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Die Borgia
Von Ingo Schulze

Rezension erschienen: 25.05.2004, Serie: Gesellschaftsspiele, Autor(en): Alexander S. Berg, Verlag: Phalanx Games b.v., Seiten: , Erschienen: 2003, Preis: 25,95 €


Mit »Die Borgia« wird einem die Möglichkeit geboten tief ins Italien des 15. Jahrhunderts einzutauchen, mitten in die Zeit der Renaissance, und als Händlerfamilien mittels Intrigen- und Ränkespiels zu Reichtum und Macht zu gelangen.

Nachdem man die gut dimensionierte, stabile Box geöffnet hat, darf man sich ans Rausdrücken der Counter und Münzen machen. Diese sind aus richtig stabiler Pappe, beidseitig bedruckt und sehr sauber vorgestanzt. Als nächstes fällt der Blick auf die 60 Spielkarten, die ähnlich liebevoll wie das Boxencover gestaltet sind. Die eigentlichen Spielsteine sind dann stabile Holzrundfiguren, dazu kommen noch stabile Pappunterlagen für jeden der maximal fünf Spieler und selbst an einen Notizblock zum sofortigen losspielen wurde gedacht (allerdings nicht an einen Stift).

Das Studium der Regeln ist schon etwas verzwickter, den für ein Kartenspiel basiert es schon auf recht komplexen Regeln, so dass in jedem Fall ein, zwei Proberunden angesagt sind, bis es letztendlich verstanden wurde. Dafür beantwortet das Regelheft wirklich jede Frage, manchmal muss man nur etwas suchen. Der Hersteller »Phalanx Games« ist zwar in Holland ansässig, aber dieses Spiel enthält nur deutsche Regeln, welche immer sauber und klar verfasst sind. Besonders löblich ist die eMail-Adresse, wenn Teile fehlen sollten oder es anderweitige Schwierigkeiten gibt.

Drei bis fünf Spieler legen nun los, wobei die Kartenanzahl für jede Runde angepasst wird. 60 Karten, so dachte ich anfangs, dass sind reichlich wenig. Aber im Endeffekt braucht man 45 bis 55 Karten je Spiel und dadurch kommen auch viele Sonderfälle zustande, die bei einem größeren Satz nur Ausnahmen bilden würden.

Entsprechend der Spielidee übernimmt der Spieler nun die Rolle eines Familienoberhauptes wie »de Medici«. Nachdem jeder Geld und seine Kartenhand erhalten hat, werden schon die ersten Karten auf den Tisch gelegt. Städte unter der Kontrolle der Familie, protegierte Künstler, prestigeträchtige Ämter oder verbündete Familien. Den Auftakt jeder Spielphase bildet die Auktion, eine von 10 bis 12 Karten wird umgedreht und jeder darf darauf bieten. Es braucht schon einiges an Spielerfahrung um den Wert der Karte für sich, für den Gegner und zu diesem Zeitpunkt einzuschätzen.

Sind nun alle Karten ersteigert, zwischendurch erste Künstler ermordet, Ämter geklaut und Städte mittels Condottieren erobert oder verteidigt, endet jeder Zug mit der Papstwahl. Alle Spieler können mit ihren Kardinälen zuerst in geheimer und dann in offener Wahl ein Familienoberhaupt zum Papst wählen. Mag man anfangs denken, dass jeder nur sich selbst wählt, es zeigt sich jedoch schon bald, dass es sich als taktisch klug erweist, einen schwachen Spieler zu erwählen, den so kann man sich einer Gefälligkeit sicher sein und hat zudem einen starken Gegner düpiert.

Siegpunkte sammelt man durch Geld, Städte, Künstler und natürlich die Papstwürde, welche insgesamt drei Züge lang kreist.

Gewinnt das Spiel durch das Ersteigern und Wählen schon eine gewisse Eigendynamik (natürlich hielt ein frisch gewählter Papst eine Rede), lässt sich diese für den wirklich Erfahrenden durch eine Optionalregel noch weiter steigern. Diese erlaubt Verhandlungen immer und überall, was natürlich ein offenes Intrigieren und ein Austausch von Gefälligkeiten fördert, dass die Spielregeln sehr sicher sitzen müssen, um in keinem wilden Tohuwabohu zu enden.

Die Spielzeit ist mit einer bis zwei Stunden zu rechnen, je nach Grad der Regelsicherheit und dem Ausdehnen von Wahlen und Verhandlungen. Ab vier Spielern lässt es sich besser spielen, da es dann nur selten zu einem "alle gegen einen" kommt, wie es bei drei Spielern doch meist der Fall ist.

Fazit: Grundsolide Spielausstattung, intrigante Spielweise, historische Spielidee, dazu freie Spielelemente, ich kenne nur wenige Kartenspiele, die dies hergeben, dafür ist auch ein Preis in der Kategorie eines "normalen" Brettspiels durchaus angemessen.




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