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Riten des Drachen
Von Ingo Schulze

Rezension erschienen: 20.09.2005, Serie: Rollenspiel, Autor(en): Greg Stolze, Verlag: Feder und Schwert, Seiten: 120, Erschienen: September 2005, Preis: 24,95 Euro


Mit "Riten des Drachen" legt Feder&Schwert ein vermeintliches Intimebuch für Vampire: Requiem vor, welches auf 120 Seiten in oppulenter Aufmachung als Nachtbuch von Dracula diente.

Damit kommen wir erstmal zur Ausstattung, immerhin sind knapp 25 Euro für 120 Seiten im A5-Format kein Zuckerschlecken... In rotem Samt mit Silberprägung sieht es natürlich schick aus und im Inneren ist jede Seite illustriert. Das ganze erinnert mich aber eher an ein Kinderbuch, da diese im frühem Lesealter auch reichlich illustriert sind und mit wenig Text auskommen. Denn der Text hätte im A4-Format wohl locker auf 20 Seiten gepasst. Am Backcover fällt auf, dass auch ISBN und Kassencode silbern geprägt sind, was nicht unbedingt zur Stimmung beiträgt. Hier wäre eine seperate Seite, hinten mit eingeschweißt, die deutlich atmosphärischere Lösung gewesen. Der größte Kritikpunkt geht aber beim Layout an die teils aufwändig illustrierten Bilder. Für ein Intime-Nachtbuch wirken sie viel zu mächtig und nicht wie typische Zeichnungen oder Skizzen, wie man sie in ein Tagebuch kritzeln würde...

Schwenken wir aber zum Inhalt um. Das Nachtbuch ist von Vladislaus Dracula geschrieben worden und beschreibt aus seiner Sicht die Zeitspanne vom Beginn seiner Vampir-Existenz bis zu dem Zeitpunkt, an dem er den Ordo Dracul (wieder-)gründete.

Wie das historische Vorbild ist auch der Welt der Dunkelheit II-Dracula ein Herrscher in Transsylvanien, der schließlich von den Türken in einer großen, überfallartigen Schlacht erschlagen wird. In einem Zwiegespräch mit Gott wird er dann dazu verflucht, als Unwandelbarer auf der Erde zu wandeln. Eigentlich dachte Dracula, dass er mit seinen grausigen Taten gegen die türkischen Invasoren wie gegen die einheimische Bevölkerung den christlichen Glauben verteidigen und stärken würde und so ganz im Einklang mit den Interessen Gottes stünde. Umso überraschter ist er über den Fluch, nun zum Vampir zu werden.

Aus seiner Liebe zu Gott wird Hass und so wie sich seine Gefühle umkehrten, so möchte er den Fluch umkehren und Gott in seinem eigenen Spiel schlagen. Nachdem er reichlich Rache genommen hat und auch von der Existenz anderer Vampire erfährt, macht er sich auf Wanderschaft und findet in der kaltblütigen Mara eine Gefährtin, die er alsbald zu seinem Kind macht.

In sein ehemaliges Schloss, zu dem er alle Zugänge versperrt hat, kommt eines Tages eine Gruppe von Abenteurern, die den düsteren Geschichten, die in der Umgebung kursieren, auf den Grund gehen wollen. Sie sind erfahren, so sichern sie ihr Nachtlager mit Feuern, aber Dracula verhandelt auch lieber mit ihnen. Nach einem Scharmützel dürfen sich zwei Gruppenmitglieder zurückziehen, das Dritte verbleibt ihm als Pfand: Anoushka. Mit ihr kann sich Dracula über seine Mysterien unterhalten, entgegen seinem Kind Mara, die lieber Körper als Geist trainiert. Jedoch ist es gerade Mara, die Anoushka ihre Unschuld nimmt und sie zu Draculas Enkelin macht...

Ähnlich kurzweilig geht es weiter, bis die Ereignisse schließlich in der Gründung des Ordo Dracul münden.

Autor Greg Stolze gelingt es nicht, einen Ton zu treffen, wie er in einem Buch des 15. Jahrhundert geherrscht haben mag. Auch bindet er keine Kleinigkeiten und Details aus dem finsteren Mittelalter ein, die dem Leser vor Augen führt, in welcher Zeit es spielt. Eine Reise nach Paris verdient nur eine Randnotiz als wäre es mit einer Buchung bei Transsylvania-Easy Air getan.

Im Zwiegespräch mit Gott versucht Dracula mehr oder minder schlüssig zu argumentieren, doch dieser geht kaum darauf ein, sondern handelt eher nach dem Motto "Weil ich es kann!". Überhaupt, der Fluch, mit dem Dracula gestraft werden soll, hat erstaunlich wenig Nachteile für diesen, allerdings seine Umgebung trifft es hart. Entweder meint Gott also nicht, was er sagt (nämlich Dracula bestrafen zu wollen) oder er kann schlicht die Konsequenzen seines Handelns nicht absehen. Was verwunderlich wäre, da ja schon Vampire auf Erden wandeln.

Auch Dracula selbst macht auf den 120 Seiten erstaunlich viele Wandlungen durch: vom blutigen, ungeduldigen Schlächter zum geduldigen, fast pazifistischen Wissenssucher, vom Reisenden zum Seßhaften, vom Christ zum einer Art Anti-Christ. Und das, wo der Autor soviel Wert auf die Unwandelbarkeit der Vampire legt...

Und wenn dann Gespräche in direkter Rede abgedruckt sind, am besten noch mit präzise formulierten Ordensregeln, dann wirkt das weder stimmungsvoll noch glaubwürdig.

So ergibt sich ein Werk, das zwar schön ausschaut, aber kaum den Kultcharakter des Buches Nod erreichen kann, was insbesondere an der wenig intime-gerechten Form, Sprache und Stil und an den unschlüssigen Charakterdarstellungen des Autors liegt. Schade!




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