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Piracy - Schatzjagd in der Karibik
Von Jan-Hendrik Strenzke

Rezension erschienen: 06.11.2004, Serie: Gesellschaftsspiele, Autor(en): Michael Greiss, Verlag: papergames.de, Seiten: , Erschienen: 2004, Preis: 29,99 €


»Piracy« trägt den klangvollen Untertitel "Schatzjagd in der Karibik" und genau darum geht es auch. So mancher mag sich noch an die guten alten Zeiten erinnern, als man sich bei einer Runde "Pirates" auf dem C64 vergnügte. »Piracy« kann man als legitimen Erben dieses Klassikers betrachten – nur dass man diesmal mit einer Reihe anderer Seeräuber an einem Tisch sitzt!

Inhaltlich bietet »Piracy« alles, was das Piratenherz begehrt. Jeder Spieler kommandiert sein eigenes Schiff, mit dem er durch die Karibik kreuzt. Hierbei plündert man Schiffe und Häfen, erfüllt spezielle Missionen und muss sich irgendwann vor den Piratenjägern in Acht nehmen. Darüber hinaus erlangt man natürlich mit jeder Plünderung größeren Ruhm und kann mit dem gewonnenen Gold auch sein Schiff aufrüsten. Irgendwann ist man dann in der Lage, es mit den bestbewachten Städten aufzunehmen und vielleicht sogar die legendäre Goldflotte zu kapern. Bei alldem muss man jedoch stets darauf achten, genug Proviant an Bord zu haben, sonst kann man sich ganz schnell im eigenen Beiboot wiederfinden, während die ehemalige Crew mit dem Schiff davonfährt. Ziel des Spiels ist es, ein bestimmtes Maß an persönlichem Reichtum anzusammeln.

Die Spielmechanismen sind angenehm einfach und werden in der zweisprachigen Anleitung gut erläutert. Darüber hinaus bietet die Anleitung auch noch einige spielbezogene Informationen aus der Welt der Piraten. Bei »Piracy« verfügt jedes Schiff über zwei grundlegende Attribute, den Kampfwert und die Segel. Ersteres bestimmt in Verbindung mit dem persönlichen Ruhm die Effektivität
im Gefecht, letzteres die Bewegungsweite. Darüber hinaus werden auf dem "Deckplan", den jeder Spieler erhält, noch die Fracht, die Vorräte und die Reputation des Kapitäns sowie die aktuellen Missionen festgehalten.
Während seines Spielzugs bewegt der Spieler zunächst sein Schiff. Beendet er seinen Zug in einem Hafen, so kann er diesen angreifen oder dort Handel treiben bzw. sein Schiff ausbauen lassen. Beendet er ihn auf hoher See, so zieht er eine Ereigniskarte. Hierbei kann er unter anderem auf potentielle Beuteschiffe stoßen. Ein wenig lästig ist, dass man bei diesen Karten wie auch bei den Missionen in einem separaten Heft deren Bedeutung nachlesen muss. Wie alle Spielmaterialien außer dem Spielplan selbst ist auch dieses Heft zweisprachig gestaltet.
Anschließend werden anstehende Kämpfe durch einen vergleichenden Wurf mit zwei sechsseitigen Würfeln abgewickelt, zu dem der jeweilige Kampfwert addiert wird. Bei Schiffen ist dieser fest vorgegeben, bei Städten hingegen variiert er. Bei den Gefechten zeigt sich, dass die Freibeuter eben auch Glücksritter waren – die Würfel haben einen erheblichen Einfluss auf den Ausgang des Scharmützels. Siegreiche Piraten erringen Ruhm und Gold, Verlierer hingegen müssen sich mit einem beschädigtem Schiff und besudelter Ehre von dannen schleichen. Am Ende des jeweiligen Zuges werden noch die Vorräte reduziert und der nächste Spieler ist an der Reihe.
Durch die sich hieraus ergebenden schnellen Spielzüge kommt praktisch keine Langeweile bei den Mitspielern auf und es entwickelt sich ein dynamisches und unterhaltsames Spiel. Je nachdem wie intensiv man sich untereinander beharkt, kann dies durchaus auch schon mal drei bis vier Stunden in Anspruch nehmen. Generell gilt, dass eine höhere Spielerzahl den Spielspaß steigert.

Der große Schwachpunkt bei »Piracy« ist die Qualität der Spielmaterialien. So ist der Spielplan selbst zwar optisch ansprechend, jedoch sind die einzelnen Felder ein wenig zu klein für die Schiffe und Siedlungen, die darauf platziert werden. Darüber hinaus ist er sehr dünn, wodurch er sich leicht wellt, was beim Spielen eher lästig ist. Die einzelnen Werte des Schiffs und das erbeutete Gold werden durch Plastikchips dargestellt wie man sie am ehesten aus einem Flohspiel kennt. Missionen, die man übernimmt, und Ladungen, die man transportiert, werden durch dünne Pappmarker symbolisiert, die man vor Spielbeginn aus einem schlecht gestanzten Bogen heraustrennen muss. Wirklich positiv fallen eigentlich nur das stimmungsvolle Bild, welches die Box ziert, und die vergleichsweise ansprechend gestalteten Ereigniskarten auf. Hier wurde eindeutig am falschen Ende gespart!
Man mag den Spieldesignern zugute halten, dass sie versucht haben, das Spiel so preisgünstig wie möglich herzustellen, um den Verkaufspreis nicht noch mehr in die Höhe zu treiben. Bei einer derart niedrigen Qualität besteht jedoch die Gefahr, dass die Käufer sich massiv darüber ärgern und das Spiel letztlich im Regal verstaubt. Eine etwas höherwertige Ausstattung würde hier dem Preis-Leistungs-Empfinden gut tun. Viele Spieler wären sicher bereit, ein paar Euro mehr zu zahlen, wenn sie dafür auch ein gut gearbeitetes Spiel bekommen, dass man gerne auf dem Tisch hat. Insofern kann man hier wohl nur auf eine überarbeitete Fassung hoffen. Schließlich wäre es sehr bedauerlich, wenn ein ansprechendes und gut durchdachtes Spiel letztlich an der Aufmachung scheitern würde!

Fazit:
»Piracy« hat durchaus das Potential, zu einem Kultspiel in seinem Gebiet zu werden. Jedoch wird die gegenwärtige Qualität des Spielmaterials dem relativ hohen Preis einfach nicht gerecht. In dieser Form kann man es leider nicht empfehlen.




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