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Los Muertos
Von Martin Wagner

Rezension erschienen: 06.12.2017, Serie: Rollenspiel, Autor(en): André Pönitz, Verlag: Prometheus Games GbR, Seiten: 134, Erschienen: 2014, Preis: 14,95 EUR


Seit Anbeginn der Zeit gibt es genau eine Sache, die den Menschen sowohl verängstigt als auch fasziniert: der Tod. Bisher gibt es über den Zustand danach keine fundierten Kenntnisse und so sind die Religionen immer noch die, die sich mit dem Thema am erfolgreichsten auseinandersetzen. Das tun sie ebenfalls schon seit Anbeginn der Zeit und dementsprechend gibt es auch viele religiöse und abergläubische Ideen für das Leben nach dem Tod, Geister, das Paradies, den Hades, Nilfheim und Helheim und Xibalbá sind bekannte Beispiele. Auch in Rollenspielen sind der Tod und die Reiche, in die die Helden eingehen, wenn sie denn irgendwann Würfelpech haben, von großer Bedeutung.

Noch bedeutender ist das Reich der Toten aber im Rollenspiel "Los Muertos" von André Pönitz, welches als weiteres Rollenspiel der Pocket-RPG-Reihe bei Prometheus Games erschienen ist. Denn in diesem Rollenspiel schlüpfen die Spieler in die Rollen von Gestorbenen, die sich in der aztekischen Unterwelt mit ihren neun Ebenen wiederfinden. Jeder Charakter hat dabei nur ein Ziel, die letzte Ebene zu erreichen und zu erfahren, was dort beziehungsweise danach auf ihn wartet.

Bereits auf dem Cover wird deutlich, dass zwei Dinge als Inspirationsquelle gedient haben, zum einen die Farben und Bilder des mexikanischen Tag der Toten, zum anderen aber auch das makabere Gefühl, welches Tim Burton mit seinen düsteren Filmen Corpse Bride und Nightmare Before Christmas vermittelt.

Der erste Blick ins Buch, für ein Pocket-RPG ist es mit seinen 136 Seiten doch sehr dick, offenbart ein voll-farbiges Buch mit allerlei gelungenen Illustrationen. Das verspricht Unterhaltung. Die verspricht uns auch der Autor in seiner knappen Einleitung zum Rollenspiel, in der er auch Rollenspiele an sich erläutert und hervorhebt, dass dieses Rollenspiel den Tod keinesfalls als etwas Ernstes abwerten, sondern nur der leichten Unterhaltung dienen will.
Im Anschluss werden uns danach auf zehn Seiten ganz grob die Welt, die Bewohner und die Toten nähergebracht. Das ist nicht viel, aber wir bekommen später noch mehr Details. Vorerst bleibt es bei dem Überblick, der aber durchaus in der Lage ist, die Stimmung des Spiels zu transportieren.
Das nächste Kapitel widmet sich den Regeln und der Charaktererschaffung. Hier erkennt man dann wieder das Pocket-RPG, denn für das alles genügen gerade einmal 15 Seiten, die man schnell zusammenfassen kann. Es gibt sechs Fähigkeiten, Körper, Wille, Geistiges, Soziales, Sinne und Kämpfen mit Werten von schlecht bis außergewöhnlich und dazu noch passende Spezialisierungen je nach ausgedachtem Hintergrund (inklusive Todesart). Dabei muss man beachten, dass die Charaktere zu Beginn nur Werte zwischen schlecht und sehr gut wählen können. Proben werden sehr einfach mit einem handelsüblichen Skat-Set durchgeführt. Je nach Stufe in der Fähigkeit kann man Karten ziehen und je mehr rote Karten man zieht, desto wahrscheinlicher ist ein Erfolg gegen einen vorher festgelegten Schwierigkeitsgrad (zwischen 1 und 4). So einfach kann es manchmal sein. Dazu kommen ein paar knappe Regeln zu Verletzungen, vergleichenden Proben und besonderen Kräften, die nicht alle Verstorbenen haben. Als Spieler kann man nun direkt in der ersten Ebene loslegen.
Der Spielleiter muss allerdings noch ein paar Seiten lesen, denn er bekommt auf knappen 90 Seiten neben einigen grundlegenden Informationen auch jede der neun Ebenen inklusive passenden Abenteuern beschrieben. Die Vorstellung der Ebenen erfolgt dabei gewohnt knapp, die Abenteuer sind aber detailliert und liefern mehr Informationen zu den einzelnen Ebenen und sollen auch dafür sorgen, dass die Charaktere durch eben diese Abenteuer die nächsten Ebene erreichen (dürfen). Ich will nicht zu viel verraten, nur soviel, die Abenteuer sind perfekt geeignet, um jede Gruppe von Ebene eins zu Ebene neun zu bringen und gleichzeitig die makabere Realität der hier dargestellten Unterwelt zu vermitteln. Man sollte also unbedingt diese Abenteuer lesen und am besten auch spielen.
Im Anhang finden sich dann noch zusätzliche Regeln zu den besonderen Kräften, optionale Regeln zur Charaktererschaffung und Tipps zum Schreiben von eigenen Abenteuern.
Den Abschluss des Buches bildet der Charakterbogen, der funktional und ansprechend ist und damit das Gesamtwerk perfekt abrundet.

Neben dem Inhalt betrachtet man als Rezensent natürlich auch den handwerklichen Aspekt und auch der kann hier überzeugen. Das Buch ist gut geklebt, das Papier griffig und damit passen Haptik und Optik gut zusammen. Layout und Lektorat können ebenfalls überzeugen. Ganz besonders gelungen ist aber der Stil, in dem die Regeln, die Beispiele und auch der Hintergrund und die Abenteuer geschrieben wurden. Hier liest man gerne und wird in jeder Phase unterhalten und das ist noch wichtiger als griffiges Papier oder vollfarbige Seiten.

Fazit: Los Muertos ist ein weiteres gelungenes Rollenspiel der Pocket-RPG-Reihe von Prometheus Games. Das makabere Rollenspiel entführt die Charaktere gekonnt in die aztekische Totenwelt und lässt sie dort durchdachte Abenteuer erleben und dem Ende unterhaltsam näherkommen. Dazu gibt es tolle Regeln, einen tollen Schreibstil und jede Menge Spaß. Was will man mehr? Klar, mehr Pocket-RPGs.




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