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Das Lied der Gier
Von Ingo Schulze

Rezension erschienen: 23.05.2005, Serie: Rollenspiel, Autor(en): Mario Leipelt, Verlag: Nackter Stahl, Seiten: 224, Erschienen: März 2005, Preis: 19,99 Euro


Die Dicke des Bandes lässt es schon erahnen, bei Lied der Gier handelt es sich nicht um ein einfaches Abenteuer, sondern um eine Kampagne mit epischen Ausmaßen. Obwohl die Welt von Arcane Codex sehr vielschichtig ist, von bodenständiger Fantasy bis zu Steampunkelementen, bleibt die Handlung des Abenteuers auf die Grenzlande beschränkt. Aufgrund des ständigen Konflikt zwischen Orks und Menschen ist ein Spielleiter dann auch gut beraten, mehr Acht auf seine Gruppenzusammensetzung zu geben, als sonst üblich. Das ganze Abenteuer bringt die Grundstimmung des Rollenspiel einerseits und der Grenzlande speziell gelungen rüber: martialisch, bodenständig, aber auch düstere und zugleich episch.

Die Abenteuergruppe, wobei der Band auch sechs ausgearbeitete Charaktere mit Hintergrund anbietet, gerät im Ort Zweifronten sprichwörtlich zwischen selbige und retten einen hohen Adeligen vor den Überfall von Orkveteranen. Und auch wenn er nur der letzte Sproß des örtlichen Fürsten ist, Dankbarkeit ist ihnen sicher. Dazu muss aber erst mal nach einer Reise durch die unsicheren Grenzland die Hauptstadt Averra erreicht werden.

Fürst Erkenbrandt ist den Recken äußerst dankbar und wendet sich vertrauensvoll an die Kämpenschar, denn er sieht sich mit einem unangenehmen Problem konfrontiert, zu dessen Bereinigung er aber nicht die eigenen Leute schicken will und darf, da dies geradezu einem Schuldeingeständnis gleichkäme... Aus einem Dorf weitab der Hauptstadt wurde ihm ein Spiegel gebracht, in dem sich das Bild seines Vorfahren eingebrannt hat. Ein Omen? Ein Geist? Eine Gefahr für das kleine Fürstentum? Zudem wird das Dorf Nacht für Nacht von einer Bestie traktiert, die von einem finsteren Magier gelenkt wird!

So werden die Helden ausgesandt, dem Dorf beizustehen und zusätzlich dem mysteriösen Ereignis auf die Spur zu kommen. Natürlich ohne ihre Bekanntschaft mit dem Fürsten zu erwähnen, ansonsten würde womöglich ein Aufstand ausbrechen, wenn bekannt würde, dass ein Vorfahr des Fürsten warum auch immer nachts sein Unwesen treibt.

Das Abenteuer ist nach seinem Namensgeber in drei Akte mit insgesamt 13 Strophen unterteilt, wovon jede randvoll mit Ideen und Aufgaben ist. Gelungen ist insbesondere der Aufbau der einzelnen Kapitel: zuerst ein ganz kurzer Überblick, dann ein Intime-Einführungstext, der die Strophe einleitet und ein Überblick über die Stimmung und Atmosphäre, die den SC entgegenschlagen soll. Anschließend wird der Schauplatz allgemein beschrieben, was bei Averra durchaus einem Quellenbuch gleichkommt, und dann im "Szenenablauf" die vorgesehene Handlung erläutert. Am Ausgang der Strophe werden dann noch die NSCs mit Werten und Motivation vorgestellt, so dass man für jeden ein gutes Gefühl bekommt, und sei er ein einfacher Wächter. Zwischen den Akten wird auch noch auf die Verteilung von Erfahrungs- und Rufpunkten eingegangen, was für den unerfahrenen Meister ebenso eine vorzügliche Hilfe darstellt, wie die hervorgehobenen Rahmen bei Proben mit Ergebnisübersicht.

Dank der allgemeinen Handlungsortvorstellung ist der Spielleiter gut gewappnet, wenn die Charaktere etwas Unvorhergesehenes tun. Auch ein Einkaufsbummel oder ein Tavernenabend kann so ohne Probleme abgehandelt werden. Die zum Vorlesen gedachten Texte sind stimmig geschrieben, auch wenn die Mischung aus einerseits epischer Geschichte und andererseits bitteren Schicksalen anfangs gewöhnungsbedürftig ist. Anhand der ausgearbeiteten Charaktere wird zudem aufgezeigt, wie man einen individuellen Hintergrund in die Abenteuergestaltung einfließen lässt, ohne dass es aufgesetzt wirkt.

Das Layout ist zweckmäßig gelungen, da es wirklich sehr übersichtlich ist, und dank des ausführlichen Inhaltsverzeichnisses kann man auch mitten im Abenteuer etwas wiederfinden. Die Bilder sind nicht ganz so zahlreich und auch technisch nicht ganz so hochwertig wie in den bisherigen Publikationen. Fast jeder NSC hat auch ein Bildchen bekommen - manchmal allerdings nicht leicht zu finden, da es zwei Seiten vorher oder danach kommt... Das Cover zeigt ein Szenenpotpourri des Abenteuers und ist sehr gelungen. Insbesondere die zornige Elf - großartig!

Fazit: Das Preis-Leistungsverhältnis stimmt, unter zwei Wochen Netto-Spielzeit braucht man erst gar nicht anfangen. Autor Mario Leipelt ist kundig in den Grenzlanden und bringt den gewollten Atmosphäremix gut rüber. Aber auch um einzelnes Material herauszuziehen, ist "Lied der Gier" durchaus ein Tipp, ob es nun Quellenmaterial zu den Grenzlanden oder einige kleine Questen, Rätsel und Szenarien sind.




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