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Die Chroniken der Hüter 2: Auf Teufel komm raus
Von Ingo Schulze

Rezension erschienen: 25.01.2006, Serie: Belletristik, Autor(en): Tanya Huff, Verlag: Feder und Schwert, Seiten: 351, Erschienen: Oktober 2005, Preis: 11,95 €


Immer wenn Menschen aus Wut, Ärger oder Zorn kleine Sünden begehen, z.B. ein Auto beim Einparken anfahren und es geflissentlich übersehen, dann reist diese Tat ein kleines Loch in die Realität. Und dieses hat seine eigene Strahlkraft, welche die Umgebung korumpiert und die Menschen zu weiteren bösen Taten veranlaßt, welche dann weitere Löcher reißen oder das Alte vergrößert. Bis es der, wie wir im ersten Teil gelernt haben, schizophrenen Hölle und ihren Schergen als Zugangstor dienen kann.

Claire Hansen ist nicht nur Protagonistin dieses Romans von Tanya Huff, sie ist auch eine Hüterin. Claire erreichen sogenannte "Rufe", kleine oder auch große Aufträge, solche Löcher zu schließen. Allerdings hat sie sich nach den Erlebnissen im Hotel Elysium mit einem Zuschauer, also einem normalen Menschen, eingelassen. Naja, fast normal, um genau zu sein, immerhin ist Dean Kanadier.

So dürfen wir an ihrer Seite miterleben, wie sich ihre etwas schräge Beziehung ver-, ähh, entwickelt. Und wenn zwei sich streiten, freut sich meistens der Dritte: Ihr Kater Austin ist zwar schon alt und bekommt nur noch Spezialfutter für greise Kater, ist aber ihr Berater und noch aus jedem Streit mit dem letzten Wort hervorgegangen.

Schließlich ist da noch der Rest der Familie, der zu Weihnachten besucht werden will. Claires Eltern sind allerdings sogenannte Vettern, Menschen mit einigen besonderen Fähigkeiten, um gegen das Böse zu kämpfen, aber bei weitem nicht so mächtig wie Hüterinnen. Trotzdem stellen sie genauso hartnäckig Fragen an den künftigen Schwiegersohn wie alle anderen Eltern auch, und die Geheimwaffe Babyfotos lagert auch noch irgendwo, wenn die Tochter nicht spurt.

Und dann ist da noch ihre Schwester Diana, im besten Teenageralter und ebenfalls Hüterin. Wenn sie denn nur mal auch einen Ruf empfangen würde und nicht noch zur Schule gehen müsste ...

Diesmal ist es ein Engel, der Probleme bereitet. Die kleine Lena, eine Mitschülerin Dianas, wünscht sich nichts sehnlicher als einen Engel und durch eine Fügung des Schicksals - oder auch die Schulweihnachtsdekoration von Diana - steht genug protoplasmische Masse zur Verfügung, ihr diesen Wunsch zu erfüllen. Dass sich Lena ihren Engel wie den Idealkandidaten für ein Boy Band-Casting vorstellt und auch so, wie Gott ihn geschaffen hat, also nackt, trägt nicht gerade zur Erheiterung ihres Vater bei, der den flügellosen Gesellen sogleich vor die Tür setzt...

Und da Engel ja die Botschafter des Herren sind und keine Botschaft überbracht worden ist, macht sich Samuel auf zu einer eigentümlichen Mission. Zum Glück kann er dabei auf höheres Wissen zurückgreifen, was ihm allerdings wenig über die Bedürfnisse seines Körpers, die Bezahlung in den metallenen Kutschen oder das Überleben auf der Rolltreppe verrät. Und wenn er die Dame, die auf eben dieser auf der falschen Seite fährt, darüber belehrt und gleich noch Ehetipps für den Umgang mit ihren übellaunigen Ehemann auf den Weg mit gibt, dann löst das gewisse körperliche Reaktionen aus, die der Gesundheit des Engels nicht unbedingt zuträglich sind.

Leider herrscht im Universum ewiger Ausgleich, und so entsendet die Hölle eine Dämonin. Allerdings steckt auch Byletz im Körper eines Teenies und beschäftigt sich neben der Korrumpierung des Guten und der Zerstörung der Welt mit Strähnchen, den neuesten Klamotten und natürlich damit, dabei immer gute Figur zu machen. Und sich nicht zu entschuldigen...

So beginnt die Dämonenhatz...

Mit "Auf Teufel komm raus" setzt Tanya Huff ihre "Chroniken der Hüter" fort und nimmt diesmal Engel-Dämonen-Klischees aufs Korn, nachdem im ersten Teil, "Hotel Elysium", allgemeine Horrorklischees durch die Mangel gedreht wurden.
Huffs ständig präsenter, trockener Humor macht das ganze zu einem lesenswerten Roman, der durch einen gepflegten, eigenwilligen Sprachstil hervorsticht, der nie auf den schnellen Witz abzielt. Oft sind es neben typischen Phantastik-Klischees auch Dinge aus dem Alltag, die Huff präzise analysiert und dann ironisch präsentiert. Mehr als einmal fühlt man sich direkt angesprochen, beispielsweise bei den Beziehungs-, Geschwistern- oder Elternklischees, und kann mit den Schicksal der Protagonisten mitfühlen. Offenbar laufen gewisse Dinge in Kanada ganz genauso wie in Deutschland... selbt wenn man Hüterin ist.

Ihre Welt präsentiert Huff als ironische Variante der Unserigen, irgendwo zwischen der "Welt der Dunkelheit", Buffy und Sabrina. Dabei gerät sie nie ins Absurde wie beispielsweise ein Terry Pratchett, ihre Welt ist in sich logisch geschlossen und realistisch - wobei eben darauf ein schiefer Blick geworfen wird.

Zwar beginnt der Roman etwas träge, denn Huff baut erstmal die neuen Orte und Personen aus, ohne dass viel passiert. Sind diese aber erstmal entwickelt, startet ihr Plot durch und hält die eine oder andere Überraschung parat.

Mit 351 Seiten ist der Roman knapp 80 Seiten dünner als "Hotel Elysium", wird aber zum selben Preis (knapp 12 Euro) verkauft. Immerhin bekommt man dafür aber ein excellente Gestaltung: mattschwarzer Hintergrund mit einer brennenden Feder und ein aufgeprägter, schwarz Hochglanz-Hutabdruck, der sich auch auf dem Buchrücken als Minimotiv findet und so das Bücherregal ziert. Nicht zu vergessen ist bei dem Preis, dass eine ähnliche Serie von Feder & Schwert zu dtv Premium abgewandert ist und nun knapp 15 Euro kostet, bei deutlich schlichteter Gestaltung.

Fazit: Gelungene Fortsetzung mit ganz eigenem Stil und Humor. Gerade Freunde von humoriger Phantastik wie Pratchett, Asprin oder Colfer, die offen sind für etwas Neues, sollten einen Blick (in Band eins) wagen. Hervorzuheben ist auch, dass es Tanya Huff gelingt, einen neuen Schauplatz mit ganz anderen Klischees aufzuziehen und nicht auf den Altbewährtem aus "Hotel Elysium" herumreitet.




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