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Der Herr der Ringe: Der Ringkrieg
Von Hendrik Ebbers

Rezension erschienen: 25.09.2005, Serie: Gesellschaftsspiele, Autor(en): Di Meglio, Marco Maggi und Francesco Nepitello, Verlag: Phalanx Games b.v., Seiten: , Erschienen: 2004, Preis: ca. 50€

Das Brettspiel "Der Herr der Ringe: Der Ringkrieg" wurde ursprünglich von der amerikanischen Firma Fantasy Flight Games entwickelt und durch die in Holland ansässige Spieleschmiede Phalanx Games in übersetzter Form nach Deutschland gebracht. Öffnet man die Spielschachtel, wird man erst einmal von sehr schönen Kunststoff-Figuren erschlagen. 204 Miniaturen stellen die verschiedenen Armeen Mittelerdes dar. Eine weitere Besonderheit ist das Spielbrett, das rund 100cm x 70cm groß ist und neben einer kompletten Karte Mittelerdes auch aufgezeichnete Ablageplätze für Karten und Würfel beinhaltet. Des Weiteren gibt es noch eine Unmenge an Karten, Pappplätchen und Würfeln. Sogar die Würfel wurden extra für das Spiel designt. Alle Zeichnung des Spiel stammen von John Howe, der allen Herr der Ringe Fans etwas sagen sollte. Dem Spiel liegen zwei verschiedene Regelhefte bei. Eins für eine vereinfachte Einsteigervariante des Spiels und natürlich eins mit den kompletten Regeln.

Das Regelheft ist in einem zum Spiel passenden Design gehalten und erklärt den Spielablauf mit vielen Beispielen und Abbildungen. Das einzige was ich hier vermisse, sind Erläuterungen zu den in meinen Augen sehr knapp gehaltenen Kartentexten, wie man sie beispielsweise beim Siedlerkartenspiel finden kann. Obwohl das Heft die Regeln sehr gut vermittelt, wird man in den ersten Partien noch einige Blicke hineinwerfen müssen, da die Anzahl der verschiedenen Optionen und Spielmechanismen sehr hoch ist.
Bevor man mit der ersten Partie beginnen kann, muss man den Spielplan mit den Startaufstellungen der Armeen aufbauen. Dann kann endlich losgespielt werden. Zwei bis vier Spieler können bei einer Partie des Ringkriegs mitspielen. Ist man zu zweit, spielt einer die Guten (Menschen, Elben, Zwerge) und einer die Bösen (Mordor, Isengard, Südländer & Ostlinge). Bei mehr Spielern werden die beiden Seiten dann noch einmal aufgeteilt. Ziel des Spiels ist es auf Seiten der Menschen den einen Ring zu zerstören. Auf der Seite Mordors muss man den Ringträger korrumpieren. Des weitern kann man auch noch durch einen militärischen Sieg dass Spiel für sich zu entscheiden.

Eine Spielrunde lässt sich in drei Phasen aufteilen. In Phase eins ziehen beide Seiten verdeckt je zwei Ereigniskarten, die sie im späteren Verlauf des Spiels ausspielen können. Danach wird mit den zur Verfügung stehenden Würfeln gewürfelt. Anhand der Symbole auf den Würfeln kann man nun der Reihe nach verschiedene Aktionen durchführen. Man kann Armeen bewegen, kämpfen, rekrutieren, Ereigniskarten spielen, etc. Hat man in einer Runde beispielsweise kein Rekrutieren-Symbol gewürfelt, wird die erhoffte Unterstützung ausbleiben.
Je nachdem welche der beiden Parteien man spielt, entsteht ein anderes Spielgefühl. Auf der Seite der guten Völker Mittelerdes, die sich aus Zwergen, Elben, Gondor, der nördlichen Allianz und Rohan zusammensetzt, steht man erst einmal vor dem Problem, dass die einzelnen Völker nicht bereit sind in den Krieg zu ziehen. Auf einer Politikleiste muss man sie immer weiter in Richtung Kriegszustand führen. Dies kostet wertvolle Aktions-Würfel, von denen die Guten ohnehin viel weniger zur Verfügung haben als Mordor. Bevor die Parteien nicht im Kriegszustand sind, kann man weder Einheiten rekrutieren, noch in fremde oder feindliche Grenzen ziehen. Außerdem muss man sich auch noch um die Gemeinschaft des Ringes kümmern. Mit Hilfe von Würfeln kann man diese immer weiter in Richtung des Schicksalsberges führen. Die einzelnen Mitglieder der Gemeinschaft können im Laufe des Spiels geopfert oder von ihr getrennt werden (Sie sind ebenfalls alle als Kunststoffminiaturen vorhanden). Alle besitzen bestimmte Fähigkeiten und können unter anderem als starke Heerführer eingesetzt werden oder ihr Volk schneller zum Kriegzustand bringen.
Auf Seiten Mordors läuft das ganze Spiel sofort am Anfang viel schneller an. Die Armeen sind viel eher im Kriegszustand. Im Normalfall kann bereits in der ersten Runde rekrutiert werden. Auch hat der Mordorspieler viel mehr Würfel zur Verfügung, von denen er vor dem Würfeln eine beliebige Anzahl zur Jagd auf die Ringträger ausgeben kann. Als Spezialcharaktere stehen ihm die Nazgul, der Hexenkönig, Saruman und Saurons Mund zur Seite.
Ziemlich schnell wird es zu den ersten Kämpfen in Gondor oder Rohan kommen. Sobald eine Armee in ein Kartenteil einfällt, in dem eine gegnerische Armee steht, kommt es zu einem Kampf. Jeder Spieler wirft so viele Würfel, wie er Truppen in dem Gebier hat (maximal fünf). Jede 5 oder 6 trifft und der Gegner verliert eine Einheit. Befinden sich Anführer in der Armee (z.B. Nazgul oder Gefährten), kann eine bestimmte Anzahl an Würfeln wiederholt werden. Zusätzlich kann jeder Spieler eine Kampfkarte spielen, die den Ausgang des Kampfes noch einmal drastisch verändern kann. Eine Besonderheit beim Kampf ist, dass es Festungen wie Gondor oder Helms Klamm gibt, in die sich Armeen zurückziehen können. Dann findet eine Belagerungsschlacht statt, für die es noch einmal Extraregeln wie den Ausfall gibt. Nimmt man diese Festungen ein, erhält man Punkte, durch die man einen militärischen Sieg erreichen kann.
Parallel zu den Schlachten versucht die Gemeinschaft nach Mordor vorzudringen. Mit Hilfe einer Extraleiste wird die Entfernung der Gemeinschaft von ihrem letzten bekannten Aufenthaltspunkt bestimmt. Jede Runde kann der Spieler Mordors Jagd auf die Gemeinschaft machen. Hierzu legt er eine bestimmte Anzahl von Aktions-Würfeln zur Seite. Mit so vielen Würfeln kann er Frodo und Co. dann jagen. Wird die Gemeinschaft des Ringes entdeckt, muss ihr Spieler dessen momentane Position bekannt geben. Außerdem erhält der Ringträger Schaden in Form von Korrumpierungspunkten.
Nach rund drei bis vier Stunden ist die epische Schlacht dann geschlagen und der Ring oder die freien Völker Mittelerdes zerstört.

Der Herr der Ringe: Der Ringkrieg ist eine episches Stategiespiel, das dem Spieler sehr viele verschiedene Taktiken ermöglicht. Den kompletten Überblick über das Spiel erhält man jedoch erst ab dem dritten Mal Spielen. Dann kann es aber sehr fesseln und für lange Abende sorgen. Für Gelegenheitsspieler ist es wohl mit einer Spielzeit von drei bis vier Stunden (je nach Spielerzahl) eher nicht geeignet. Einen weiteren kleinen Nachteil sehe ich darin, dass die Freien Völker Mittelerdes ein kleinwenig im Nachteil sind, da ein militärischer Sieg für sie praktisch unmöglich ist. Strategen und Herr der Ringe-Fans mit viel Zeit kommen aber trotzdem voll und ganz auf ihre Kosten.




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