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Der Prinz der Lügen
Von Ingo Schulze

Rezension erschienen: 13.04.2005, Serie: Belletristik, Autor(en): James Lowder, Verlag: Feder und Schwert, Seiten: 411, Erschienen: 2004, Preis: 10,95 €


"Der Prinz der Lügen" ist der vierte Band der fünfbändigen Avatarchronik. Die ersten drei Bände der Reihe bilden die Avatar-Triologie, von unterschiedlichen Autoren unter dem Pseudonym Richard Awlinson geschrieben.

Die Vorgeschichte: Die Götter wurden von Übervater Ao in ihrer Avatargestalt in die Vergessenen Reiche gebannt. Zwar waren sie eines Teils ihrer göttlichen Macht beraubt, trotzdem blieben noch immer unfassbar mächtige Wesen - die Faerun in die "Zeit der Sorgen" stürzten. Glücklicherweise wurde der Diebstahl der "Tafeln des Schicksals", der die Verbannung auslöste, bald geklärt und die Tafeln Ao zurückgegeben. So wurden die Avatare - zumindest soweit sie noch existierten - wieder in die göttlichen Gefilde aufgenommen und in Faerun kehrte so etwas wie Normalität ein.

Da aber einige Avatare zerstört wurden, belohnte Ao einige der Recken, die bei der Aufklärung des Tafel-Diebstahls halfen, mit der Göttlichkeit. Die Magierin Mitternacht, die einen Funken der Essenz Mystras trägt, übernahm deren Rolle, während hingegen Überlebenskünstler Cyric zum Herrn über Tod, Chaos und Lüge avancierte.

Diese beiden neuen Götter, die sich spinnefeind sind, stehen im Mittelpunkt der Handlungen des Romans, der die Konflikte des neuen Götter-Pantheons der Vergessenen Reiche schildert. Cyric schmiedet verschiedene Pläne und Intrigen. So will er unter anderem ein Buch erschaffen, die Cyrinishad, nach dessen Lesung man zum fanatischen Cyric-Anhänger wird. Ein Werk - selbstverständlich - randvoll mit Lügen und Übertreibungen. Mitternacht ist scheinbar die einzige, die die Gefährlichkeit Cyrics erkennt. Doch das von ihr geforderte Tribunal, dass den Fall Ao vorträgt, geht nach hinten los. Er bestätigt hingegen, dass Cyrics Handeln im Wesen der ihm zugesprochenen Domänen liegt... Der Gott Oghma ist zwar verärgert ob des Eingriffs in seine Domäne des Wissens und auch Torm stellt sich gegen Cyric, jedoch ist keiner bereit, ihn offen zu bekämpfen, schließlich wacht Cyric über die Fugenebene, sozusagen das "Fegefeuer" Fearuns, wo sich wahre Gläubige von den Ungläubigen trennen.

Die menschlichen Akteure sind geschickt gewählt. Da ist Gwydion: Ehemals Tormgläubiger und ein Purpurdrache Cormyrs, ist er nun zu einem Söldner geworden, der sich für ein wenig Gold jeder Abenteuergruppe anschließt. Jedoch stellt ihm Cyric eine gemeine Falle, die zu seinem Tod führt, so dass der Leser durch seine Augen die Absonderlichkeiten der Fugenebene und ihres Zentrums, Cyrics Residenz, der Stadt der Toten, kennen lernen kann. Dazu kommt mit dem Schauplatz Zentilfeste ein oft wenig beachteter Ort, in dem sich Böse zu Böse gesellt. Einigee der schillerndsten Übeltäter der Reiche sind mit von der Partie: Fürst Schach, Fzoul Chembryl und Xeno Silbermähne.

Autor James Lowder hat schon einige Erfahrungen im Bereich Dungeons und Dragons gesammelt, sein herausragenster Roman ist sicherlich der Rabenhorst-Roman "Ritter der Rose". Im Gegensatz zur Avatar-Triologie muss er eine zusätzliche Schwierigkeit absolvieren: Seine Protagonisten sind Götter und nicht mächtige Helden oder Avatare. Daher besteht schnell das Risiko, dass der Plot zu einer Superhelden-Geschichte verkommt oder einfach ins Lächerliche gezogen wird. Aber Lowders Darstellung der Göttlichkeit nötigt mir durchaus Respekt ab. Seine Götter sind nicht einfach nur allmächtige Menschen, er schafft es, ihnen eine ganz eigene Note zu geben. Auch die Abgrenzung zwischen den alten Göttern und den beiden Neulingen gelingt ihm, sind letztere noch durchaus in der Lage über den Tellerrand ihrer Domänen hinauszuschauen.

Lowder liegt das Intrigenspiel. So verfolgt Cyric ein Dutzend Stränge, um seine Macht zu mehreren, und lügt, intrigiert und spielt ein doppeltes Spiel. Aber auch die anderen Protagonisten haben es zumeist faustdick hinter den Ohren und so kommt es je weiter die Handlung fortschreitet zu unerwarteten Überraschungen und plötzlichen Wendungen. Nein, Spannung baut Lowder wirklich vorzüglich auf. Aber auch sein plastischer, detailreicher Stil macht die Welt lebendig und die Handlung greifbarer. Seine Charaktere wirken glaubwürdig, facettenreich und mehrdimensional, etwas, was man gerade den ersten Bänden noch absprechen mußte. So setzt sich der Trend der bisherigen Avatartrilogie fort, bei der es Band für Band aufwärts geht.

Äußerlich hat der Band leider ein Neudesign bekommen, der sich nicht in die bisherigen Bände einreiht, dafür wurde aber ganze Arbeit geleistet. Das düstere Cover von Brom ist stimmig - Cyric vor seinem strahlenden Zeichen. Dem Lektorat sind einige wenige Fehler entgangen, so bleibt Fürst Schach einmal Fürst Chess, trotzdem bleibt die Lesbarkeit unbeeinflußt.

So ist ein spannender Grundstein für den abschließenden Teil, "Die Feuerprobe" von Troy Denning, der übrigens schon den dritten Teil schrieb, gelegt.




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