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Bootleggers
Von Jan-Hendrik Strenzke

Rezension erschienen: 06.11.2004, Serie: Gesellschaftsspiele, Autor(en): Steve Gross, Don Beyer, Ray Eifler, Verlag: Eagle Games Europe Inc., Seiten: , Erschienen: 2004, Preis: 39,99 €


Note: An English version of this review can be found after the German text.

Amerika zur Zeit der Prohibition – Wer kennt dieses Szenario nicht? Es ist die Ära von Scarface und anderen Gangsterbossen, illegalen Brennereien und natürlich auch von Elliot Ness und seinen Gesetzeshütern. Bei »Bootleggers« schlüpfen drei bis sechs Spieler in die Rolle eines dieser Bandenchefs und versuchen ihren schwarzgebrannten Whisky unter die Leute zu bringen und zum reichsten Ganoven der Stadt zu werden.

Bereits die überwiegend in dunklen Blau- und Grautönen gehaltene Verpackung stimmt hervorragend auf die Atmosphäre des Spiels ein. Sie vermittelt zudem einen guten Eindruck von der durchweg gelungenen Optik des gesamten Spielmaterials von »Bootleggers«. Dies beinhaltet unter anderem einen ansprechend gestalteten Spielplan aus stabilem Karton, anschauliche Plättchen für die eigenen Brennereien und eine Vielzahl von stimmungsvollen Handlungskarten. Ein Highlight sind sicherlich die Plastik-LKWs, mit denen der Whisky transportiert wird, und die sehr detaillierten Kunststoffminiaturen der jeweiligen Gangmitglieder. Insgesamt präsentiert sich »Bootleggers« als ein stimmiges und atmosphärisches Ganzes.

Die genau wie das Spielmaterial leider bisher nur in bestem Gauner-Englisch vorliegende Anleitung erklärt in gut verständlicher Manier die Regeln von »Bootleggers«. Eine Vielzahl von Beispielen und Illustrationen stellt jedoch sicher, dass diese auch mit eingeschränkten Sprachkenntnissen gut zu verstehen sind. Eine detaillierte Auflistung sämtlicher Spielkarten, eine Regelvariante für ein verkürztes Spiel und eine Sammlung von Antworten auf die häufigsten Fragen runden das Beiheft ab.

Zu Spielbeginn erhält jeder Spieler die Brennerei seiner Familie, einen kleinen Laster, ein Bandenmitglied, sein bescheidenes Startkapital und zwölf sogenannte "Muscle Cards". Mit letzteren wird grundsätzlich die Spielreihenfolge bestimmt. Diese Ausstattung stellt das Fundament dar, auf dem das Familiengeschäft aufgebaut wird.
Eine Runde ist grundsätzlich in sechs Phasen unterteilt. Zunächst legt jeder Spieler verdeckt eine "Muscle Card" vor sich ab, die dann gleichzeitig umgedreht werden. Nun bezahlt jeder den aufgedruckten Lohn sowie das Gehalt für seine Lasterfahrer. Anschließend wird in der eben bestimmten Reihenfolge jeweils eine der offen ausliegenden Aktionskarten gewählt. Hierbei kann es sich um zusätzliche Produktionskapazitäten, neue Bandenmitglieder, die Möglichkeit, fremde Laster auszuräumen oder andere Gangster zu eliminieren und noch viel mehr handeln. Eben alles, was zu einem echten Mafiaspiel gehört.
Anschließend schicken die Spieler ihre Jungs in die verschiedenen Kneipen ("Speakeasies"), um dort an Einfluss zu gewinnen. Mit einer einzigen Ausnahme öffnen die Lokale nur, nachdem eine bestimmt Anzahl an Gaunern dorthin gesendet wurden. Wer als letztes eine Karte ausgewählt hat genießt nun den Vorteil, zu sehen, wo die anderen Spieler ihre Schergen hinschicken, und dann entsprechend reagieren zu können. Im dritten Abschnitt wird dann der Whisky gebrannt, der in Phase Vier zu den offenen Kneipen gebracht wird. Nachfolgend wird der Stoff in Abhängigkeit von der Nachfrage und dem Einfluss der einzelnen Gangs bei den jeweiligen Speakeasies verkauft. Zum Abschluss der Runde werden alle gespielten Karten abgelegt. Ab der vierten Runde kommt zudem noch der lange Arm des Gesetztes ins Spiel und der "Copper" versucht die Brennerei, die in der letzten Runde am meisten produziert hat, dicht zu machen. Während sämtlicher Phasen können die Spieler miteinander handeln und Absprachen treffen, die natürlich nicht eingehalten werden müssen – wir sind schließlich Gangster und keine Ehrenmänner. Wer nach zwölf Runden das meiste Geld verdient hat, ist der ruchloseste Gauner und gewinnt das Spiel!

Einfache, zügige Spielmechanismen, ein ansprechendes Spieldesign und eine sehr gelungene Atmosphäre sind die Stärken von »Bootleggers«. Die Würfel, mittels derer Produktion und Nachfrage bestimmt werden, bringen ein gewisses Glückselement ins Spiel. Jedoch gleicht sich dies in der Regel über den Spielverlauf aus und am Ende setzt sich meist die bessere Strategie durch. Darüber hinaus sorgt das Zufallselement auch dafür, dass die Spieler mehr untereinander handeln müssen, was die Freude am Spiel noch weiter erhöht. Die Vielfalt an Aktionskarten steigert zudem die Wiederspielbarkeit. Insgesamt dürfte »Bootleggers« langanhaltenden Spielspaß bieten.

Fazit:
»Bootleggers« ist eine rundum gelungene Schattenwirtschaftssimulation, deren hochwertiges Design auch den relativ hohen Preis rechtfertigt. Wenn sie Filmklassiker wie "Der Pate" oder "Die Unbestechlichen" mögen, dann werden sie dieses Spiel lieben. Also Leute, dämpft das Licht, zündet die Zigarren an und lasst den Bandenkrieg beginnen...


ENGLISH VERSION

America during the time of the prohibition – who does not know this setting? It is the time of Scarface and other mob leaders, of illegal stills and, of course, also the time of Elliot Ness and his crime busters. In »Bootleggers« three to six players take on the role of one of these gang leaders and try to sell their illegally produced whisky and to become the richest guy in town.

The box itself, designed in dark shades of blue and grey, provides an excellent introduction to the ambiance of the game. Moreover, it reflects the overall tone of the astounding artwork of »Bootleggers«. The game material includes elements such as an appealing, high quality game board, individual boards for the respective stills and a large range of superbly illustrated action cards. A particular highlight are the plastic miniatures of the trucks used to ship the whisky and the intricately designed mob members. In total, »Bootleggers« is presented as a well-designed and atmospheric whole.

The accompanying handbook presents the rules of the game in a comprehensive manner. Lots of examples and illustrations ensure that it can easily be understood, even though it is written in the distinctive "mob English". A detailed summary of all the game cards, optional shorter game rules and an FAQ section complete the manual.

In the beginning, each player receives his family still, a small truck, one mob member, a limited starting capital and twelve so-called Muscle cards. The latter are used to determine the order in which the players act. This equipment is the foundation upon which your family business will be built.
A round is generally divided into six phases. Initially, everybody selects a Muscle card and places it face-down in front of him. These are simultaneously revealed and the corresponding payments to their Muscle and to the truck drivers are made. In the previously determined order, the players now select one of the openly displayed action cards. These include additional production capacities, new mob members, the possibility to hijack a truck or to eliminate a mob member and lots of other nice things. Basically everything that can be expected from a mafia game.
Subsequently, the players send out their boys to the various speakeasies (i.e. bars) to increase their influence. With one exception, the bars only open after a certain number of mob members have been sent there. Whoever was last to select a card now enjoys the benefit of watching the other mobsters place their influence markers and then being able to react accordingly. During the third phase, the whisky is distilled and subsequently it is shipped to the open bars. There it is sold according to the demand and to the influence the different gangs have over the respective speakeasies. Finally, all cards that have been played are discarded. As of round four, the long arm of the law comes into play and the "Copper" tries to shut down the still that produced the largest quantity of whisky in the round. During all phases of the game, players may trade and strike deals with one another which obviously do not have to be kept – after all, we’re gangsters and not noblemen. Whoever earned the most money after twelve rounds is the most ruthless mobster and wins the game!

Easy, fast-paced game mechanics, the great artwork and a lot of ambiance are the major strengths of »Bootleggers«. The dice that are used to determine production and demand add a certain element of luck to the game. However, over time this evens out and the better strategy will usually win the game. In addition, the chance element stimulates player negotiations which enhances the game experience. The diversity of the action cards further adds to the replay value of the game. On the whole, »Bootleggers« is likely to provide lasting entertainment.

Summary:
»Bootleggers« is an excellent simulation of underground economics. The high quality of the game material undoubtedly justifies its fairly high price. If you like movies such as "The Godfather" or "The Untouchables", you’ll love this game. So folks, dim the light, light your cigars and let the mob war begin...



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