. Von der Beerdigung schlittern die Detektive in einen Mordfall mit mystischen Zügen, dem weitere folgen werden. Zu Beginn empfängt die Erbgesellschaft die "Schnüffler" mehr als kühl und ändert ihre Gesinnung erst sehr spät. Ein Detail, welches das Spielen dieser Kampagne sehr schwer macht. Von dem Dutzend Personen, die man auf dem Schloss antrifft, kann man sich keine großen Erkenntnisse über sich aufwerfende Fragen erhoffen. Der Spielleiter ist hier stark gefordert, da er kaum Möglichkeiten hat, die Spieler auf ihrem Weg zu leiten. Erschwerend kommt hinzu, dass zu den einzelnen Personen zwar ein kleiner biographischer Abriss, eine Darstellung der persönlichen Motive und Hinweise zu ihrem allgemeinen Verhalten abgedruckt sind, aber keine Zitate oder ähnliches angegeben werden. Da muss der Spielleiter mit der Zeit immer tiefer in die Trickkiste greifen um die Spieler nicht immer mit den selben Kommentaren abzuweisen. Der Handlungsort ist detailreich, durchdacht und logisch ausgearbeitet. Zu jedem Raum im Schloss gibt es eine gute Beschreibung, und der schöne Lageplan des Schlosses lässt Spielleiter und Spieler in die Umgebung eintauchen. Leider sind diese wirklich guten Pläne (der einzelnen Etagen und Gebäude) nicht geeignet, um sie unbearbeitet den Spielern vorzulegen. Entscheidende Details sind auf den Plänen zu erkennen, obwohl das Rätsel so gut wie gelöst ist, sobald man diese gefunden hat. Eigenartig und zeitraubend mutet hier auch die sehr konfuse Gliederung der Story und des Materials an. Die Personen und die Pläne befinden sich mitten in der Geschichte, und teilweise springt die Handlung im Heft. Sehr unschön ist ebenfalls ein Datumsfehler, bei dem eine Todesmeldung in der Times drei Monate nach dem Datum im Anfangsbrief erscheint - obwohl schon im Brief von der Beerdigung und der Verlesung des Testaments die Rede ist. Trotzdem ist das Abenteuer alles in allem eine schöne Geschichte, aber nur für den fortgeschrittenen Spielleiter und Detektiv zu empfehlen.
Eine Studie in Scharlachrot hält sich sehr eng an die Romanvorlage von Sir Arthur Conan Doyle. Kurz nach Mitternacht wird von einem Inspektor in einem unbewohntem Haus Licht beobachtet. Als er in das Haus eintritt sieht er eine seltsame Mordszenerie. Die Leiche liegt in einem blutbespritztem Raum, in dem nur auf dem Kamin eine Kerze brennt. Die Spieler haben einen interessanten Fall zu lösen. Es beginnt eine Spurensuche und Zeugenbefragung. Es gibt viele verschiedene Ansatzpunkte, so dass die Spieler gleich viel zu tun bekommen. Mit den verschiedenen auftretenden Personen hat der Spielleiter große Möglichkeiten, die Handlung zu leiten und lenken. Eine Menge von Möglichkeiten bietet die Kulisse Londons. Dieses Abenteuer ist somit für Spieler und Spielleiter leichter zu spielen als Der Schrecken von Randall Castle. Beiliegende Szenenbilder zum Ausschneiden erleichtert es, den Detektiven die Situation zu erfassen. Sehr positiv anzumerken ist, dass sich im Anhang des Hefts ein Stadtplan von London befindet. Im Heft sind für den Spielleiter immer Ausschnitte der Karte abgedruckt und die Handlungsorte markiert. So kann man schnell die Schauplätze finden und Entfernungen und Zeiten abschätzen. Außerdem lässt sich diese Karte sicher auch für andere Spiele nutzen. Allerdings gibt es hier wieder einen Kritikpunkt. Auf der Rückseite des rechten Teiles des Stadtplans befindet sich eines von den zwei Szenenbildern. Diese stellen die Szenerien der Morde dar und sind zum Ausschneiden gedacht. Falls aber einer auf die dumme Idee kommt, das erste Szenenbild auszuschneiden besitzt er nur noch eine fragmentierte Londonkarte. Zu viel des Guten ist auch die Markierung der Handlungsorte auf der Londonkarte mittels Zahlen, da man die Orte auch auf den Kartenausschnitten im Heft recht schnell gefunden hätte. Somit kann man diese Karte ebenfalls nicht für die Spieler benutzen, obwohl diese sie durchaus gebrauchen könnten. Die wichtigsten Personen sind in diesem Abenteuer ausreichend charakterisiert.
Haben die Spieler den Fall gelöst, erzählt der Täter/die Täterin nach Doyle-Manier noch eine kurze Geschichte zur Erklärung der gesamten Umstände, welche sich ebenfalls an die Romanvorlage hält. Erleichternd für den Spielleiter sind in diesem Abenteuer viele Spielleitertipps eingearbeitet, welche auch beim ersten Szenario gute Arbeit getan hätten, dort aber fehlen. Insgesamt kann man dieses Abenteuer als leichter, aber nicht weniger spannend als das erste bezeichnen. Bei vielen Spielgruppen wird aber ein Spielen durch den relativ bekannten Stoff wohl nur bedingt richtigen Schnüffeleifer erzeugen, da der Täter eventuell schon bekannt ist.
Das ganze Heft, ein Schwarz-Weiß-Druck, ist verziert mit vielen kleinen und größeren Bildern, die das Heft auflockern. Das Cover ist farbig und zeigt, in einer gelungenen und ansprechenden Collage, Motive aus dem ersten Abenteuer.

Fazit: Ein schwereres und ein leichteres Abenteurer für Schnüffelfreunde. Der Schrecken von Randall Castle besticht durch sein ungewöhnlichen Ort, weit ab von London, und die seltsamen Charaktere. Eine Studie in Scharlachrot ist die Umsetzung des Sherlock Holmes Romans und für Unwissende eine spannende Erfahrung. Vor allem beim Schrecken von Randall Castle ist aber eine weitere Ausarbeitung der Charaktere unbedingt notwendig.




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