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The Possession
Von Martin Wagner

Rezension erschienen: 02.02.2015, Serie: Gesellschaftsspiele, Autor(en): Óscar Arévalo und Víctor P. Corbella, Verlag: genX Games, Seiten: , Erschienen: 2014, Preis: 25€


Das Düstere und Gruselige hat es uns in den letzten Jahren immer mehr angetan und einige tolle Filme, Serien und Spiele hervorgebracht. Ein Film, der sogar vor kurzem eine Neuauflage erhielt, war "Evil Dead", dessen Ursprungsfilm unter dem Titel "Tanz der Teufel" weit bekannter ist und auch dank der Indizierung und eines brillanten Bruce Campbell immer noch viele Fans hat.

Den Hintergrund des Films haben sich Óscar Arévalo und Víctor P. Corbella nun zunutze gemacht und als Brettspiel umgesetzt. "The Possession" ist der Name des Spiels, das auf der diesjährigen Spielemesse in Essen vom spanischen Verlag genX Games präsentiert wurde. Der Hintergrund, für alle, die "Tanz der Teufel" nicht kennen, ist schnell erzählt: Eine Gruppe junger Menschen findet bei einem Spaziergang im Wald eine Hütte und in der Hütte ein Buch, das Necronomicon. Nachdem einer aus dem Buch vorgelesen hat, nehmen die grausamen Dinge ihren Lauf.

Bevor sie das im Spiel wirklich tun, gilt es die Regeln zu lesen, das Spielfeld vorzubereiten, die Tokens und Karten zu sortieren und bereitzulegen und zum Schluss auch noch die eigenen Figuren inklusive Rollen Datenblatt bereitzustellen.
Der erste Blick gilt natürlich der Anleitung. Dreisprachig, Englisch, Deutsch und Spanisch, ist sie optisch sehr ansprechend. Leider hört das positive dann auch schon auf, denn nicht nur in einer kleinen Schriftgröße geschrieben, die Regeln sind darüber hinaus auch nicht immer eindeutig oder man findet zusätzliche Regeln im dritten Beispiel einer Regel. Etwas mehr Struktur hätte der Anleitung gut getan. Auch hätte sich einer der Erfinder vielleicht noch einmal anschauen sollen, ob man die Symbole und Kartenbilder in den Regeln überhaupt erkennen kann und, vor allen Dingen, ob die richtigen Erklärungen den richtigen Symbolen und Karten zugeordnet wurden. Das ist nämlich leider nicht geschehen, die Symbole und Karten sind viel zu klein dargestellt und falsche Zuordnungen gab es einige. Das sorgt für einiges an Verwirrung während des Spiels, denn beim Lesen der Anleitung fällt das nicht sofort auf.
Der zweite Blick gilt dem Spielmaterial. Die Karten, sowohl die tatsächlichen Karten als auch die Aktionskarten, die kaum mehr als Marker sind, die Räume und die Würfel sind gut verarbeitet.
Die richtigen Marker sind leider nicht perfekt gestanzt worden und ein Drittel des Markers blieb im Karton zurück. Dadurch kann man die Marker am Anfang nicht so gut erkennen und das Spielvergnügen wird dadurch nicht unbedingt besser.

Kommen wir zum eigentlichen Spiel: Die Spieler müssen mit ihren Figuren das Böse, das sie durch das Lesen des Necronomicon hervorgerufen haben, und das sich als Dämon, der die Figuren der Spieler in Besitz nimmt, und als Astmonster zeigt, durch das Vernichten des Buches, oder zumindest einiger Seiten, bannen. Um das zu erreichen müssen die Spieler die Hütte und ihre 13 Räume erkunden, Gegenstände einsammeln (Suchaktionskarten), sich erholen, verbarrikadieren, kämpfen (alles drei sind Aktionen in Räumen), Seiten des Buches finden (Suchaktionskarten) und schließlich, nach dem Aufsuchen des Kellers oder des Dachbodens, in einem Altarraum den Versuch machen, die Seiten zu vernichten. Erschwert wird das ganze durch das Astmonster und die Besessenheit. Letzteres kann jeden Spieler treffen und dieser oder diese Spieler versuchen dann die anderen Spieler zu töten. Um darzustellen, ob ein Spieler besessen ist, wechselt man einfach die normale Spielfigur mit einer blutigeren Variante aus. Für besessene Spieler kommt auch die Körperteilefigur ins Spiel. Als Besessener kann man Körperteile verlieren und diese dann separat einsetzen.
Für die Spieler, deren Figuren nicht besessen sind, ist es nicht ganz so einfach, die mit ihren Lebenspunkten haushalten, wollen sie nicht sterben und nicht leichter besessen werden können – je schwächer eine Figur, desto wahrscheinlicher ist die Besessenheit.
Schlussendlich geht es darum die besessenen Figuren zu überleben, selbst nicht besessen zu werden und in den Räumen nach Seiten des Buches zu suchen. Das klingt einfach, ist es aber nicht wirklich. Die Mechanismen sind auf Seiten des Spiels und auf Seiten der Besessenen und die Spieler erhalten durch die Regeln ein weiteres Handicap.
Gelungen ist der Würfelmechanismus im Kampf und beim Umgang mit Ereigniskarten. Auf den Würfeln finden wir zwei Symbole, Herzen, die für den Schaden stehen, und Schilde, die für die Verteidigung stehen. Schilde gibt es zwei, einzelne Herzen drei und Doppelherzen einmal. Auch hier ist das Negative etwas im Vorteil. Dank bestimmter Ausrüstungskarten kann das aber durchaus ins positive umgekehrt werden und man kann schneller als man glaubt nur noch von einem Arm und nicht mehr von einem intakten Besessenen verfolgt werden.

Fazit: Tolles Artwork und eine gute Spielidee treffen auf bei "The Possession" eine sehr schwache Anleitung, Layoutfehler und einseitige Regelmechanismen, die das Gewinnen sehr schwer machen. Das führt zu einem nicht wirklich großen Spielvergnügen und dazu, dass ich das Spiel insgesamt nicht wirklich empfehlen kann, obwohl mir einige Elemente sehr gut gefallen haben.




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