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Envoyer 05/2005
Von Ingo Schulze

Rezension erschienen: 13.08.2005, Serie: Zeitschriften, Autor(en): Christian Fischer (Hrsg.), Verlag: FZ Werbung / Redaktion Envoyer, Seiten: 66, Erschienen: Mai 2005, Preis: 1,80 €


Das Abenteuer "Schwarzer Reis" ist ein Legende der fünf Ringe-Abenteuer von Dominik Rickert mit einem solidem Basisplot. Der Geist eines Hexers wird versehentlich von einem Ronin befreit und dieser verhält sich nun alles andere als standesgemäß. Die Spielercharaktere stoßen früher oder später auf seine Spuren und haben hoffentlich eine Motivation, das Leid von der übrigen Bevölkerung abzuwehren. Der Autor gibt aber auch einige mögliche Beweggründe für die Charaktere vor, je nach Gruppenkonstellation, so dass das Einbinden problemlos möglich sein sollte.

Der Stil der Beschreibung ist eher wie ein Szenario gehalten, kurz und knapp, enthält aber immer das Nötigste. Es wurde immer darauf geachtet, dass es umsetzbar für andere Systeme ist, indem zum Beispiel erwähnt wird, wie schwierig ein Kampf werden soll. Allerdings enthält das Abenteuer einige fernöstliche und auch systemspezifische Elemente, die den eigentlichen Reiz ausmachen.

Ärgerlich ist, dass offensichtlich ein großes Stück der Einleitung beim Setzen der Löschtaste zum Opfer gefallen ist. Trotzdem kann man aus dem übrig gebliebenen Text in etwa rekonstruieren, was da ungefähr passiert ist. Ärgerlich bleibt es trotzdem...

Ein großes Shadowrun-Interview zur 4. Edition mit drei Verantwortlichen offenbart einiges interessantes. So ist zu lesen, dass die "Regeln nun tatsächlich spielbar" werden. Ob das nun als Armutseingeständnis gegenüber den drei Voreditionen zu werten ist oder als erfreuliche Botschaft, einem Grinsen vermag sich keiner zu entziehen. Einige Fragen sind etwas unglücklich formuliert, wenn sie die Meinung des Fragestellers wiedergeben. Zum Beispiel impliziert eine Frage, dass ein Vor- und Nachteilsystem die Persönlichkeit von Charakteren fördert, eine andere grenzt Shadowrun als "simulatives Rollenspiel" gegenüber Erzählspielen ab - beides sicherlich Meinungen, die nicht jeder teilt, aber keine Fakten. Aber die Shadowrun-Crew antwortet souverän und hinterfragt die jeweilige Behauptung. Insgesamt produziert der unorthodoxe Stil einige interessante Antworten und letztlich ist es auch sehr interessant, mal die Fragen zu kennen, auf welche die Shadowrun-Macher "Kein Kommentar!" antworten...

Im zweiten Teil des Hörspielfeatures stellt André Wiesler mehr als ein Dutzend Hörbücher und -spiele vor. Leider wird in den Kurzvorstellungen nicht immer deutlich, ob es ein Hörbuch oder eben ein Hörspiel ist. Schließlich mögen viele das eine mehr als das andere. Die Wertung der Spielbarkeit, an sich eine gute Idee, erschließt sich dem Leser nicht immer und auch mit den Ausführungen wird der Hörspielfreund nicht immer einverstanden sein. So werden die legendären "Drei Fragezeichen" ab Folge 70 empfohlen, obwohl in der eingefleischten Dreifragezeichen-Gemeinde eher die Folgen bis 42 kultisch verehrt werden. Aber trotzdem: Das Spezial stellt auch unbekanntere Serien und echte Geheimtipps vor (Die drei Klammeraffen beispielsweise), insofern ist er als guter Einsteiger in die Thematik Hörspiel geeignet.

Auch wenn die Paliomêl-Region 5 im Vorwort als "frei" bezeichnet wird, dafür also noch ein Autor gesucht wird, wurde dieser offensichtlich schon eine Seite später gefunden... Aber dafür sind die "Barbaren von Gardia" auch ganz gelungen. Ein Naturvolk, dass seid langer Zeit in Symbiose mit einem Drachen lebt und sich auf dieser Basis weiterentwickelt hat, bietet einige originelle, neue Ansätze. Zugleich ist es aber ausgewogen dargestellt und man bekommt nicht das Gefühl, dass der Autor hier eine neue Powerrasse entwickeln wollte.

Die Kurzgeschichte "Elorian" vor dem Hintergrund des Computerrollenspiels "Dark Age of Camelot" entpuppt sich als Charakterhintergrund und kommt ohne spannende Wendung und allzu viel Atmosphäre aus.

Dafür kann aber die Serie "Larpst Du schon?" punkten, die sich diesmal mit dem Tod beschäftigt. Im Gegensatz zum Pen&Paper sitzt der (ehemalige) Spieler eines toten Charakters plötzlich auf einen Haufen teurer Sachen, die so nicht mehr zu verwenden sind. Was ist zu tun? Ein ähnlicher Charakter, Wiederbelebung oder was völlig neues? Der Artikel kann zwar nicht für jeden Lösungen bieten, beschäftigt sich aber ausgewogen mit verschieden erfahrenden Charakteren und bietet Ideenansätze - und auch warum nicht jeder LARPer von wiederbelebten Spielercharakteren begeistert ist...

Abgerundet wird der Envoyer von einer farbenfrohen Auswahl News und Rezis, ohne bestimmte Thematik: von d20 Judge Dredd bis hin zur X-Box-Umsetzung von Shrek II, hier findet sich einiges an interessanten wie uninteressanten Material.

Fazit: Das Abenteuer ist recht kurz, andererseits bekommen "Legende der fünf Ringe"-Fans ja nicht gerade deutsches Material nachgeworfen und bleibt trotz der fehlenden Passage empfehlenswert! Das Hörspielfeature ist für interessierte Einsteiger gut geeignet und das Shadowrun-Interview ohne Frage lesenswert.




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