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Eine tödliche Wette
Von Volker Thies

Rezension erschienen: 09.01.2005, Serie: Rollenspiel, Autor(en): Thilo Bayer, Verlag: Redaktion Phantastik GbR, Seiten: 51, Erschienen: 2004, Preis: 12,50 ¤


Eine Reise mit dem damals »top-modernern« Dampfschiff, eine Wette unter Gentlemen, Sabotage, eine Diebstahlserie und schließlich sogar ein Mord: Das sind die Zutaten für das Abenteuer Eine tödliche Wette. Die Neuauflage des Szenarios von 1989 und Quellenmaterial zur Weltausstellung 1893 in Chicago füllen den neuen Band des Detektiv-Rollenspiels Private Eye.

Die Wette zwischen Lord Eustace Thorndike und Sir John Nightingale wird natürlich in einem noblen Club des viktorianischen Londons geschlossen: Es geht um die Frage, ob des Lords Schaufelraddampfer »Indefatigable« seetüchtig ist oder nicht. Eine Umrundung von Englands Küsten, die in 20 Tagen absolviert sein muss, soll Gewissheit bringen. Als es schon vor Reisebeginn zu einem Brandanschlag kommt, bemüht sich Lord Thorndike um zusätzlichen Schutz für sein Schiff. Hier kommen die Charaktere ins Spiel und an Bord. Sie machen gemeinsam mit einer illustren Gesellschaft, zu der auch Thorndikes Wettgegner Nightingale gehört, die Reise mit.

An Bord kommt es bald zu neuen Sabotageversuchen, außerdem verschwinden Wertsachen, schließlich stirbt sogar ein Passagier eines gewaltsamen Todes. Besteht ein Zusammenhang zwischen den Verbrechen? Wenn ja, welcher? Und wer steckt dahinter? Diesen Fragen gehen die Spieler nach.
Dabei sollten sie sich zielsicher in der feineren Gesellschaft Englands im späten 19. Jahrhundert bewegen, die Schrullen und kleinen Geheimnisse der Passagiere für ihre Ziele ausnutzen, aber auch zwischen den ölverschmierten Maschinen eines Dampfschiffes zurecht kommen. Das Zusammenwirken beider Elemente macht den besonderen Reiz des Szenarios aus. Die Beschreibung des Dampfers mit Deckplänen und einem detaillierten Tagesablauf stellt eine interessante Kulisse dar, die auch in anderen Abenteuern von Nutzen sein kann.

Besonders wichtig für das Funktionieren des Szenarios sind die Nichtspielercharaktere. Die hat Autor Thilo Bayer zwar interessant angelegt, etwas mehr Ausarbeitung, beispielsweise mit typischen Zitaten hätten ihnen allerdings nicht geschadet. Das gilt umso mehr, da das Detektiv-Abenteuer kaum Vorgaben macht, wie und in welcher Reihenfolge die Spieler seine Herausforderungen bestehen, es also vor allem auf die Improvisation des Spielleiters ankommt.

In der zweiten Hälfte des Hefts steht die Weltausstellung in Chicago 1893 im Brennpunkt. Der Text, der erstmals im Fanzine Fantasywelt erschien, stellt das knapp 300 Hektar umfassende Gelände mit seinen 70.000 Ausstellern vor, die die technischen und künstlerischen Errungenschaften ihrer Länder und ihrer Epoche präsentierten. Dazu kommt eine Beschreibung der Stadt Chicago mit Geographie, Geschichte, öffentlichen Einrichtungen und Sehenswürdigkeiten. Leider fehlt eine Darstellung der städtischen Unterwelt vollkommen. Wenn die große Zeit der Chicagoer Bandenkriege auch etwas später als das typische Privat-Eye-Szenario liegt, wären gerade die zwielichtigeren Gestalten der Stadt für ein Detektiv-Rollenspiel besonders interessant gewesen.

Im zugehörigen Szenario Das Geheimnis von Victoria House sind die Charaktere schließlich beauftragt, den britischen Ausstellungs-Pavillon vor befürchteten Anschlägen irischer Separatisten zu schützen; und das mitten im Weltausstellungs-Trubel. Während ihrer Bemühungen kommen sie allerdings (hoffentlich) ganz anderen düsteren Plänen auf die Schliche.

Was die grafische Ausstattung des Hefts betrifft, stechen vor allem die gelungenen großformatigen Zeichnungen hervor, etwa die Schiffs-Deckpläne und die Spieler-Handouts. Eine gute Idee sind auch die historischen Fotos, die den Text auflockern. Allerdings sind die leider oft etwas grobpixelig geraten, und auch die Qualität des Fotodrucks lässt zu wünschen übrig.

Fazit: Das Heft bietet zwei spannende Abenteuer und zwei ungewöhnliche Hintergrund-Settings, die allesamt empfehlenswert sind. Vor allem an der Ausgestaltung der
NSCs muss der Spielleiter allerdings selbst noch ordentlich feilen.




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