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Club Dead
Von Volker Thies

Rezension erschienen: 15.06.2005, Serie: Belletristik, Autor(en): Charlaine Harris, Verlag: Feder und Schwert, Seiten: 286, Erschienen: April 2005, Preis: 9,95 €


Sookie Stackhouse steckt in einer schwierigen Beziehungskiste, dass kann man mit Fug und Recht sagen. Denn ihr Lover Bill ist ein Vampir. Noch dazu einer, der unter den Untoten als eine Art Polizist arbeitet. Das bringt ihn des öfteren in Schwierigkeiten, die auf Sookie zurückschlagen. So auch in »Club Dead«. Denn Bill begibt sich auf eine mysteriösen Mission und ist plötzlich verschwunden. Eric, Bills "Chef", heuert Sookie an, um in Jackson, Mississippi, nach Bill zu suchen. Denn er befürchtet, dass Bill von anderen Vampiren gefangen genommen wurde, die ihm ein unbekanntes Geheimnis entreißen wollen. Zugleich versucht Eric allerdings, Bill seine Freundin auszuspannen. Zudem macht sich Sookie Gedanken über ihre Beziehung, weil Bill seine vampirische Ex Lorena wiedergetroffen zu haben scheint.

Schließlich macht sich Sookie aber doch auf den Weg nach Jackson. Dort trifft sie auf Alcide, einen Werwolf, mit dem es sofort ordentlich zu "knistern" anfängt. Dennoch verliert Sookie die Suche nach Bill nicht ganz aus dem Auge. Im "Club Dead", dem örtlichen Treffpunkt der Werwesen und Untoten, wird sie dank ihrer telepathischen Fähigkeiten fündig. Die Spur führt in die Villa des Vampir-Königs von Mississippi.

Charlaine Harris, oder besser gesagt ihre deutschen Übersetzer, haben einen flott erzählten Vampir-Roman abgeliefert. Sprachlich ist das Buch hervorragend gelungen und es liest sich sehr flüssig. Doch das waren schon die Stärken des Romans.

Als Geschmackssache kann man vielleicht noch abtun, dass die Vampire eigentlich keine Vampire sind. Im Roman erscheinen sie als normale Menschen, lediglich mit etwas seltsamen Nahrungsvorlieben, die sie mit Kunstblut stillen, und mit einem abweichenden Schlaf- und Wachzyklus. Besondere Kräfte scheinen sie nicht zu haben, wenn man mal davon absieht, dass hier und da mal ein wenig geschwebt, ein Kofferraum mit der Faust durchschlagen und einmal eine Hypnose-Nummer vorgeführt wird. Die Vampire haben auch ganz normale Jobs, als Polizist, Bedienung in einer Kneipe oder als Diskjockey: vom Mysterium der "Fürsten der Finsternis" ist keine Spur. Aber das könnte wie gesagt Geschmackssache sein. Ebenso die an einen "Cora"-Roman erinnernden Grübeleien der Ich-Erzählerin über ihre Beziehungskisten sowie die diversen Werwesen und Untoten, die offenbar nichts besseres zu tun haben, als ihr an die Wäsche zu gehen. Auch den reichlich vertretenen Mode- und Styling-Szenen kann eine weibliche Leserschaft vielleicht mehr abgewinnen als der Rezensent.

Neben diesen "Ansichtssachen" leidet die Geschichte aber unbestritten an ihrem schlecht komponierten inneren Zusammenhang und an einigen logischen Fehlern. Einige Beispiele: Das Geheimnis, das der Grund für Bills Entführung ist, wird am Ende ziemlich beiläufig enttarnt, ohne dass es in der Geschichte eine Rolle gespielt hätte, obwohl es doch eigentlich das große Momentum im Hintergrund sein müsste. Ebenso beiläufig einigt sich Bill nach seiner Befreiung per Telefonanruf mit seinen Entführern, die ihn zuvor immerhin tagelang folterten, um etwas zu erfahren, das er wiederum um alles in der Welt nicht preisgeben wollte. Bills Gefängnis ist angeblich uneinnehmbar. Der Autorin fällt nichts besseres ein, als einen Vampirjäger als "Deus ex machina" auftauchen zu lassen, der Sookie verletzt, worauf sie natürlich prompt in das Vampirschloss gebracht und dort geheilt wird. Nur schafft es kurz darauf ein sonst immer als Trottel dargestellter Vampir-Elvis, problemlos in die Anlage einzudringen. Sookie wird am helllichten Tag, während alle anderen Vampire wie tot und handlungsunfähig sind, von ihrer höchst munteren Nebenbuhlerin Lorena angefallen, die sich in einer fast schon Slapstick-würdigen Szene sozusagen versehentlich in den bereitgehaltenen Pfahl stürzt. Die Aufzählung ließe sich beliebig verlängern. Auch die Versprechung des Deckblatts "Ein skurriler Vampir-Krimi aus den Südstaaten" wird nicht eingehalten. Da Beschreibungen der Szenerie fast vollkommen fehlen, könnte die Geschichte überall oder nirgends spielen.

Fazit:
Ein sehr schön geschriebener Vampir-Roman. Nur leider wiegt die geschliffene Sprache die Mängel der Geschichte nicht auf.




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