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Envoyer 02/2005
Von Volker Thies

Rezension erschienen: 20.04.2005, Serie: Zeitschriften, Autor(en): Christian Fischer (Hrsg.), Verlag: FZ Werbung / Redaktion Envoyer, Seiten: 82, Erschienen: Februar 2005, Preis: 1,80 €


100 Ausgaben: In der Rollenspiel-Szene, in der immer wieder kurzlebige Projekte aufflackern und verschwinden, ist das eine beachtliche Leistung für ein Magazin. Der "Envoyer" hat diese Marke jetzt erreicht. Was bei anderen Veröffentlichungen der Anlass für umfangreiche Super-Sonder-Jubiläumsausgaben gewesen wäre, geht das Envoyer-Team ganz bescheiden an, mit einem Heft, dem man den runden "Geburtstag" nur stellenweise anmerkt.

Eine dieser Stellen ist das DSA-Abenteuer "Hundertfache Wahrheit", in dem André Wiesler und David Grade der hundertsten Ausgabe eines anderen Blattes eine zentrale Rolle einräumen: Es geht um den Aventurischen Boten (AB). In der Stadt Rommilys verschwindet ein AB der Ausgabe 100, ein ganz besonderes Sammelstück. Kurz darauf beginnt eine mysteriöse Todesserie, die irgendetwas mit dem neuesten, offiziell noch nicht ausgelieferten AB zu tun hat. An den Helden liegt es nun, herauszufinden, ob die Todesfälle tatsächlich etwas mit der Zeitung zu tun haben, wer die Drahtzieher sind und auf welchen seltsamen Wegen sie ihr bizarres Mordhandwerk betreiben. Das Abenteuer gestaltet sich als klassische Detektiv-Geschichte, bei der die Helden nur selten ihre Waffen einsetzen müssen, dafür aber um so mehr Geschick im Umgang mit Menschen, vor allem mit zwielichtigeren Subjekten dieser Gattung, beweisen müssen. So entsteht eine spannende Jagd nach den Schuldigen, wenn die Vorlage beim Übergang zwischen den Szenen auch hier und da noch einige Unklarheiten übrig lässt. Ein guter Spielleiter dürfte damit aber kaum Probleme haben.

Außer in dem DSA-Abenteuer spielt das Envoyer-Jubiläum nur beim "W100 des Schreckens" eine Rolle, einer Sammlung absurder Zufallsergebnisse, mit denen ein Spielleiter seine Spieler traktieren kann, wenn sie ihn mal wieder ganz besonders geärgert haben.

Beim Rest des Hefts handelt es sich allerdings um einen "ganz normalen" Envoyer: Mit den Lan’sei wird ein weiteres Volk für das Weltenbauprojekt Paliomêl vorgestellt. Die Lan’sei sind eine Händlerrasse mit einem ganz besonderen Ehrenkodex. So ist Mord in ihrer Gesellschaft unter Umständen erlaubt, wer aber ein einmal gegebenes Wort bricht, muss mit einer harten Verbannungsstrafe rechnen, insbesondere, wenn eine Geschäftsvereinbarung nicht eingehalten wird. Die Beschreibung umfasst eine Kurzgeschichte, in der genau dieser Ehrenkodex im Mittelpunkt steht und eine Beschreibung der Lan’sei-Gesellschaft mit ihren Handelsgilden, den großen Familienverbänden und der "Hexen" genannten spirituellen Kaste. Außerdem gibt es einen Überblick über das große Reich dieser Wesen.

Fortgesetzt wird auch die Serie über Online-Rollenspiele, in der es diesmal darum geht, wie die Story eines solchen Spiels entwickelt und fortwährend am Laufen gehalten wird. Um die Organisatoren dreht sich auch der neue Teil der LARP-Serie. Im Blickpunkt stehen vor allem die Experten für das Schminken und für die technischen Hilfsmittel der Spielwelt.

Eine herausragende Kurzgeschichte stellt "Uuuuuuund Action!" von Yvo Warmers dar. Die Gewinner-Story des Kurzgeschichten-Wettbewerbs von Shadowrun-Archiv.de verbindet die Welten der Straßengangs und der Medienkonzerne im Shadowrun-Universum. Dabei entsteht ein spannender Handlungsbogen, der sich über mehrere Jahre erstreckt. Zwar wirken die unvermittelten Perspektivwechsel etwas störend, insgesamt ist die Geschichte aber hervorragend erzählt. Zusätzlich gibt es einen Kommentar des Autors, in dem er die Hintergründe der Geschichte und ihrer Protagonisten erklärt. Leider wurde dieser Kommentar ohne größere Überarbeitung von der Quellen-Website kopiert, was man ihm auch anmerkt.
Ein Rezensionsteil, ein Comic und der "Rat aus Envoria", der dieses Mal die Autobahn-Maut satirisch in eine Fantasy-Welt überträgt, komplettieren das Heft.

Fazit:
Ein rundum gelungener "Envoyer". Das DSA-Abenteuer "Hundertfache Wahrheit" und die Shadowrun-Kurzgeschichte sind wahre Schmuckstücke. Herzlichen Glückwunsch, Envoyer! Weiter so!




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