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Ordensbuch Ramieliten
Von Ingo Schulze

Rezension erschienen: 17.08.2004, Serie: Rollenspiel, Autor(en): Graute, Oliver; Hoffmann, Oliver; Meyer, Kai, Verlag: Feder und Schwert, Seiten: 104, Erschienen: Juli 2004, Preis: 18,95 €


Im Osten beherrschen die Söhne und Töchter Jeremiels das weitaus größte Territorium, über das ein Orden gebietet: Von Skandinavien, dem ehemaligen Kernland des gefallenen Raguelitenordens, bis Hellas; von ihrer Hauptstadt Prag bis in den tiefen Osten, wo Minsk den Ausgangspunkt der Ostbefriedung bildet.
In einer facettenreichen Beschreibung wird auf die Unterschiedlichkeit der ramielitischen Herrschaftsgebiete eingegangen. Wie kaum eine anderer Landstrich prägte die zweite Flut diese Regionen und Landschaften: Belgrad und Bukarest wurden zu Hafenstädten und Budapest liegt gar auf einer Insel. Ob nun im Osten der Kampf gegen beständige Überfälle durch Traumsaatkreaturen oder in Skandinavien die Auseinandersetzungen mit Ketzern und Schrottbaronen; überall wird ein anderes Bild gezeichnet. Aber auch die Beschreibung des sudetyschen Kernlandes, des ärmlich-bäuerlichen Balkans oder des sich in der Umstrukturierung befindlichen Hellas lassen beim Lesen keine Langeweile aufkommen.
Natürlich gibt es neben allen Unterschieden auch Gemeinsamkeiten: so regieren die Ramieliten stets mit eiserner Faust und Methoden, die nicht wenig an Planwirtschaft und Sozialismus erinnern. Das Leben eines Einzelnen zählt nicht, wenn es letztlich dem Fortbestand des Ganzen dient. Nach diesem Motto befestigt man beispielsweise die östlichen Grenzen und sichert das von der Traumsaat verseuchte Land der vergebenen Hoffnung - Verluste sind da absolut eingeplant.
Prag, mitten im Vlatvasee auf fünf Inseln gelegen und von zahlreichen Kanälen durchzogen, erfährt natürlich, sozusagen als das Venedig des Nordens, besondere Aufmerksamkeit. Im Schatten des Prager Himmels verändert die Stadt durch die sogenannten »Beweger« ständig ihr Antlitz.
Auch die besonderen Kräfte der Ramieliten werden vorgestellt. Basis ihrer Fähigkeiten als "Hüter des Wortes" ist ihre Kathedrale der Seele: ein Ort im tiefsten Inneren, ein Platz vollkommender Ruhe und Entspannung. Die Kathedrale ist aber auch eine Bibliothek des Wissens, fremder Erinnerung und Erfahrungen, ein Quell der Weisheit - letzlich also der Ort, an dem die Antwort auf nahezu jede Frage gefunden werden kann.
Die Politik spielt im Leben eines Ramieliten eine gewaltige Rolle: Ohne Intrigen, Freunde in hohen Positionen oder das Ausmanövrieren von Konkurrenten droht die Arbeit auf einem der vielen, einsamen, auf dem weiten Lande gelegenen Klöster. So ein Schicksal könnte dem ein oder anderen ohne politische Ambitionen allerdings auch ganz recht sein. Zugleich agieren verschiedene, meist geheime Interessengruppen, um den Orden für ihre Zwecke zu gebrauchen. Und manche sind dabei schon gefährlich weit vorgedrungen...
Sowohl Fraktionen, hohe Persönlichkeiten als auch Charakterkonzepte werden vorgestellt, wobei an letzteren zu kritisieren ist, dass sie eher ungewöhnliche Ramieliten charakterisieren und nur wenige der »typischen« Engel dabei sind, von denen man soviel auf den Seiten davor gehört hat.
Das Layout ist denen der anderen Ordensbücher ebenbürtig und damit von gewohnt hoher Qualität: eine Karte des Himmels fehlt ebensowenig wie Zeichnungen guter Qualität, die das Gelesene wirklich illustrieren und nicht nur begleiten. Zweiseitige »Introitus« trennen die einzelnen Kapitel und bringen als Kurzgeschichten oder auch Briefe zusätzliche Atmosphäre und lockern zudem das Buch auf. Kurz, knackig und vor allem stimmungsvoll bringen sie einen Aspekt des Ordens auf den Punkt.

Fazit: Dieses Ordensbuch bietet einiges: ein Quellenbuch zu Osteuropa und zum Orden der Rameliten ebenso wie vielseitige Ideen, wackere NSCs und letztlich auch Grundwissen für jeden Ramieliten-Spieler. Darüber hinaus noch einige Kleinigkeiten, die man in seiner Kampagne anwenden könnte, nein, möchte! Das alles auf über hundert Seiten, die ansprechend präsentiert und allesamt lesenswert sind.




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