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Genius - Unternehmen Physik
Von Jan-Hendrik Strenzke

Rezension erschienen: 17.11.2004, Serie: Gesellschaftsspiele, Autor(en): , Verlag: Cornelsen Verlag GmbH & Co. OHG, Seiten: , Erschienen: 2004, Preis: 39,95 €


»Genius – Unternehmen Physik« ist Teil einer neuartigen Reihe von Edutainment-Produkten aus dem Hause Cornelsen Software. Es verbindet hierbei Aspekte einer Wirtschaftssimulation mit umfangreichem Hintergrundwissen aus der Geschichte der Physik, die zudem durch eine Reihe von Aufgaben erlebbar gemacht wird.

Bereits das Cover von »Genius – Unternehmen Physik« erweckt den Eindruck eines dynamischen Spiels und stellt einen eindeutigen Themenfokus heraus. Zudem informiert die Schachtel nicht nur über die Systemvoraussetzungen und die wesentlichen Features, sondern bietet dank einer aufklappbaren Titelseite auch eine Vielzahl von Spielgrafiken. Somit kann man vor dem Kauf leicht überprüfen, ob einem die Optik des Spiels zusagt.
Die eigentliche Simulation besteht aus einer ansprechenden 3D-Landschaft, in der der Spieler nach und nach sein Unternehmen und den Wohnraum für seine Mitarbeiter errichtet. Zur Verfügung stehen hierbei rund vierzig Gebäudetypen in vier verschiedenen Kategorien. Die Benutzeroberfläche ist relativ einfach gehalten und ist daher leicht zugänglich. Darüber hinaus bietet das beiliegende Handbuch detaillierte Informationen zum Spielverlauf und zu den einzelnen Elementen und Menüs sowie eine Reihe von Tipps und Tricks. Hierdurch erhält man zügig einen Überblick über die zur Verfügung stehenden Handlungsoptionen.

Beginnend mit einer kleinen Fahrradwerkstadt im Jahre 1850 durchlebt der Spieler die Zeit der Industrialisierung mit den wesentlichsten Meilensteinen auf dem Gebiet des Physik. Hierbei versucht man stets, die neusten Erkenntnisse in die unternehmerische Tätigkeit einzubeziehen und seinen Konzern weiter wachsen zu lassen. Die Geschäftstätigkeit bezieht sich hierbei auf die Gewinnung von Rohstoffen, ihre eventuelle Umwandlung in Zwischenprodukte bis hin zur Herstellung von Endprodukten. Diese werden dann automatisch verkauft, wobei eine Überproduktion durchaus zu sinkenden Preisen führen kann. Jedoch sind die Handlungsmöglichkeiten insgesamt eher eingeschränkt und die Komplexität der Simulation ist relativ gering. So hat man zum Beispiel abgesehen von der Produktionsmenge keine Möglichkeit, den Absatz zu beeinflussen. Bei drastisch sinkenden Verkaufszahlen oder –preisen kann man lediglich die Anzahl der Arbeiter in den Fabriken reduzieren oder diese ganz abreißen und darauf warten, dass das Spiel einem eine neue Möglichkeit zur Umsatzsteigerung anbietet. Insgesamt ist die Konzernentwicklung erheblich von den technischen Neuerungen, die zu bestimmten Zeitpunkten verfügbar werden, und den zugehörigen Aufgaben, die es zu lösen gilt, abhängig. Hier merkt man sehr deutlich, dass der inhaltliche Schwerpunkt nicht auf dem unternehmerischen Aspekt des Spiels liegt. Insofern sollte man die Wirtschaftssimulation eher als einen Anreiz betrachten, sich intensiver mit den eingebundenen physikalischen Themen zu befassen.

Das Herzstück von »Genius – Unternehmen Physik« sind die umfangreichen Informationen über die Geschichte der Physik. Diese werden in einer Zeitschrift, welche der Spieler zu Spielbeginn abonnieren sollte, aus dem Blickwinkel der jeweiligen Epoche dargestellt. Hierin finden sich Fachbeiträge ebenso wie Interviews, Werbeanzeigen oder empörte Leserbriefe, was das Lesevergnügen erheblich steigert. Darüber hinaus kann der Spieler noch die Korrespondenz mit einer Reihe bedeutender Erfinder aufnehmen. Die so gewonnenen Erkenntnisse werden dann auch direkt für den Spielverlauf benötigt. So muss man eine Reihe von Aufgaben in unterschiedlichsten physikalischen Themengebieten lösen, damit sich das eigene Unternehmen weiterentwickelt. Für einen Großteil dieser Aufgaben sollte der Spieler wenigstens über das Schulwissen eines Siebtklässlers verfügen, ansonsten dürften für einige der zu lösenden Fragestellungen die notwendigen mathematischen und naturwissenschaftlichen Grundkenntnisse fehlen. Jedoch ist es natürlich auch möglich, sich die Antworten zu den einzelnen Themen durch sorgfältiges Lesen der Hintergrundartikel, intensives Grübeln und gegebenenfalls durch Ausprobieren zu erschließen, doch immer wird dies nicht funktionieren. Somit könnte dieser Ansatz leicht zu Frustration führen, da die wirtschaftliche Entwicklung des Unternehmens eng an das Lösen der Aufgaben gekoppelt ist. Dank mehr als hundert implementierter Fragestellungen bleibt der Spielspaß lange erhalten. Allerdings wiederholen sich aufgrund der relativ linearen Technologieentwicklung bei mehrfachem Spielen eine Vielzahl von Aufgaben, was die Wiederspielbarkeit deutlich reduziert. Insgesamt bietet »Genius – Unternehmen Physik« jedoch einen sehr informativen Überblick über die historischen Meilensteine dieses Fachgebiets, der auch für naturwissenschaftlich Interessierte noch die eine oder andere überraschende Erkenntnis bietet.

Fazit:
»Genius – Unternehmen Physik« ist ein unterhaltsames und lehrreiches Produkt für naturwissenschaftlich interessierte Spieler, das sich auch hervorragend als Ergänzung zum schulischen Wissen eignet. Den Anspruch, eine komplexe Wirtschaftssimulation zu sein, erfüllt es jedoch nur bedingt und auch die Abwechslung bei erneutem Spielen hält sich in Grenzen. Insgesamt stellt »Genius – Unternehmen Physik« eine durchaus gelungene Kombination aus Information, aktivem Lernen und Unterhaltung dar, deren Preis jedoch nur durch den Wissensaspekt zu rechtfertigen ist.




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