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Village
Von Nils Rehm

Rezension erschienen: 18.02.2014, Serie: Gesellschaftsspiele, Autor(en): Inka Brand, Marcus Brand, Verlag: Pegasus Spiele GmbH, Seiten: , Erschienen: 2012, Preis: 34,95 EUR


Wer das mehrfach ausgezeichnete Brettspiel Village zum ersten Mal in Aktion erleben will, der muss zuerst kleben. Eggertspiele hat hölzerne Spielfiguren beigelegt, von denen 44 zuerst mit kleinen Zahlaufklebern auf der Vor- und Rückseite beklebt werden müssen. Das ist keine Aufgabe für Menschen mit kräftigen Fingern, weil die Aufkleber recht exakt aufgebracht werden müssen, um nicht störend überzustehen. Hat man diese Hürde allerdings gemeistert, wird man mit einem vielfältigen rundenbasierten Taktikspiel belohnt, das wegen seiner immer neuen Konstellationen einen extrem hohen Spielwert hat.

In Village führen die Spieler eine bäuerliche Familie durch vier Generationen und mehren dabei Ruhm und Ansehen. Gekämpft wird um Ruhmespunkte, die man für verschiedene Aktivitäten und innerhalb der Schlusswertung erhält. Soweit ist der Spielrahmen konventionell. Ungewöhnlich aber folgerichtig (Der Untertitel des Spiels lautet immerhin "Wie das Leben so spielt".) dagegen erscheint die Rolle des Todes im Spiel. Für viele Aktivitäten muss man nicht nur mit Sachleistungen zahlen sondern auch mit Zeit, die auf dem Hofplan jedes Spielers über zehn Felder, über die ein Marker im Uhrzeigersinn wandert, symbolisiert wird. Überquert der Marker schließlich die Brücke zum Hof, stirbt ein Familienmitglied (angefangen mit der ältesten Generation) und wird bestattet. Es kann dabei entweder ruhmreich in die Dorfchronik eingehen, wenn noch ein passender Platz (Ratsstube, Handwerk, Reise, Kirche, eigener Hof) zur Verfügung steht, oder in einem anonymen Grab auf dem Kirchfriedhof seine Ruhe finden.

Das zweifach gefaltete große Spielbrett zeigt das Dorf mit Kirche, Rathaus, Handwerksgebäude (Wagnerei, Ställe, Schreibstube, Schmiede und Mühle), Markt, Friedhof, Dorfchronik und Gebieten außerhalb der Dorfpalisade in plastischer Aufsicht. Hier überall können die Spieler über das Einsetzen von Familienangehörigen tätig werden. Die Familie kann über Aktionen auch wachsen. Gesteuert werden die Aktivitäten über Einflusssteine, die man vom Spielbrett aufnehmen kann und die für unterschiedliche Aktionen benötigt werden (Handwerk, Reise, Markt, Ratsstube, Kirche und Handwerk).

Wer an der Reihe ist, muss einen Stein aufnehmen und führt danach seine Handlungen durch. Zwei von acht Aktionen seien hier kurz vorgestellt: Mit einem orangen Stein kann man z.B. in einem der Handwerksgebäude ein entsprechendes Gut herstellen. Bezahlen kann man entweder mit dem Stein oder mit Zeit (wenn ein Familienmitglied in dem Betrieb ausgebildet wird).
Mit grünen Steinen kann man z.B. einen Markttag ausrufen. Alle Spieler dürfen dort reihum Aufträge annehmen, die als Karten mit Kundenwünschen ausliegen. Für jeden erfüllten Wunsch gibt es Ruhmespunkte.

Sind alle Einflusssteine aufgebraucht, endet die laufende Runde. Für die neue werden die Aktionsfelder des Spielbrett wieder neu nach Zufallsprinzip bestückt. Es gibt übrigens auch Peststeine, die natürlich Lebenszeit kosten.

Die verbrauchte Zeit im Spiel ist der Taktgeber. Irgendwann sind die Generationen durchgealtert. Sind die Gräber belegt, endet auch das Spiel und es findet eine Schlusswertung statt. Ruhmespunkte gibt es dann für auf Reisen besuchte Orte, die Position in der Ratsstube und der Kirche sowie für Familienmitglieder in der Dorfchronik. Hinzu kommen noch Punkte für erfüllte Kundenaufträge und Geld.

All das wird in der reich illustierten und stimmungsvoll gesetzten zwölfseitige Spielanleitung, die in einer englischen und einer deutschen Version vorliegt, ausführlich erklärt. Die Anleitung ist zudem ein Musterbeispiel an Übersichtlichkeit. Neben einer schlüssigen Ordnung in Kapiteln gibt es im Detail deutlich sichtbar abgesetzte Beispiele und im Fließtext werden wichtige Begriffe zudem fett hervorgehoben. Den Abschluss machen die FAQ.

Das Alles sorgt für einen guten Einstieg ins Spiel, das mit seiner Vielzahl an Regeln und Finessen sowieso erst in der Praxis im Überblick erschlossen werden kann. Dafür sind schon ein paar Runden nötig, die man übrigens ohne Spaßverlust sowohl zu zweit als auch mit drei oder vier Spieler angehen kann. Die vom Verlag veranschlagten 60 bis 90 Minuten Spielzeit sind im Mittel ein realistischer Wert.

Fazit: Village ist ein tolles Brettspiel für Freunde des Strategiespiels. Seine Gestaltung macht sofort Lust auf das Spielen und verspricht damit nicht zu viel. Village bietet immer neue Situationen durch seine unzähligen Kombinationen, ist durchdacht und wird mit der Spielanleitung vorbildlich erklärt. Bei der gebotenen Vielfalt stellt sich nur noch die Frage, wieso der Verlag überhaupt noch Erweiterungen auf den Markt gebracht hat.




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