Willkommen Gast - LORP.de v2.45.00
LORP.de  
Seite drucken Seite empfehlen Leserbrief schreiben Translate into English with Google
 

Startseite » Rezensionen » Rollenspiel » Universalabenteuer » Der vergessene Krieg

Der vergessene Krieg
Von Volker Thies

Rezension erschienen: 02.12.2004, Serie: Rollenspiel, Autor(en): Oliver Schrüfer, Andreas Mätzing, Verlag: Drachenland-Verlag, Seiten: 208, Erschienen: 2004, Preis: 20 €


Klamme Nebelfinger, schmatzender Schlamm, unergründliche Sumpflöcher: »Der vergessene Krieg« entführt die Abenteurer in eine unheimliche Sumpflandschaft. Warum ist es in diesem Sumpf so unheimlich? Genau das werden die Spieler herausfinden - falls die Helden die Herausforderungen bewältigen, die sich ihnen entgegenstellen.

Der Aufhänger ist denkbar simpel: Die Schwarzen Moore haben seit Jahrhunderten immer mehr Land des Fürstentums Anbariia verschlungen. In den letzten 20 Jahren schien dieses Wachstum geendet zu haben, doch nun dehnen sich seine Grenzen wieder aus. Fürst Tulghar ist entschlossen, den Grund für die bedrohliche Entwicklung herauszufinden und schickt Söldner in die Tiefen des unwirtlichen Landes. Die Abenteuergruppe ist natürlich einer dieser Söldnerhaufen. Schon bevor die Helden in die Schwarzen Moore aufbrechen, wird klar, dass sie es nicht nur mit einem Naturphänomen zu tun haben, sondern dass andere Mächte am Werk sind. In den Mooren selbst wird dieser Eindruck übermächtig. Geister, nebelhafte Dämonenwesen, blutgierige Insekten treiben dort ihr Unwesen; nicht zuletzt die natürlichen Gefahren der Umgebung setzen den Helden zu. Die Sumpf-Atmosphäre haben die Drachenland-Autoren hervorragend herübergebracht. Zwar haben sie sich hier und da spürbar vom "Herrn der Ringe" inspirieren lassen, das aber sehr geschickt. Im Sumpf finden die Helden schließlich auf einen uralten Tempel. Die eigentliche Lösung liegt jedoch ganz woanders. Die Helden stoßen auf eine verborgene Welt, wo sich ihnen der Hintergrund für das Ausbreiten der Schwarzen Moore enthüllt: der "vergessene Krieg" aus dem Abenteuer-Titel. Doch nicht nur äonenalte Ereignisse werfen ihre Schatten über die Abgründe der Zeit; auch in der Gegenwart ist ein Bösewicht am Werk, dem die Helden das Handwerk legen müssen, wenn sie das Wachstum der Moore stoppen wollen. Dieses Vorhaben verschlägt sie schließlich sogar in ein düsteres Reich jenseits aller Realität, wo eine schwierige Rettungsaktion ihrer harrt.

So unterschiedlich die Schauplätze von »Der vergessene Krieg« auch sind, den Autoren gelingt es meisterhaft, die jeweilige Stimmung einzufangen. Der Sumpf, das Feenland und das Dämonenreich erwachen auf ihre jeweils ganz eigene Art zum Leben. Gelungene Illustrationen lassen die Atmosphäre noch dichter werden. Einziger wirklicher Kritikpunkt ist der knackige Schwierigkeitsgrad, was sich allerdings weniger auf die Kampf-Begegnungen bezieht als darauf, dass einige Tarnzauber und magisch verschlossene Zugänge ganz bestimmte Vorgehensweisen zu ihrer Lösung bedürfen. Vor allem Spieler, die weniger überlegt an Herausforderungen herangehen, dürften auf deutliche Hilfestellung des Spielleiters angewiesen sein.

Regeltechnisches nimmt angenehm wenig Raum ein. Allerdings sind die wichtigsten Werte für DSA, Midgard und d20 (D&D3) aufgeführt. Letztere Tatsache dürfte »Der vergessene Krieg« zum ersten im deutschsprachigen Raum geschriebenen und professionell veröffentlichten Abenteuer auf der Basis der D20-Open Gaming License machen. Einziges (kleines) Manko hier: Für keines der drei Systeme wird eine verbindliche Stufenempfehlung gemacht. Was D20 angeht, so ist das Abenteuer allerdings für Charaktere im Stufenbereich von 7 bis 10 durchaus angemessen.

Fazit: Ein spannendes, atmosphärisch sehr dichtes Abenteuer mit epischen Anklängen, das allerdings nur eine überlegt handelnde Heldengruppe erfolgreich bestehen kann.




LORP.de Copyright © 1999 - 2017 Stefan Sauerbier, Alle Rechte vorbehalten.