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Dungeon Bash
Von Michael Mingers

Rezension erschienen: 19.10.2005, Serie: Rollenspiel, Autor(en): Stefan Pietraszak, Verlag: The Other Games Company, Seiten: , Erschienen: 2005, Preis: 9.95 Euro


Dungeon Bash dreht sich um zufällig generierte Dungeons, durch die man eine Heldengruppe auf der Jagd nach Schätzen und Monstern schickt. Klingt wie Dungeons & Dragons? Nicht ganz. Das Spiel verwendet die d20-Regeln, ist aber kein Rollenspiel. Am ehesten kann man es wohl als taktisch anspruchsvolles Brettspiel bezeichnen, auch wenn man es nur als PDF im Internet erstehen kann.

Sobald man das PDF online gekauft hat, findet man in der Datei gleich mehrere Dokumente. Das Regelwerk liegt in einer optisch sehr angenehmen, wie auch in einer druckerfreundlichen Version vor. Die Regeln bauen auf den bekannten d20-Regeln auf, die auf diversen Internetseiten zum Download bereitstehen. Der lockere Schreibstil weiß zu gefallen und passt gut zu der unkomplizierten Art des Spiels: Einige Helden machen sich auf, einen Dungeon zu erforschen.

Bevor man sich ein Missionsziel auswürfelt, das normalerweise mit dem Tod irgendeines Monsters oder Schurken zu tun hat, steht einem noch eine gewaltige Druck- und Ausschneideorgie bevor. Die Helden werden nicht durch eine imaginäre, vom Spielleiter beschriebene Welt geführt, sondern marschieren bodenständig durch ein monsterverseuchtes Gewölbe. Die beigefügten Vordrucke der Gänge und Räume sind sehr schön, doch es vergeht schon mehr als eine Stunde, bis man alleine die für das Basisspiel benötigten Geländeteile ausgedruckt und -geschnitten hat. Dies kann man natürlich dadurch beschleunigen, dass alle Mitspieler helfen. Die Druckkosten sind nicht unerheblich, vor allem wenn man die Geländeteile auch farbig auf Karton ausdruckt. Die Belohnung dafür ist allerdings eine ansprechende Atmosphäre am Spieltisch, wenn man seine Helden durch die Gänge bewegt.

Zu dem Gelände kommt noch einiges an Tabellen und Monsterwerten, so dass man etwa einhundert Seiten zu verwalten hat. Diese Aufgabe überlässt man am besten einem Spielleiter, auch wenn Dungeon Bash aufwendige, dabei aber nicht komplizierte, Regeln für ein Solo-Spiel ohne Kerkermeister enthält. Es ist aber anzuraten, den Großteil der Arbeit auf jemanden zu zentrieren, der nicht auch noch einen Charakter verwalten muss. Der Dungeon wird nicht etwa vorher vom Spielleiter generiert, sondern entsteht während des Spiels. Das hat Vor- und Nachteile. Der Spielleiter kann Monster und Räume nicht aufeinander abstimmen und es kann bisweilen ziemlich haarig für die Helden werden. Dazu kann das Spiel an Fahrt verlieren, wenn der SL die nächsten Räume und Gänge auswürfelt und mit Monster ausstattet. Helden und Monster sind als unansehnliche Marker enthalten, die schlicht den Namen des Monsters aber keine Illustration abbilden. Mit Bildern wäre dies wohl zu aufwendig und teuer geworden, aber schade ist es trotzdem. Miniaturen zu benutzen wird empfohlen und es steigert die Atmosphäre am Spieltisch enorm, wenn die drei Kobolde im Raum tatsächlich und greifbar dort stehen, anstatt durch flache Marker dargestellt zu werden.

Der Dungeon wächst immer weiter, je tiefer die Charaktere beim Erfüllen ihrer Aufgabe in ihn vordringen. Dabei sieht dank der Zufallsgenerierung der Teile kein Dungeon aus wie der andere. Die Tabellen bieten genügend Abwechslung um viele, viele Dungeons spielen zu können, bevor signifikante Wiederholungen auftauchen. Je mehr Erfahrung und Gold die Charaktere sammeln, desto stärker werden auch die Gegner, wie bei Dungeons & Dragons üblich. Die Verwendung der d20-Regeln bringt all die Vor- und Nachteile mit sich, die auch Dungeons & Dragons bietet. So ist ein erwürfeltes Challenge Rating 1-Encounter eigentlich eine moderate Herausforderung für eine Gruppe der ersten Stufe. Dies können drei Skelette sein oder ein Orkbarbar der ersten Stufe. Besagter Ork hat in zwei Testspielen leider zur totalen Vernichtung der Gruppe geführt, während die Skelette kein Problem für die Helden waren.

Die Komplexität der d20-Regeln macht Dungeon Bash ungeeignet als Brettspiel, an dem auch wirklich jedermann Spaß haben kann. Sonderregeln der Heldenklassen, Monster und Gegenstände machen das Spiel extrem taktisch. Einer der Testspieler verzweifelte fast ob der Möglichkeiten, wie er seinen Dieb nun am geschicktesten während des Kampfes plazieren sollte. Von den einfachen und schnellen Regeln eines HeroQuest ist Dungeon Bash somit weit entfernt. Die Zeit für ein Spiel ist sehr schwer abschätzbar, da der Dungeon zufällig generiert wird und die Aufgabe der Helden bisweilen erst spät erfüllt werden kann. Auf der anderen Seite kann das Spiel sehr schnell vorbei sein, wenn der Quest-Raum, in dem die Helden ihre Mission vollenden können, bereits am Anfang erwürfelt wird.

Dungeon Bash eignet sich hervorragend für eine simple und spaßige Dungeons & Dragons Hack'n-Slay-Kampagne. Als gemütliches Brettspiel unter Freunden bietet es sich aber nur an, wenn man a) einen wirklich großen Tisch für all das Gelände und b) die d20-Regeln sehr gut im Kopf hat.




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