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Goldbräu
Von Jan-Hendrik Strenzke

Rezension erschienen: 28.10.2004, Serie: Gesellschaftsspiele, Autor(en): Benno Delonge, Verlag: Zoch Verlags GmbH, Seiten: , Erschienen: 2004, Preis: 29,90 €


Hopfen und Malz – Gott erhalt’s! Unter diesem Motto könnte die "Wirtschaftssimulation" »Goldbräu« stehen. Ziel des Spiels ist es, durch Anteile an Brauereien und Biergärten sein Vermögen zu vergrößern und in einer vorgegebenen Rundenzahl zum reichsten Mann bzw. zur reichsten Frau zu werden.

Die ansprechend gestaltete Verpackung vermittelt einen guten ersten Eindruck von der Optik des Spiels. Der Spielplan selbst ist aus stabilem Karton und zeigt sechs Schankwirtschaften, die an eine großen Biergartenfläche angrenzen. Umgeben wird diese Sommeridylle von vier Brauereien, deren Bier in den einzelnen Gaststätten ausgeschenkt wird. Welches Bier im jeweiligen Wirtshaus gezapft wird, wird durch kleine Pappchips symbolisiert, wobei eine Brauerei maximal drei Lokale beliefern kann.
Im Verlauf des Spiels erwerben die Spieler Anteile an den jeweiligen Betrieben, welche durch farbige Holzsteine markiert werden. Darüber hinaus können sie gegebenenfalls auch noch den Chef der Brauerei oder des Biergartens bestimmen. Dieser wird durch eine entsprechende Spielfigur symbolisiert wird, von denen die Spieler jeweils sechs in ihrer Farbe haben. Die Flächen der jeweiligen Biergärten werden durch Holzstäbe abgegrenzt. Darüber hinaus gibt es noch zwei Spielchips, die eine schöne Kellnerin und einen Trunkenbold darstellen, sowie relativ einfach gehaltene Spielkarten mittels derer man Anteile erwerben oder die beiden Spielchips versetzen kann. Bezahlt werden diese mit schlicht gestaltetem Papiergeld, welches gleichzeitig auch das Vermögen der Spieler darstellt. Letztlich sind dem Spiel noch zwei Markierungsfiguren aus Pappe beigefügt, mittels derer der jeweilige Startspieler und der Zeitpunkt der nächsten Wertung nachgehalten werden können.
Insgesamt ist »Goldbräu« ein ansprechend und in sich stimmig gestaltetes Spiel, dessen relativ einfache Regeln in der beiliegenden Anleitung in gut verständlicher Weise dargestellt werden.

Zu Beginn erhält jeder Spieler sein Startkapital sowie sechs Spielkarten. Aus letzteren wählt er vier Beteiligungen an Brauereien oder Biergärten aus, die seine anfänglichen Besitztümer darstellen. Die beiden verbleibenden Karten kann er sofort nutzen, muss dies jedoch nicht tun. Grundsätzlich gilt, dass man seine Beteiligungen an einzelnen Unternehmungen jederzeit aktivieren kann. Darüber hinaus stellt jeder Spieler in zwei Betrieben den Geschäftsführer und setzt eine entsprechende Figur ein. Die Chefposten werden im Uhrzeigersinn, ausgehend vom Startspieler, gewählt.

Am Anfang einer Spielrunde entscheidet sich jeder Spieler mittels dreier Aktionskarten zwischen den zugehörigen Handlungen und legt die entsprechende Karte verdeckt vor sich ab. Wenn alle Teilnehmer ihre Wahl getroffen haben, werden diese umgedreht und die jeweiligen Handlungen abgewickelt.
Die erste der Aktionen ist der Ausbau eines Biergartens. Haben sich mehrere Spieler für diese Option entschieden, so können sie jeweils einen Biergarten um ein Feld erweitern. Hat nur ein Spieler diese Handlung gewählt, kann er entweder einen Biergarten um zwei oder zwei Biergärten um je ein Feld vergrößern.
Die zweite Möglichkeit ist der Austausch eines Bierlieferungsvertrags oder eines Geschäftsführers. Auch hier gilt, dass mehrere Spieler je eine Handlung ausführen, ein alleiniger Wähler dieser Option jedoch zwei. Um den Chef eines Etablissements austauschen zu können muss man mindestens einen Anteil an der Brauerei oder der Wirtschaft besitzen – mehr jedoch nicht. Nur wenn ein Spieler die absolute Mehrheit der Anteile an der entsprechenden Unternehmung hält, ist es nicht möglich, ihn dort zu ersetzen. Möchte man einen Bierliefervertrag austauschen, muss man sowohl den Chef des Biergartens als auch den der neuen Brauerei stellen.
Die dritte Option ist der Erwerb einer Aktionskarte. Hierbei hat man die Wahl zwischen zwei offenliegenden Karten und einer verdeckten Karte vom Nachziehstapel, die man seinen Mitspielern nicht zeigen muss. Die Kosten für die Karte richten sich nach der Anzahl an Spielern, die diese Option gewählt haben – je mehr desto teurer.
Die Aktionen werden stets in der gerade genannten Abfolge durchgeführt, wobei innerhalb einer Handlungsart die Reihenfolge ausgehend vom Startspieler im Uhrzeigersinn bestimmt wird. Auf diese Art werden einundzwanzig Runden gespielt, wobei es nach je sieben Runden zu einer Wertung kommt.
Bei einer Wertung wird zunächst der Umsatz der jeweiligen Biergärten bestimmt. Hierbei richtet sich der Wert grundsätzlich nach der Anzahl an umschlossenen Feldern, von denen einige den doppelten Wert erbringen. Die schöne Kellnerin steigert natürlich den Umsatz in ihrer Wirtschaft, während der Trunkenbold umsatzschädlich ist. Die Hälfte des erwirtschafteten Geldes einer Schankstube geht jedoch direkt an die Brauerei, deren Bier dort ausgeschenkt wird. Anschließend wird der verbleibende Gewinn durch die Anzahl der erworbenen Anteile geteilt und das Resultat auf einen glatten Tausenderbetrag abgerundet. Jeder Spieler enthält nun das entsprechende Vielfache seiner Anteile. Der verbleibende Betrag geht an denjenigen, der den Chef der Wirtschaft stellt, was sich als ziemlich lukrativ erweisen kann. Nachdem alle Biergärten abgerechnet wurden, wird der Gewinn der Brauereien auf die gleiche Weise aufgeteilt. Wer nach drei Wertungen bzw. insgesamt einundzwanzig Runden über das größte Vermögen verfügt, gewinnt das Spiel.

»Goldbräu« präsentiert sich als gelungene Mischung aus Antizipation, Spekulation, Taktik und Glückselementen, die eine wohltuende Abwechslung zu den gängigen Spielprinzipien von handelsbezogenen Spielen darstellt. Eine hohe Flexibilität an Möglichkeiten, das eigene Vermögen zu mehren und den Mitspieler in seinem Vorankommen zu behindern, fördern den Spielspaß. Die kurzen Handlungsphasen und die Möglichkeit, dem Konkurrenten auch mal kräftig in die Suppe spucken zu können sorgen dafür, dass das Spiel auch ohne direkte Interaktion dynamisch und spannend verläuft. Die wesentlichen Schwachpunkte sind die Beschränkung auf drei oder vier Spieler und der starre Spielplan, der mögliche Erweiterungen und Variationen nahezu ausschließt.

Fazit:
»Goldbräu« ist ein kurzweiliges Spiel, das dank seiner Vielfalt an taktischen Möglichkeiten sicherlich auch über einen längeren Zeitraum zu fesseln weiß. Die relativ einfachen und gut verständlichen Regeln sorgen dafür, dass auch Neulinge schnell ins Spiel finden. Bedauerlich ist lediglich, dass »Goldbräu« nur für drei oder vier Spieler ausgelegt ist.




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