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Kragmortha
Von Nils Rehm

Rezension erschienen: 10.08.2014, Serie: Gesellschaftsspiele, Autor(en): Fabrizio Bonifacio, Riccardo Crosa, Massimiliano Enrico, Chiara Ferlito, Walter Obert, Verlag: Heidelberger Spieleverlag, Seiten: , Erschienen: 2014, Preis: 24,95 EUR


Kragmortha ist ein witziges schnelles Spiel für zwei bis acht Spieler, denen auf jeden Fall der Schalk im Nacken sitzen sollte. Schon die Gestaltung mit verniedlichenden Zeichnungen auf der Verpackung, die Rigor Mortis, den Erzmagier mit Totenschädel, und einen Haufen kleiner Goblins zeigen, macht klar: Hier geht es um chaotischen Spaß und nicht so sehr um taktisches Spiel und die Siegerermittlung.

Die Spieler schlüpfen in die Rolle von Goblins, die in der Bibliothek des Meisters (Rigor Mortis) herumalbern und immer versuchen dessen Zauberbücher zu mopsen, wenn der Erzmagier gerade nicht hinsieht. Letzterer ist nämlich in seine Studien vertieft und versteht bei Störungen keinen Spaß. Es droht der "vernichtende Blick", eine Art Fluch.

Grob funktioniert das so: Das Spielbrett mit sieben mal zehn Feldern zeigt die Bibliothek, in der Bücherregale aufgebaut sowie die Goblins und Rigor Mortis auf Startfeldern deponiert werden. Züge der Goblins und auch des Erzmagiers erfolgen über Bewegungskarten, von denen jeder Spieler zu Beginn drei auf der Hand hat. Nach jedem Spielzug zieht man für eine ausgespielte Bewegungskarte eine neue Karte nach. Auf den Feldern des Spielbretts und auf den Bewegungskarten befinden sich Symbole. Es gilt: Ein angrenzendes Feld darf nur betreten werden, wenn Bewegungskarte und neues Feld das gleiche Symbol zeigen. Etwas entschärft wird die Lage dadurch, dass jede Karte zwei Symbole zeigt und manche sogar eine Art Jokerfeld haben, das völlig freie Wahl ermöglicht.

Die Züge haben natürlich verschiedene Folgen. Betritt man ein Feld, auf dem bereits ein Goblin steht, schubst man diesen auf ein anderes angrenzendes Feld weiter (vorzugsweise auf ungünstige Felder, z.B. Rigor Mortis Aufenthaltsort). Da kein Feld doppelt besetzt sein darf, können so wahre Schubsorgien entfesselt werden, wenn ein Goblin den nächsten und der wieder den nächsten und der wieder... weiterschiebt. Die Folgen werden immer direkt ausgespielt.
Wenn man ein Teleportfeld betritt, von denen es insgesamt sieben gibt, muss man einen der verdeckten Teleportmarker ziehen, der zu einer von drei Folgen führt: Entweder wird man nur zu einem anderen Teleportfeld transferiert oder man wird teleportiert und muss zusätzlich eine Zauberbuchkarte ziehen oder man tappt in eine Falle, wird teleportiert und muss eine "vernichtender Blick"-Karte ziehen und sofort ausführen.
Man kann auch versuchen zu Rigor Mortis Schreibtisch zu kommen und dort ein Zauberbuch stehlen (Zauberbuchkarte ziehen). Wenn man aber auf des Feld mit dem Erzmagier kommt, gibt es automatisch einen vernichtenden Blick (Karte ziehen und ausführen).

Mit Zauberbuchkarten kann man sich Vorteile verschaffen, z.B. einen Gegner verfluchen, sich beim Erzmagier einschmeicheln, weitere Bewegungskarten ziehen, ... . Die Würze im Spiel verleihen aber eindeutig die "vernichtender Blick"-Karten. Ihre Folgen muss man nämlich den ganzen Rest des Spiels durchhalten. Und da gibt es so nette Dinge wie: "Lege diese Karte auf den Tisch und lege dein Kinn darauf." oder "Balle deine Fäuste." oder "Du musst die Zunge die ganze Zeit rausstrecken.". Da das Spiel erst endet, wenn die letzte Zauberbuchkarte gezogen worden ist oder, was häufig vorkommt, ein Spieler seine vierte "vernichtender Blick"-Karte bekommt, lässt sich erahnen, wie die Spielrunde immer groteskere Verrenkungen einnimmt.

Ein Sieger wird pro forma auch gekürt: Wer die wenigsten "vernichtender Blick"-Karten bekommen hat oder bei Gleichstand die meisten Zauberbuchkarten.

Die Spielanleitung fällt mit gerade mal vier Seiten mit reichlicher Bebildung erfreulich kurz aus und ist zudem übersichtlich und anschaulich genug, um schnell in die erste Runde einzusteigen.

Fazit: Kragmortha ist herrlich chaotisch und anarchistisch und die Gestaltung animiert, selber im Sinne des Spiels ein bisschen zu schauspielern. Deshalb ergibt sich auch ein hoher Wiederspielwert. Kragmortha gehört auch zu den wenigen Spielen, die man gut mit deutlich unterschiedlichen Altersklassen spielen kann. Fehler kann man eigentlich gar nicht machen, weil kein Zug über eine ganze Runde im voraus planbar ist.




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