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Cthuloide Welten #8
Von Markolf Hoffmann

Rezension erschienen: 21.04.2005, Serie: Zeitschriften, Autor(en): Frank Heller (Hrsg.), Verlag: Pegasus Spiele GmbH, Seiten: 98, Erschienen: April 2005, Preis: 6 €


Mit » Cthuloide Welten #8« halte ich zum ersten Mal eine Ausgabe dieses Magazins aus dem Hause Pegasus Press in den Händen. Dabei wird über die Zeitschrift nur Gutes berichtet, und die Ankündigungen der jeweiligen Ausgaben habe ich immer mit Interesse verfolgt. Nun flatterte die Nummer 8 unverhofft in meinen Briefkasten und ich konnte mich zum ersten Mal selbst davon überzeugen, daß »Cthuloide Welten« ihren Ruf als eines der besten deutschen Rollenspielmagazine (Platz 2 beim diesjährigen DRSP) mehr als verdient.

98 Seiten ist das neue Heft stark, und diese sind prall gefüllt. Sogleich fällt auf, dass »Cthuloide Welten« ein Hausmagazin von Pegasus Press ist und deshalb auf die branchenübliche Werbung verzichten kann. Die Zeitschrift dient ausschließlich dem Zweck, das Rollenspiel Cthulhu zu unterstützen: durch Szenarien, Abenteuer, Hintergrundartikel und Quellenmaterial.

Und dabei wird einiges geboten: Aus den Tiefen vergessener Bibliotheken ist eine mit "Original"-Mythostexten angereicherte Erzählung von Wolfgang Schiemichen, die für das hervorragende Quellenbuch Necronomicon vorgesehen war, aus Platzgründen aber nun in das Magazin ausgelagert wurde. Hochspannend und auf angenehme Weise klassisch!
Im Anschluss daran das erste Highlight des Buches: Das Abenteuer Tote Träume für ein neues Endzeit-Setting, das sich nun wirklich gründlich von jeglichen "The day after"-Klischees abhebt. In naher Zukunft ist das Unvorstellbare geschehen: das Bemühen der zahlreichen Kultisten hat Früchte getragen, die Großen Alten sind zurückgekehrt und haben die Welt fast vollständig vernichtet … oder besser: umgeformt. Die Gesetze von Raum und Zeit gelten nur noch bedingt, während die untergegangene menschliche Zivilisation mehr und mehr in Vergessenheit gerät. Nur in wenigen zerstörten Städten leben noch Menschen, die von den Mythoskreaturen verschont wurden (oder als Ritualopfer in spe in Ruhe gelassen werden). Das Abenteuer selbst – kurz, düster und zynisch – greift hervorragend die Atmosphäre dieses Settings auf. Autor Michael Oden hat es im postapoykalischen Shanghai angelegt und spielt virtuos mit klassischen Endzeit-Elementen und neuen Ansätzen. Es wäre zu wünschen, wenn Pegasus Press dieses faszinierende Setting ausbaut, das auf ausgelutschte Cyberpunk-Elemente verzichtet und einen eigenständigen Weg geht. Übrigens sind auch die Illustrationen von Jens Weber äußerst gelungen.

Was bietet das Heft noch? Ein cthuloider Schauplatz wird von Sebastian Weitkamp vorgestellt: Der Nordfriedhof, den man problemlos in jeder westdeutschen Stadt ansiedeln kann und zu mancherlei Abenteuern anregen kann. Hervorragend auch die ausführliche Stadtbeschreibung Hamburgs in den 1920ern, inklusive einer zweiseitigen Stadtkarte, vielen zeitgenössischen Fotos, einem ausführlichen Teil zu den örtlichen Sagen, Legenden und Mythosbezügen und haufenweise Szenarioideen. Das zweite Highlight der Zeitschrift, das Lust auf den jüngst erschienenen Abenteuerband "Geisterschiffe" macht.

Das dritte Highlight: Ein knapper Artikel von Günther Dambachmair über den Beruf des Kryptozoologen – womit ein etwas versponnener Zoologe bzw. Abenteurer gemeint ist, der in den Weiten Afrikas oder Asiens mythischen Kreaturen nachjagt, von deren wahrer Existenz er überzeugt ist. Ein schöner Ansatz, knapp und doch ausreichend recherchiert. Ein paar Literaturangaben wären allerdings schön gewesen.

Der anschließende Artikel über Fritz Haarmann, Hannovers berüchtigtem Massenmörder aus den 1920ern, ist ebenfalls interessant und löst beim Leser unweigerlich ein Schauern aus. Allerdings wurde Fritz Haarmann bereits in der Deutschland-Box ausführlich vorgestellt. Trotzdem: Marc Buscher hat gute Recherchearbeit geleistet, auch wenn die Szenarioideen des Artikels nicht ganz überzeugen konnten.

Im Interview mit Jan Christoph Steines, Redakteur von Pegasus Press, erfährt man eine Menge über die Veröffentlichungsphilosophie des Verlages. Danach gibt Kosta Kleyes, der für die mehr als gelungene Bebilderung der Quellenbücher "Necronomicon" und "Malleus Monstrorum" verantwortlich zeichnete, einen Einblick in die Technik der Umgestaltung von alten Büchern zu Rollenspielzwecken. Sehr informativ, auch wenn ich bezweifle, dass der durchschnittliche Cthulhu-Spielleiter diesen Aufwand betreiben wird. Hoffen wir vielmehr, daß Kosta Kleye weiterhin mit Feuereifer seine Illustrationen für die Rollenspielbücher anfertigt.

Anschließend verrät schließlich die erfahrene Rollenspielautorin Momo Evers Tipps zum Ausarbeiten realistischer Nichtspielerfiguren. Das Thema ist gut behandelt, wenn auch mit vier Seiten etwas zu knapp. Es wäre übrigens einmal interessant, ein Cthulhu-Abenteuer aus der Feder von Momo Evers zu lesen – vielleicht in einer der kommenden Ausgaben!

Mit einer Glosse von Christian von Aster über die fachgerechte Verbrennung von Hexen (schön geschmacklos und amüsant) und dem Comic Unspeakable Vault endet die Ausgabe – wobei das Comic in meinen Augen die einzige Schwachstelle des Magazins darstellt, denn die Gags sind unlustig und wollen nicht so recht zünden.
Ansonsten aber muss ich gestehen, dass mich "Cthuloide Welten #8" restlos begeistert hat. Mit "Tote Träume" und "Hamburg in den 20ern" finden sich wahre Highlights im Buch, die hohen Spielwert besitzen, ja, die selbst beim einfachen Durchlesen Lust auf eine Cthulhu-Spielrunde wecken. Damit erfüllt das Magazin, das übrigens mit einem schönen Glanzcover und auf festem Papier daherkommt und aufwendig mit Fotos und Zeichnungen illustriert wurde, seinen Zweck voll und ganz, nämlich Cthulhu-Begeisterte mit Spielmaterial zu versorgen. Während andere Rollenspielverlage ihre Magazine aus Kostengründen aufgegeben haben (etwa Fantasy Productions ihre "Wunderwelten"), legt Pegasus Press ein hochwertiges Magazin vor, dem man einfach Erfolg wünschen muss. Der Preis von 6 Euro ist bei dieser hohen Qualität gerechtfertigt, und ich werde gewiss einen Blick in die vorhergegangenen und zukünftigen Ausgaben werfen.




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