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Eberron Kampagnenwelt
Von Jan-Hendrik Strenzke

Rezension erschienen: 26.10.2005, Serie: Rollenspiel, Autor(en): Keith Baker, Bill Slavicsek, James Wyatt, Verlag: Feder und Schwert, Seiten: 400, Erschienen: Mai 2005, Preis: 39,95 Euro


Mit »Eberron« präsentiert Feder & Schwert die neuste D&D-Welt, die aus dem großen Kampagnenwettbewerb von Wizards of the Coast hervorgegangen ist. In ihr verbinden sich Magie und Technologie zu einem faszinierenden Ganzen, das klassische D&D-Elemente mit völlig neuen Aspekten verknüpft. Auf rund 400 Seiten finden Spieler und Spielleiter alles, was man benötigt, um Abenteuer in Eberron zu erleben – natürlich wie immer in Verbindung mit den Basisregelwerken von D&D. Im Gegensatz zur englischen Version liegt dem deutschen Regelwerk auch noch eine großformatige Karte bei, die den Kampagnenband abrundet.

Von der Aufmachung her wird Eberron höchsten Ansprüchen gerecht. Das Hardcover ist stabil, das Design ist eigenständig und die Illustrationen sind hochwertig. Interessant ist insbesondere die Mischung aus "klassischen" Fantasy-Darstellungen und Illustrationen im Comic-Stil, die die Dynamik des Settings sehr gut herausstellen ohne dabei deplaziert zu wirken. Struktur und Layout sind schlüssig und klar und auch die Texte lesen sich flüssig. An der Übersetzung gibt es kaum etwas auszusetzen, lediglich bei der Übertragung einiger Namen und Begriffe hätte man sich gewünscht, dass Feder & Schwert seine Glossarhoheit nutzt, um ähnlich merkwürdige Bezeichnungen, wie man sie bereits aus den Vergessenen Reichen kennt, zu vermeiden. Insgesamt präsentiert sich der Kampagnenband jedoch als ein stimmungsvolles Ganzes.

Eberron ist eine Welt, in der eine Art "magischer Industrialisierung" stattgefunden hat, sich Magie und Technologie also vermischen und beinahe allgegenwärtig sind. Städte werden von magischen Laternen beleuchtet, kleinere magische Gegenstände, die das Leben erleichtern, sind nahezu jedem zugänglich und von gebundenen Elementaren betriebene Luftschiffe sind vereinzelt am Himmel zu sehen.

Die Atmosphäre Eberrons ist geprägt durch den Letzten Krieg, einen Thronfolgekampf zwischen den fünf Prinzen des alten Königreichs Galifar, das einst große Teile des Kontinents Khorvaire umspannte. Der Letzte Krieg zog sich über hundert Jahre hin. Auf seinem Höhepunkt verschwand eine ganze Nation in einer Explosionswelle arkaner Energien vom Antlitz der Welt und hinterließ eine düstere Landschaft, die heute als Klageland bezeichnet wird. Mittlerweile haben sich zwölf neue Nationen herausgebildet, die kürzlich einen unsicheren Frieden geschlossen haben.

Neben den Regenten der verschiedenen Nationen nehmen auch noch mächtige Handelshäuser Einfluss auf das Geschehen in Eberron. Diese sind dadurch gekennzeichnet, dass sie über die Kräfte verschiedener Drachenmale, einer Art geerbter magischer Tätowierungen, verfügen, die den Angehörigen der einzelnen Häuser besondere Fähigkeiten verleihen. Beispielhaft seien hier das Haus Jorasco, welches mächtige Heiler stellt und eine Art von Krankenhäusern betreibt, und das Haus Cannith, welches in der Erschaffung magischer Gegenstände besonders versiert ist, genannt. Letzteres zeichnet sich auch verantwortlich für die Erschaffung der Kriegsgeschmiedeten, lebenden Konstrukten, die im Letzten Krieg als Elitesoldaten fungierten und eine der neuen Rassen Eberrons darstellen.

Außer den Kriegsgeschmiedeten gibt es noch drei weitere neue Völker, die Wandler, in deren Adern das Blut von Lykanthropen fließt, die Wechselbälger, Abkömmlinge von Menschen und Gestaltwandlern, sowie die Kalashtar. Letztere sind aus der Verschmelzung von Menschen und körperlosen Wesen aus der Domäne der Träume hervorgegangen. Doch auch sämtliche bereits bekannten Völker des Grundregelwerks sind in Eberron vertreten, teilweise mit leichten Anpassungen hinsichtlich des Hintergrunds.

Als neue Charakterklasse gibt es passend zur Magotechnologie den Magieschmied, der Gegenstände mit magischen Kräften versehen und Kriegsgeschmiedete verstärken kann, zudem haben auch die Psi-Klassen einen festen Platz in der Welt. Für Kleriker gibt es völlig neue Glaubensrichtungen mit einer Vielzahl neuer Domänen und Zaubersprüche und auch die anderen magischen Klassen erhalten ein paar zusätzliche Sprüche. Darüber hinaus gibt es detaillierte Regeln für die Nutzung der Drachenmale, diverse neue Talente, acht spezifische Prestigeklassen und eine vergleichsweise kleine Auswahl an Ausrüstung und magischen Gegenständen. Eine regeltechnische Besonderheit Eberrons stellen die Aktionspunkte dar, mittels derer man Würfelergebnisse nachträglich verbessern, Klassenfähigkeiten häufiger verwenden, Zauber schneller sprechen oder auch einen im Sterben liegenden Charakter stabilisieren kann. Diese sorgen dafür, dass das Spiel in Eberron etwas dynamischer und heroischer ist als in anderen D&D-Kampagnen.

Den Großteil des Buches nimmt jedoch die Beschreibung der Welt und ihrer verschiedenen Einflussgruppen ein. Hier finden Spieler und Spielleiter umfangreiche Informationen, um Charaktere und Kampagnen in Eberron mit Leben zu füllen. Kleine Karten der einzelnen Regionen und Abenteuervorschläge geben zudem zusätzliche Hilfestellungen. Insgesamt präsentiert sich die Welt als schlüssiges Ganzes, das am Rande aber auch einige Ausflüge ins Exotische, wie zum Beispiel auf Dinosauriern reitende Halbling-Nomaden, zulässt ohne die grundlegende Atmosphäre zu stören. Alles, was einen Platz bei D&D hat, findet auch Eingang in Eberron und wem das eine oder andere Element zu skurril erscheint, der kann es weglassen ohne dass der Hintergrund dadurch an Reiz verliert.

Fazit:
Eberron präsentiert sich als schlüssige und stimmungsvolle Kampagnenwelt für D&D, die sich deutlich von den bisherigen Welten abhebt. Der Kampagnenband an sich weiß sowohl durch die Aufmachung als auch durch die Informationstiefe zu überzeugen und rechtfertigt durchaus den nicht unerheblichen Preis. Wer mit D&D noch nie etwas anfangen konnte, den wird wohl auch Eberron nicht vom Gegenteil überzeugen, für alle anderen ist es mehr als nur eine Alternative zu den etablierten Settings.

P.S.:
Wer mehr Informationen über Eberron haben möchte, dem sei das Themenspezial der LORP empfohlen: http://www.lorp.de/magazin/artikel.asp?id=19





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