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Avatar-Triologie 3: Tiefwasser
Von Volker Thies

Rezension erschienen: 10.12.2003, Serie: Rollenspiel, Autor(en): R.Awlinson, Verlag: Feder und Schwert, Seiten: 407, Erschienen: 2003, Preis: 9.95


Chaos herrscht in den Vergessenen Reichen. Die Götter sind ihrer Macht beraubt und wandeln unter den Sterblichen. Die Welt gerät in Unordnung: Wälder setzen sich in Bewegung, Felsen gehen in Flammen auf, Säure regnet vom Himmel, den Seelen der Toten bleibt das Jenseits versperrt. Auch die Magie hält sich nicht mehr an die Äonenalten Gesetze.
So sieht es aus in der "Zeit der Sorge" im D&D-Setting "Vergessene Reiche". Mitten in diesen gewaltigen Ereignissen sind drei Menschen mit einem nicht ganz unehrgeizigen Ziel unterwegs: Sie wollen die Welt retten. Dazu müssen die Magierin Mitternacht, der Priester Adon und der Söldner Kelemvor die Tafeln des Schicksals, zwei mächtige Artefakte, finden und mit ihnen über den halben Kontinent nach Tiefwasser gelangen. "Tiefwasser", der dritte Roman, der Avatar-Trilogie beschriebt den letzten Abschnitt dieser Reise und das dramatische Ende der Zeit der Sorge.
Nachdem die Helden eine der Tafeln in ihren Besitz gebracht haben, entwickelt sich eine spannende Verfolgungsjagd. Bhaal, der Gott der Mörder, und Myrkul, der Herr der Untoten, sind hinter den Tafeln her. Sie wollen verhindern, dass sie in die Hände des Götterherrschers Ao gelangt, der in Tiefwasser residiert. Denn dann würde herauskommen, dass die beiden dunklen Götter einst die Tafeln gestohlen und damit die Zeit der Sorge ausgelöst haben. Doch noch ein weiterer Häscher ist hinter den drei Helden her: Cyric, ihr einstiger Verbündeter. Auch er will die Tafeln an sich bringen. Denn wer sie zu Ao zurückbringt, dem ist eine reiche Belohnung sicher. Vielleicht wird er sogar selbst zum Gott erhoben. So müssen sich Mitternacht, Adon und Kelemvor immer wieder gegen Hinterhalte zur Wehr setzen. Allerdings bleibt ihnen ein Vorteil, denn ihre verschiedenen Gegner versuchen sich auch gegenseitig aus dem Weg zu räumen. An der Eberfellbrücke gelingt es Cyric sogar, einen Gott zutöten. Doch kurz bevor die Helden Tiefwasser erreichen, scheint auf einmal alles verloren. Die Freunde werden getrennt. Myrkul bekommt die erste Tafel in die Hände, und die zweite scheint unerreichbar im Reich der Toten. Als schließlich die Untoten Tiefwasser zu überrennen drohen, kommt es zur Entscheidung. Danach soll nichts mehr so sein wie zuvor...
Für Spielleiter, die eine Vergessene Reiche-Kampagne in der Zeit der Sorge vorhaben, ist "Tiefwasser" fast schon eine Pflichtlektüre. Hier wird genau erklärt, wie eine der größten Umwälzungen in der Geschichte dieser Welt vor sich ging. Durchaus lässt sich dieses Buch auch als kurzweiliger Fantasy-Roman lesen. Doch dass Götter einfach so über die Welt wandern und auch mal von Sterblichen gemeuchelt werden, ist vielleicht nicht nach jedermanns Geschmack. Spannend ist die Verfolgungsjagd quer durch eine bekannte Fantasywelt allemal.
Die Handlung kann jedoch einige offensichtliche Mängel nicht ganz überdecken. Die Stimmung einer Welt, die kurz vor dem Abgrund steht, kommt kaum rüber. Insgesamt gehen alle, egal ob Haupt- oder Nebenfiguren, ziemlich gelassen mit der Situation um, die eigentlich dazu angetan wäre, viele in den Wahnsinn zu treiben. Überhaupt wirken die Charaktere ziemlich eindimensional, das wenige, was an innerer Handlung vorhanden ist, reichlich aufgesetzt. Auch der Übersetzer hat nicht unbedingt eine Glanzleistung vollbracht. Vor allem in den ersten Kapiteln wirkt der Text gelegentlich wie mit dem Wörterbuch in der Hand übertragen. Auch die relativ große Zahl von Rechtschreib- und Sprachfehlern ist sehr unschön. Im weiteren Verlauf bessert sich die Sprache allerdings. Was Cover- und Innengestaltung betrifft, liegt "Tiefwasser" für ein Taschenbuch deutlich über dem Durchschnitt.

Fazit: Als Hintergrundband für Kampagnen in den Vergessenen Reichen ist das Buch durchaus zu empfehlen. Trotz der spannenden Handlung ist es allerdings sicher kein Juwel der Fantasy-Literatur.




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