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Teioku Völkerband
Von Ingo Schulze

Rezension erschienen: 08.12.2005, Serie: Rollenspiel, Autor(en): André Wiesler, Thomas Echelmeyer, David Grade, Karsten Müller, Ulrich Onken, Sebastian Oswald, Johannes von Vacano, Verlag: Image 3033 Verlag und Werbeagentur GmbH, Seiten: 129, Erschienen: 2005, Preis: 26,80 Euro


Teikoku ist die achte Publikation für Lodland und der zweite Völkerband des Unterwasser-Rollenspiels. Die Kultur der Teikokujin ist eng an das irdische Japan geknüpft, mal an moderne Aspekte des Landes und mal an alte Traditionen.

Auf sechs, ehemals sieben, Häuser teilt sich die Bevölkerung auf und mit jedem sind bestimmte Wirtschaftszweige, Aufgaben und kulturelle Eigenheiten verbunden. Dem einem Haus fallen Pflanzenzucht, Nahrungsmittel, Medizin und Genetik zu, einem anderen beispielsweise Robotik, Kybernetik, künstliche Intelligenz und Nachrichtentechnik. Das greift natürlich auch oft Hand in Hand, beispielsweise beim U-Boot-Bau. Das eine Haus liefert die U-Boot-Technik, ein anderes die Panzerung und das dritte dann die Geschütze.

Das Leben findet in unter- und teils überseeischen Kuppeln, Röhren und Zylindern statt; die Städte liegen auf einem schmalen, kreisrunden Grat zwischen Tiefsee und Dauereis in bis zu 320 Meter Tiefe. Nach innen wird die Tiefsee bis zu 10 Kilometer tief, umschlossen ist der "Ring des Lebens" von einem festen Eispanzer, der nur im Süden auf einer schmalen Passage eisfrei ist. Diese versperrt aber ein Minenteppich. In den meisten Städten herrscht eine Durchmischung der Häuser, aber jedes Haus hat eine "geheime Stadt", in der nur Mitglieder des entsprechenden Hauses leben.

Herrscher über die Teikokujin ist der Tenno, der noch über den Oberhäupter der Häuser steht und von seiner Hauptstadt Oujou aus regiert. Da er auch bestimmen kann, wer seine Stadt betreten darf, kann er die Fürsten der Häuser von ihren Kontakten abschneiden, also genug Platz für politische Intrigen auf höchster Ebene.

Angesprochen wurde schon das siebte Haus, Hayaitayori, welches vor knapp zehn Jahren "aufgelöst" wurde. Erst gab es Verdächtigungen und Hinweise der anderen Häuser darauf, dass Hayaitayori das "Jouhou Rosen", eine Art fortentwickeltes Internet, abhört. Dann verschwand der Tenno, was ebenfalls dem Haus angelastet wurde und so kam es zu einem Vergeltungsschlag der anderen Häuser. Die Überlebenden wurden adoptiert und so verleibte sich etwa das Haus Saibanetik die Jouhou Rosen-Technik und die Technik der virtuellen Adaptionen ein. Aber es gibt immer noch Anhänger und Nicht-Integrierte, die als Piraten, Terroristen oder gar als Cyberkämpfer Widerstand leisten.

Eine weitere Besonderheit Lodlands sind die "Weißen Flecken", Orte, Regionen und Zusammenhänge, zu denen nur wenige Basisinformationen gegeben werden und die so dem Spielleiter als völlig offener Gestaltungsspielraum verbleiben. Teikoku geht hier noch einen Schritt weiter: Ein ganzes Haus, Sanji, wird dem Spielleiter als "weißer Fleck" übergeben. Nur minimale Festlegungen werden getroffen, der Rest kann frei gestaltet werden.

Inhaltlich überzeugt das Werk, es stellt facettenreich eine Kultur vor, wobei es geschickt historische, aktuelle und erdachte Elemente vermischt aber es zugleich lesbar und interessant bleibt. Anhand der gegebenen Informationen hat man einerseits "sein" Teikoku im Auge, andererseits bietet das Buch viele Ideen und Anregungen und läßt Platz zur Gestaltung. Die Charaktere können entweder herkömmlich erstellt werden oder den Schnellstarthintergrund der Archetypen nutzen, der aufeinander abgestimmt ist und bei Probe- oder Conrunden langes Erstellen überflüssig machen.

Optisch weiß der Band auch zu gefallen: Das Cover von Mia Steingräber zeigt ein Samuraiduell, wirkt allerdings etwas statisch. Die serifenlose Schrift läßt den Innenteil zwar manchmal etwas unruhig wirken, aber einige Bilder lockern das ganze auf. Im Mittelteil finden sich farbig Schiffsmodelle und Archetypen mit allen benötigten Angaben. Das Layout ist übersichtlich, ein schnelles Nachschlagen wird nicht nur von der guten, übersichtlichen Aufteilung unterstützt, sondern auch von Inhaltverzeichnis, Glossar (für japanische Begriffe) und Index.

Besonderen Wert legte der Verlag für Teikoku auf die wissenschaftliche Beratung und den neuesten Stand der heutigen Technik, die den Inhalten des Buches nicht widersprechen soll. Oberflächlich betrachtet gelingt das auch. Allerdings tauchen im Detail schon seltsame Dinge auf. Nehmen wir beispielsweise das bionische Unterwassermodem mit einer Übertragungsrate von 15 kBit/s. Die Übertragungsrate liegt unter einem Drittel heutiger Analogmodems, das optisch aufwändige Jouhou Rosen benötigt jedoch mit Sicherheit deutlich größere Übertragungsraten als das heutige Internet. So in den Raum gestellt, macht es jedenfalls wenig Sinn.

Den Abschluß von Teikoku bildet das Abenteuer "Gesang in der Tiefe", das die detektivischen Instinkte der Spielergruppe beansprucht und in dem es gegen Piraten, Yakuza und andere krumme Gestalten zu bestehen gilt. Eine Musikerin, die es zu hohen Ansehen selbst beim Tenno gebracht hat, ist verschwunden und die Charaktere müssen hinter ein Geflecht aus Korruption, Geldgier und Skrupellosigkeit kommen, um sie zu finden. Das Abenteuer führt einige der teikokujinischen Aspekte des Buches vor und bietet ein gelungenes Reinschnuppern in die Region.

Fazit: Ein gelungene Adaption einer fernöstlichen Kultur zu einem spielbaren, atmosphärischen Quellenbuch. Neben gründlicher Recherche sind auch stimmige neue Aspekte in den Völkerband mit eingeflossen, dazu kommt "der Mut zur Lücke" in Form des Hauses Sanji und zuguterletzt ein detektivisches Einführungsabenteuer.




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