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"Der Herr der Ringe - Die Zwei Türme": Das Tabletop-Strategiespiel zum Film
Von Sebastian Hirsch

Rezension erschienen: 12.03.2003, Serie: Tabletop, Autor(en): , Verlag: Games Workshop Deutschland GmbH, Seiten: 160, Erschienen: 2002, Preis: 34,95 Euro


Kurz vor dem Filmstart des zweiten Teils der "Herr der Ringe" Trilogie erschien auch das neue "Herr der Ringe – Die Zwei Türme" Tabletop-Regelwerk aus dem Hause Games Workshop. Das Buch stellt dabei keine einfache Erweiterung zum letztjährig erschienenen "Die Gefährten" Tabletop dar, sondern beinhaltet erneut einen eigenständigen kompletten Regelsatz, in dem die alten Regeln zum Teil ergänzt, zum Teil aber auch ersetzt werden. Das Basisregelkonstrukt hat sich nicht groß verändert, jedoch ist man an einigen Stellen auf Spielerkritik eingegangen und hat kleinere Korrekturen vorgenommen. Des Weiteren wurden auch zahlreiche Neuerungen eingebaut. So hat man beispielsweise, passend zur Handlung des zweiten Films, dem Thema Belagerungen einen kompletten Abschnitt spendiert. Auch die Kavallerie-Regeln wurden ausgebaut und haben stark an Komplexität gewonnen, was der Spieltiefe sehr zu Gute kommt.

Das Regelwerk selbst, welches übrigens komplett in Farbe daher kommt, ist übersichtlich gegliedert und bietet alles, was man für den Einstieg in das Tabletop Hobby benötigt. Nach einer kurzen Einführung folgt der Grundregelteil. Warhammer-Spielern werden viele Elemente bekannt vorkommen, wobei es jedoch auch einige gravierende Unterschiede gibt. Jedes Modell besitzt ein Warhammer-typisches Werteprofil, dass die Fähigkeiten der Figur darstellt. Einen entscheidenden Unterschied stellt der Aufbau der Spielzüge dar. Im Gegensatz zu Warhammer haben bei Herr der Ringe beide Spieler eine gemeinsame Bewegungsphase, gefolgt von einer gemeinsamen Schussphase, wobei jeweils der Spieler mit der höheren Initiative beginnt. Eine Magiephase wie bei Warhammer entfällt, da das Magiesystem bei HdR komplett anders aufgebaut ist und bei weitem nicht so ausufernd ausgefallen ist. Des Weiteren bilden die Modelle bei HdR keine Regimenter, sondern werden unabhängig voneinander bewegt.
Wie auch in den anderen Abschnitten des Buchs, werden die Erläuterungen anhand zahlreicher Fotos und Beispiele illustriert, so dass auch Anfänger kaum Probleme beim Verständnis der Regeln haben sollten.

In den folgenden Abschnitten werden die oben erwähnten Kavallerie-Regeln und zahlreiche Regeln für fortgeschrittene Spieler erläutert. Hier wird unter anderem auf die Besonderheiten von Helden näher eingegangen, die bei HdR eine besonders wichtige Rolle spielen. So rekrutieren sich doch insbesondere bei den Freien Völkern ein Großteil der Streitkräfte aus den aus Film und Buch bekannten Heroen wie Aragorn, Gimli oder Legolas.
Auch der Aspekt des Muttests, bekannt aus zahlreichen Tabletop-Games, darf bei diesem Spiel nicht fehlen. Waffen werden ebenfalls ausführlich behandelt. Egal ob Zweihandwaffen, der Kampf mit zwei Waffen, Schusswaffen, Wurfwaffen und Schildträger, kaum ein Wunsch bleibt nach der Lektüre dieses Abschnitts offen.
Schließlich folgen die ebenfalls schon weiter oben erwähnten Belagerungsregeln. Die Möglichkeit der Belagerung bietet vollkommen neue Möglichkeiten für interessante Schlachtenszenarien und die Regeln ermöglichen auch genug taktischen Freiraum für interessante Manöver. Auf vierzehn Seiten werden umfangreiche Methoden dargelegt, wie man am besten die Festung des Feindes stürmen und schleifen kann. Selbst die im Film zu sehenden Pulverfässer können dabei zum Zuge kommen. Aber auch die effektive Verteidigung kommt nicht zu kurz.

Die Armeen Mittelerdes bilden das Kernthema des nächsten großen Kapitels. Dabei wird zwischen den Mächten des Guten (die Freien Völker) und denen des Bösen unterschieden. Für jeden Charakter und Truppentyp wird eine kurze Beschreibung der Eigenschaften und Sonderregeln, eine Tabelle mit den Profilwerten, Punktekosten und ein Foto der entsprechenden Miniatur oder aus den Filmen (oder sogar beides) abgebildet. Die Armeeliste enthält nicht nur Truppen aus "Die zwei Türme", sondern auch alle Einheiten aus dem "Die Gefährten" Regelwerk. Während auf Seiten der Freien Völker neben den einfachen Truppentypen besonders die Helden eine wichtige Rolle spielen, kommen bei den Finsterlingen neben allerlei Truppen der Orks, Uruk-hai und Dunländer unter anderem die Ringgeister und der Balrog zum Zuge. Selbst Sauron kann in die eigene Armee integriert werden, jedoch kann man für seine Punktekosten ebenso eine kleine Uruk-hai Armee aufstellen. Leider haben die Südländer auf der Seite des Bösen noch keinen Einzug in die Armeeliste gefunden. Selbige werden dann wohl im nächsten Jahr erscheinenden "Die Rückkehr des Königs" Regelwerks nachgereicht.

Auf die Armeeliste folgen die für das HdR Tabletop obligatorischen Schlacht-Szenarien. In "Die zwei Türme" werden derer ganze 10 geboten, von der Plünderung der Westfold, über den Angriff der Warge, bis hin zur Belagerung von Helms Klamm lassen sich so zahlreiche Szenen des aktuellen Films nachspielen. Einige der Szenarien lassen sich auch als Kampagne nutzen. Die Szenarien aus "Die Gefährten" mussten leider weichen, da diese ansonsten wohl auch den Rahmen des Regelwerks gesprengt hätten.

Die nächsten Kapitel dürften wohl vor allem für Anfänger im Tabletop-Hobby interessant sein. Auf mehr als dreißig Seiten beschäftigen sich die Autoren mit dem Umbau und dem Bemalen von Miniaturen, sowie sehr ausführlich mit dem Bau von Gelände für Tabletop-Schlachten. Das besonders endrucksvolle Modell von Helms Klamm konnte man unter anderem am Games Workshop-Stand auf der Spiel 2002 in Essen bewundern.

Abgeschlossen wird das Regelwerk von einer Zusammenfassung der wichtigsten Tabellen und Regeln.

Fazit: Alles in allem hinterlässt das Regelwerk einen guten Eindruck. Die Texte sind verständlich geschrieben und dürften auch bei Anfängern keine großen Fragen aufkommen lassen. Illustriert wird das ganze von zahlreichen Film- und Beispielsfotos. Das Seitenlayout ist einfach, aber zweckmäßig. Einzig der hohe und für Games Workshop typische Preis schreckt etwas ab und lässt eigentlich erwarten, dass man ein solches Werk noch mal Korrektur lesen lässt, bevor es in Druck geht, denn die etwas gehäuft auftretenden Rechtschreibfehler trüben den Eindruck beim Lesen.
Das Regelwerk ist wohl vor allem für Anfänger und Gelegenheitsspieler interessant. Durch den eng gesetzten Rahmen der Filmlizenz existieren im Gegensatz zu anderen Tabletops nur zwei Fraktionen mit einer begrenzten Anzahl an Truppentypen, was wahrscheinlich nicht dem Sammeltrieb zahlreicher Wargamer entsprechen wird. Auf der anderen Seite hat man hier immerhin die Möglichkeit, epische Schlachten auf Tolkiens Mittelerde zu inszenieren.




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