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Risiko - Herr der Ringe
Von Jan-Hendrik Strenzke

Rezension erschienen: 10.12.2003, Serie: Gesellschaftsspiele, Autor(en): , Verlag: Hasbro Deutschland, Seiten: , Erschienen: 2002, Preis: 36 €


Die "Herr der Ringe"-Edition transferiert den Klassiker "Risiko" in die Welt von Tolkien’s Romanen und den gleichnamigen Filmen.
Es handelt sich hierbei um ein strategisches Brettspiel für 2-4 Spieler ab 10 Jahren.
Die Spieler versuchen, durch die Eroberung von Gebieten und die Erfüllung von speziellen Missionen ihren Einfluss in Mittelerde auszuweiten. Dies geschieht unter Zeitdruck, da währenddessen auch der Ringträger durch das Land zieht. Sobald dieser den Endpunkt seines Wegs erreicht hat, endet das Spiel und auf Grundlage der eroberten Gebiete wird der Sieger bestimmt.

Äußerlich präsentiert sich das "Herr der Ringe Risiko" in dem selben dunklen Rot, das die Mehrzahl der Merchandise-Artikel zum zweiten Kinofilm kennzeichnete. Diverse Filmmotive auf der Verpackung und reliefartige Oberflächen greifen die Stimmung des Spiels auf und verstärken das angenehme Erscheinungsbild noch. Innen ist die Box in übersichtliche Fächer aufgeteilt. Verwunderlich ist hierbei, dass ein großes Fach in der Mitte der Box leer bleibt; hier hätte eine etwas geschicktere Aufteilung sicher Platz gespart.

Das wesentliche Spielelement sind die Armeen der Spieler, wobei man je zwei Spieler dem Lager der "Guten" und dem der "Bösen" zuordnen kann. Spieltechnisch hat dies jedoch nur Einfluss die anfängliche Verteilung der Gebiete und das Aussehen der Einheiten.
Die Armeen der "Guten" werden hierbei repräsentiert durch Elben-Bogenschützen (=1 Einheit), Reiter von Rohan (=3 Einheiten) und Riesenadler (=5 Einheiten). Die "Bösen" werden analog durch Orks, Ringgeister und Höhlentrolle dargestellt. Die Figuren sind sehr detailliert gestaltet und tragen so erheblich zur Atmosphäre des Spiels bei.
Der Spielplan ist eine Karte Mittelerdes, auf der die Landstriche dargestellt sind, die die Gefährten während der ersten beiden Kinofilme bereisen. Verschiedene Länder sind hierbei durch unterschiedliche Hintergrundfarben zu Regionen zusammengefasst, wodurch zwar leider ein Teil der Atmosphäre verloren geht, was aber zur Übersichtlichkeit durchaus beiträgt. Die Grenzen zwischen einzelnen Ländern werden durch Gebirge, Flüsse, Brücken und einfache Linien dargestellt, die jeweils Einfluss auf die Bewegungsmöglichkeiten der Armeen haben. Aufgrund der Vielzahl an verschiedenen Elementen wirkt der Spielplan stellenweise ein wenig überladen und die Ländergrenzen sind nicht immer gut zu erkennen. Insgesamt hätte die Karte durchaus etwas größer sein dürfen.

Neben den Armeen und dem Spielplan gibt es noch eine Reihe von Karten, die das Spielgeschehen beeinflussen. Diese sind im Vergleich zum Rest des Spielmaterials eher schlicht gestaltet, auch wenn sie teilweise Bilder aus den ersten beiden Filmen zeigen.

Die ausschließlich in deutsch verfasste Anleitung ist klar strukturiert und optisch ansprechend gestaltet. In gut verständlicher Weise werden sowohl die grundlegenden Regeln des Risiko-Spiels als auch die Besonderheiten dieser Edition erklärt. Einfache Beispiele und eine Vielzahl von Illustrationen tragen erheblich zum Verständnis bei. Eine einfache Version der Regeln für zwei Spieler sowie eine Kurzanleitung für das Spiel ohne die Spezialregeln dieser Edition runden das Beiheft ab.

Wie das Original wird auch die "Herr der Ringe"-Edition von Risiko rundenweise gespielt. Ziel ist es, bei Spielende eine möglichst hohe Punktzahl erreicht zu haben. Das Spielende wird bestimmt durch eine Ringträger-Figur, die ausgehend vom Auenland mit kurzen Unterbrechungen durch 15 Gebiete zieht. Auftragskarten wie im klassischen Risiko gibt es leider nicht, wodurch die Anzahl an Spielvarianten leider stark eingeschränkt wird. Die Spieler führen ihre Züge stets nacheinander aus. Ein Spielzug besteht hierbei grundsätzlich aus fünf aufeinander folgenden Phasen:

1. Verstärkungsphase:
In dieser Phase werden basierend auf der Anzahl der besetzten Gebiete und eventueller vollständig eroberter Regionen neue Armeen in die Ländereien des Spielers verteilt.

Dies unterscheidet sich nur insofern vom Original, als dass die "Herr der Ringe"-Variante eine etwas offensivere Spielweise erfordert.

2. Kampfphase:
Während dieser Phase kann der Spieler mit seinen Armeen benachbarte Gebiete angreifen. Für jede angreifende Einheit wird hierbei mit einem Würfel gewürfelt (maximal 3 Würfel). Der Verteidiger kann sich dann mit bis zu 2 Würfeln verteidigen. Die Würfelwerte werden einzeln der Höhe nach sortiert und verglichen. Ist der jeweilige Würfelwert des Angreifers höher als der des Verteidigers, verliert der Verteidiger eine Armee. Ist der Würfelwert kleiner oder gleich, verliert der Angreifer eine Armee.

In der Kampfphase kommen auch einige Sonderregeln dieser Edition zum Tragen. So hat jeder Spieler einen Heerführer, der der von ihm begleiteten Armee einen Angriffsbonus verleiht. Demgegenüber gibt es in manchen Gebieten Festungen, die dem Verteidiger einen Bonus auf sein Würfelergebnis geben. Diese Variationen führen zu einigen neuen taktischen Möglichkeiten und stellen eine echte Bereicherung des Spiels dar.

3. Truppenbewegung:
Nach Abschluss der Kampfhandlungen kann der Spieler noch Truppen aus einem seiner Gebiete in ein anderes verschieben.

4. Karten ziehen:
Wenn der Spieler in seiner Kampfphase wenigstens ein Land erobert hat, erhält er eine Gebietskarte. Diese können in Sätzen von jeweils drei Karten zu Beginn seines nächsten Zuges gegen zusätzliche Armeen eingetauscht werden.

Eine weitere Neuerung beim "Herr der Ringe Risiko" sind die Abenteuerkarten. Jedesmal, wenn ein Heerführer einen Ort mit einer "Stätte der Macht" erobert, zieht der Spieler eine dieser Karten. Sie unterteilen sich in Missions-, Ereignis- und Machtkarten:
Missionskarten zeigen "Stätten der Macht", die vom Heerführer des Spielers erobert werden müssen, um zusätzliche Einheiten und Punkte für die Endabrechnung zu erhalten.
Ereigniskarten haben einen sofortigen Effekt auf den Spieler und seine Armeen.
Machtkarten hingegen werden auf die Hand genommen und können zu einem späteren Zeitpunkt gespielt werden. Sie haben in der Regel einen erheblichen Einfluss auf das aktuelle Spielgeschehen und stellen eine interessante taktische Erweiterung des klassischen "Risiko" dar.

5. Der Weg der Gefährten:
Am Ende seines Zuges setzt der jeweilige Spieler den Ringträger einen Schritt weiter.
Die Dauer der Reise des Ringträgers kann allerdings ein wenig variieren, denn in mehreren Ländern entscheidet ein Würfelwurf darüber, ob der Ring das Gebiet verlässt. Darüber hinaus kann die Reise auch noch durch einige Machtkarten vorübergehend gestoppt werden. Insgesamt jedoch ergibt sich hieraus eine sehr knappe Begrenzung der Spielzeit. Langfristige strategische Überlegungen werden nahezu überflüssig, da die Spieler kaum mehr als eine Handvoll eigener Züge zur Verfügung haben. Hiermit wird das Potential des Spiels unnötigerweise erheblich beschnitten.


Fazit:
Insgesamt ist die "Herr der Ringe"-Edition eine durchaus gelungene Variation des traditionellen "Risiko". Sowohl für Tolkien- als auch für "Risiko"-Fans bietet es kurzweilige Unterhaltung, wenn auch zu einem stolzen Preis. Aufgrund der sehr engen Begrenzung der Spieldauer ist es als Strategiespiel nur mit Abstrichen geeignet, hier ist das Original sicher vorzuziehen.




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