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Angroschs Kinder: Die Zwerge Aventuriens
Von Volker Thies

Rezension erschienen: 29.06.2005, Serie: Rollenspiel, Autor(en): Momo Evers, Verlag: Fantasy Productions GmbH, Seiten: , Erschienen: Juni 2006, Preis: 23,00 €


Bärtig, stämmig, kurz gewachsen, dafür aber zäh, kampfstark und stets mit einer Streitaxt bewaffnet - so kennt das Fantasy-Genre die Zwerge. Doch dieses Volk aus den Reichen unter der Erde hat noch weitaus mehr zu bieten; vor allem wenn es sich um die Angroschim handelt, wie sich die Zwerge in Aventurien, der Hintergrundwelt des Schwarzen Auges, nennen. Sie verfügen über eine eigene, Jahrtausende alte Kultur und treten in vielen verschiedenen Formen auf, die sich mitunter deutlich vom traditionellen Axtkämpfer unterscheiden. Der Band Angroschs Kinder gibt einen Einblick in Lebensweise und Eigenarten dieses Volkes.

Ein Grundkonstante des zwergischen Lebens zieht sich durch den kompletten Band: Der Glaube an den Schöpfer-, Feuer- und Erdgott Angrosch, den die Menschen unter dem Namen Ingerimm verehren. Sein Eingreifen beeinflusste immer wieder die Geschichte der Zwerge, mit deren Zusammenfassung Angroschs Kinder beginnt. Die Aufzeichnungen und Legenden reichen bis weit vor die Zeit der Menschen zurück und berichten von Jahrhunderten des Krieges mit den Drachen. In der Geschichte liegen aber auch die Gründe für die Vielfalt der zwergischen Völker im aktuellen Aventurien. Immer wieder spalteten Streitereien das Volk oder es machten sich wandernde Angroschim-Gruppen auf den Weg, um neue Minen und Wohnhöhlen zu erschließen.

Auf rund 20 Seiten widmet sich der Band der Vorstellung genau dieser Zwergenvölker. Dabei geht es jeweils um Verbreitung, Lebensweise, Handel und Wandel, Einstellungen zum Angroschglauben, aber auch um ganz alltägliche Dinge wie Kleidung, bevorzugte Freizeitbetätigungen oder die verbreiteten Charaktereigenschaften der jeweiligen Unterarten. Präsentiert werden Ambosszwerge, die typischen Streitaxt-und-Armbrust-Vertreter ihrer Art, Erzzwerge, die die alten Traditionen und vor allem den Hass gegen Drachen und Erzen hoch halten, Hügelzwerge, die stark an das Vorbild von Tolkiens gemütlichen Hobbits angelehnt sind, und Brillantzwerge, begnadete Juweliere, aber gleichzeitig etwas verweichlicht. Zusätzlich werden zu jedem der Völker zwei der wichtigsten Sippen kurz vorgestellt und mögliche Gründe aufgeführt, die einen Zwerg das Abenteurerleben ergreifen lassen könnten. Darüber hinaus gibt es, wie in den DSA-Regionalbänden üblich, jeweils eine Kurzzusammenfassung der wichtigsten Fakten. Etwas kürzer fallen die Beiträge über die degenerierten Tiefzwerge, die barbarischen Brobim, die diebischen Roten Zwerge und die mit den Orks verbündeten Finsterkammzwerge aus. Vor allem zu letzteren hätten die Informationen ruhig etwas üppiger sein können. Ein weiterer Abschnitt widmet sich schließlich den Zwergen, die sich als Schmiede, Baumeister oder Schankwirte in Menschenstädten niedergelassen haben.

Ausführlich vorgestellt werden auch die Haupt-Siedlungsgebiete in den zentralen Gebirgen Aventuriens, allen voran natürlich Xorlosch, die älteste noch bewohnte Zwergenstadt und Herzstück der Kultur aller Angroschim. Die detaillierte Stadtbeschreibung ermöglicht es, Xorlosch als Hintergrund für Abenteuer zu nutzen. Aufgeführt werden auch die übrigen Bergfreiheiten und Bergkönigreiche, jeweils mit den wichtigsten Daten und mit Anmerkungen zur Spielatmosphäre. Auch die Zwergensiedlungen jenseits der aventurischen Kernlande fallen nicht unter den Tisch, so das von Dämonen bestürmte Lorgolosch oder Angralosch, die neue Heimat der Brillantzwerge.

Mindestens genauso wichtig wie diese Abhandlungen über Geografie und Politik sind die Kapitel über Mentalität, Kultur und Handwerk der Angroschim, die unter dem Motto "Zwerge sind keine kleinen Menschen" stehen. Die Autoren vermitteln ein lebendiges Bild des zwergischen Wesens, seien es die Besonderheiten, die die unterirdische Lebensweise mit sich bringen (wie Raumangst und ein besonderes Verständnis für Erz und Gestein) oder die charakterlichen Auswirkungen der bis zu 700 Jahre langen Lebensspanne, besonders im Verhältnis zu den kurzlebigen Menschen. Angroschglaube, der hohe Stellenwert von Sippe und Familie, das Verhältnis der Zwergenmänner zu den sich stark in der Minderheit befindlichen Frauen, die Todfeindschaft zu den Drachen – alles das findet seinen Platz. Auch die Mythen und Legenden, die sich als Aufhänger für Abenteuer oder zur Ausgestaltung eines Spieler-Zwergs eignen, kommen nicht zu kurz. Den typische zwergischen Handwerken, Schmiede- und Baukunst, vor allem dem Bergbau, ist ein eigenes Kapitel gewidmet. Der Abschnitt über Kriegstaktiken und zwergische Waffen hätte ruhig etwa detaillierter ausfallen dürfen, aber das bleibt wohl anderen DSA-Publikationen vorbehalten.

Neben diesem Material zur Ausgestaltung der Angroschim gibt Angroschs Kinder dem Spielleiter reichlich Material an die Hand, das er in Abenteuer einbauen kann: Die wichtigsten zwergischen Herrscher, aber auch bekannte Händler, Erfinder und Krieger werden vorgestellt, ebenso zahlreiche Aufhänger für Abenteuer, die sich oft um verlassene Zwergensiedlungen oder uralte Waffen und Erfindungen drehen. Schließlich ist ein eigenes kleines Kapitel den Geoden, den seltenen Naturzauberern unter den Zwergen, gewidmet. Die Spielregeln sind geballt am Ende des Bandes zusammengefasst. Dort finden sich die Eigenschaften der Zwerge insgesamt, neue Professionen, vier Archetypen (Bastler, Schachtfeger, Zahlenmystiker und Prospektor) sowie Besonderheiten von Waffen aus zwergischer Herstellung.

Was die Gestaltung betrifft, ist auch der Zwergen-Regionalband mit hervorragenden Schwarz-Weiß-Zeichnungen versehen. Einziger kleiner Kritikpunkt: Die mitgelieferte Karte der Zwergenreiche und von Xorlosch ist aus Papier gefertigt, und nicht aus dem widerstandfähigem Kunststoff wie in anderen Regionalbänden.

Fazit: Mit diesem Band werden die Zwerge Aventuriens richtig lebendig. Man versteht, wie sie denken und warum sie so sind, wie sie sind. Für Spieler eines Zwergs oder für Spielleiter, die Abenteuer in "zwergischer" Umgebung planen, ist Angroschs Kinder eine wahre Schatztruhe. Die Anschaffung lohnt sich auf jeden Fall.




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