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Munchkin beißt!
Von Stefan Sauerbier

Rezension erschienen: 09.06.2005, Serie: Gesellschaftsspiele, Autor(en): , Verlag: Pegasus Spiele GmbH, Seiten: , Erschienen: 2004, Preis: 14,95 €

Wer kennt sie nicht: Die Powergamer. Sie tüfteln, optimieren ihre Charaktere und holen aus den Regeln des Letzte heraus. Ihr liebstes sind magische Artefakte, Macht und noch mehr Fertigkeitspunkte. Je mehr Waffen, Gold und Juwelen, desto besser.
Vor einiger Zeit hat Steve Jackson sich den Powergamern angenommen und für sie eine Hommage in Form eines Kartenspiels geschaffen: Munchkin.
Der bekannte DorkTower-Illustrator John Kovalic hat ihm seine Helden aus den Comics zur Verfügung gestellt und herausgekommen ist ein einzigartiges Spiel. Nicht nur in Amerika, sondern auch in Deutschland ist Munchkin unter den Rollenspielern ein echter Renner.
Das Spiel hat nun nach zahlreichen Erweiterungen einen neuen, vom Basisspiel autonomen Nachfolger: »Munchkin beisst!«

Aber worum geht es eigentlich? Munchkin beisst! ist ein Kartenspiel für zwei bis sechs Personen. Es geht darum, seinen Charakter aufzubauen, Dungeons zu erforschen und Monster zu geeken. Und sonst? Na man kann auch Schätze finden, Monster geeken und seinen Charakter optimieren! Du beginnst als unerfahrener Mensch der ersten Stufe ohne spezielle Kräfte und ohne Klasse. Ziel des Spiels ist es, vor seinen Mitspielern die zehnte Stufe zu erreichen. Im Laufe des Spiels kann man seinen Charakter optimieren, ihm besondere Fähigkeiten verpassen und beim Dungeoncrawl findet er die ein oder anderen Gegenstände. Kämpft man zu Beginn seiner Karriere noch mit bloßen Fäusten gegen Topfpflanzen, so stellt man sich später mit seinem Napalmzauberstab und der Flammenden Rüstung mächtigen Monstern wie den Plutoniumdrachen oder gar einem Bullrog.
Das Schöne an allen Munchkin-Spielen ist, dass man sie beliebig miteinander kombinieren und so auch mit mehr als sechs Spielern spielen kann. Aber Vorsicht: ein Spiel kann dann schon mal etwas länger dauern.

Bevor man nun anfangen kann sich gegenseitig die Karten um die Ohren zu hauen, werden noch ein sechseitiger Würfel sowie für jeden Spieler zehn Spielsteine benötigt. Die Farbe, Form und Art der Spielsteine ist dabei egal. Man kann Glassteine, Pokerchips oder Kleingeld nehmen. Flips oder Chips sind jedoch keine gute Idee: Geht man kurz auf Klo oder in die Küche, kann es schon mal vorkommen, dass der eigene Held plötzlich wieder auf der untersten Stufe der Evolutionsleiter steht und seine Erfahrung buchstäblich gefressen wurde ... und zwar von den eigenen Mitspielern!

»Munchkin Beisst!« ist nicht wie sein Original in einer Welt voller Orks, Zwerge und Zauberer angesiedelt, sondern in der Welt der Vampire, Werwölfe und arroganten Feen-Wechselbälgern. Was man spielen kann, steht damit auch direkt fest: Man startet zwar als Mensch, kann sich aber schnell in einen der zuvor genannten Wesenheiten verwandeln.
Die Regeln gleichen denen des Original Munchkins, allerdings wurden zwei neue Kartentypen hinzugefügt und es gibt keine Klassen mehr. Die Karten unterscheiden sich in zwei Kategorien: Tür- und Schatzkarten. Jeder Spieler erhält zu Spielbeginn jeweils zwei von einer Sorte.
Eine Spielrunde unterteilt sich in insgesamt vier Phasen: Mit der ersten Phase betritt man im Dungeon einen neuen Raum. D.h. man zieht eine Karte vom Türstapel und legt sie offen auf den Tisch. Nun kann sich in dem Raum ein Monster, ein Fluch, eine Falle oder sonst etwas verbergen. Monster müssen bekämpft werden, Fallen und Flüche wirken sofort (was genau geschieht, steht auf der Karte) und wenn sich etwas anderes dahinter verbirgt, kann man die Karte auf die Hand nehmen. In der zweiten Phase kann man, wenn man auf Ärger aus ist, selber ein Monster von seinen Handkarten spielen und dieses dann kräftig verdreschen. Ziel ist es natürlich, Erfahrung zu sammeln und seine Stufe dadurch zu steigern.
In der dritten Phase kann man, sofern man das eventuell vorhandene Monster bezwungen hat, den Raum plündern. Dazu zieht man so viele Schatzkarten wie auf der Monsterkarte angegeben sind und nimmt sie verdeckt auf die Hand.
Die vierte und letzte Phase wird als "milde Gabe" bezeichnet. Da man nicht mehr als fünf Handkarten haben darf, können die übrigen Karten an die Mitspieler verteilt werden. Dazu bekommt der Spieler mit der niedrigsten Stufe die überzähligen Karten.

Neuerungen im Spiel
Die Lakaien bauen die Rolle des Mietlings weiter aus. Jeder Spieler darf einen Lakai auf seiner Seite haben, welcher ihm im Kampf hilft, im spezielle Fertigkeiten verleiht und sogar für ihn stirbt, wenn es nötig ist. Das macht ihn zu einer mächtigen Waffe für jeden Spieler; zum Einen sind die Boni nicht gerade niedrig, zum Andern bewahrt er den Spieler vor schlimmen Dingen, die ihm Monster antun. Dafür muss der Lakai zwar abgelegt werden, jedoch sind Lakaien keine Schätze und somit im Türenstapel zu finden, was sie nicht gerade zu einer seltenen Karte macht.

Die zweite Neuheit sind die Kräfte. Die Kräfte symbolisieren die besonderen Fähigkeiten, die mystische Wesen wie Vampire und Werwölfe haben. Auch sie verbergen sich im Türenstapel und sind somit auch keine seltene Errungenschaft. Je höher der Grad des Charakters, um so mehr und um so mächtigere Kräfte kann er kontrollieren.

Leider verschiebt sich mit den Neuerungen das Spielgleichgewicht viel zu sehr zu Gunsten der Spieler. Normalerweise ist es gerade zu Beginn oft notwendig, die Beine in die Hand zu nehmen und einfach mal wegzulaufen oder vielleicht auch den ein oder anderen Mitspieler um Hilfe zu fragen. Bei Munchkin beisst! kann man meistens unbehelligt alleine die Monster bekämpfen. Dadurch entfällt das oft sehr lustige Verhandeln unter den Mitspielern und das Spiel verliert seinen größten Reiz.

Der Erfolg von Munchkin basiert hauptsächlich auf den Illustrationen und die witzigen Karten. Selbstredend versucht Munchkin beisst! an diesen Rieseerfolg anzuknüpfen, was auch meisten gelingt.
Die Rückseiten der Karten wurden in der neuen Edition zudem geändert. Kombiniert man nun mehrere verschiedene Munchkin-Spiele miteinander, kann man immer erkennen, wer Karten aus der Munchkin beisst!-Box auf der Hand hält.

Fazit:
Munchkin beisst! ist selber sehr lustig und bietet jedem eine Menge Spaß, kann aber dem Original nicht das Wasser reichen. Die Neuerungen im Spiel hebeln das Gleichgewicht auf Kosten des Spielspaßes ein wenig aus.
Ansonsten ist Munchkin beisst! durchaus ein lustiges Spiel für zwischendurch, bei dem gerade Rollenspieler, die die düsteren Welten bevorzugen, voll auf ihre Kosten kommen.




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