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Relic
Von Martin Wagner

Rezension erschienen: 12.06.2014, Serie: Gesellschaftsspiele, Autor(en): John Goodenough, Verlag: Heidelberger Spieleverlag, Seiten: , Erschienen: 2013, Preis: 39,95 EUR


Die düstere Welt des Warhammer 40K-Universums gibt es mittlerweile in so vielen Facetten, dass ein neues Spiel, sei es für irgendeine Konsole oder den PC oder als Brett- oder Kartenspiel nicht mehr sofort auffällt, sofern nicht der Hinweis auf die Grundlage im Namen liegt. Nichtsdestotrotz spricht es ganz klar für das Universum, wenn immer mehr Ableger in unterschiedlichsten Formaten auf den Markt kommen und dann auch noch den Weg in Spielerhände finden.

Ein recht aktueller Ableger ist das Spiel "Relic" von Fantasy Flight Games in der Übersetzung vom Heidelberger Spielverlag. Zwei bis vier Spieler verkörpern in diesem Spiel Helden des Imperators, die im Antian-Sektor den Feinden des Imperators in Form von Chaos, Eldar und Orks entgegentreten, um die Menschheit zu beschützen. Das Spielprinzip basiert dabei auf dem bekannten Spiel "Talisman", wobei die Spieler hier nebeneinander aber nicht gegeneinander und leider auch nicht miteinander gegen das Spiel spielen.

Wie immer bei dieser Art von Spielen ist die Box nicht nur äußerst ansprechend gestaltet, Cover und Rückseite sind sehr gelungen, das Gewicht kann auch überzeugen. Der Blick in die Box offenbart dann das Erwartete. Ein dickes Regelwerk, ein großes Spielbrett, das definitiv einen großen Esstisch oder den Boden als Unterlage benötigt, sowie jede Menge Marker in Karton, jede Menge Karten, ein paar Würfel, einige Charakterfiguren mit dazugehörigen Charakterbögen und einige Szenariobögen. Auch auf den Karten und den Bögen können die Bilder absolut überzeugen, denn sie erzeugen die Stimmung des 40K-Universums. Der Blick auf die Figuren führt zu einem anerkennenden Nicken, denn die Büsten sehen wirklich toll aus, einziger Haken, um sie auf die Basen zu stecken benötigt man etwas Gewalt. Bevor man aber loslegen kann gilt es zwei Dinge zu tun: Zum Einen das Regelheft lesen und zum Anderen die Marker und die Bestandteile der Charakterleiste aus den Kartons zu befreien und anschließend die Charakterleiste zusammenzusetzen. Nach einigen Minuten ist das Letztere geschafft, für die Anleitung, die recht umfangreich ist und die nicht so einfache Regeln enthält, die aber durch Beispiele dann doch recht schnell verstanden werden können, benötigt man deutlich mehr Zeit. Das Heft sollte man aber auch nach dem Verstehen der einzelnen Regeln nicht weglegen, denn die Schnellübersicht auf der Rückseite benötigt man für das Spielen auf alle Fälle und zum Nachblättern, wozu es sicherlich kommt, eben auch.

Nachdem die Grundlagen geschaffen wurden, können wir endlich mit dem Spiel anfangen, so gut wie zumindest. Zuerst einmal wird das Spielbrett, das im ersten Moment etwas unübersichtlich wirkt, sich dann aber rasch offenbart und tolle Bilder und vor allen Dingen seinen durchdachten Aufbau offenbart ausgebreitet. Der äußere und innere Kreis bereiten auf dem Spielplan bereiten auf den Inhalt des Warprisses vor. Anschließend werden die mehr als 300 Karten in Stapel gemäß ihrer Kartenart, Missionen, Ausrüstung, Kräfte, Reliquien, Verderben und Gefahrenkarten, unterteilt und neben das Spielbrett gelegt. Dazu werden dann noch die 150 Marker, Charaktermarker, Ladungsmarker und Einflussmarker, gelegt. Jetzt ist die Spielfläche vorbereitet,und die Spieler erhalten durch Zufall ihren Charakter, vom Ultramarine über den Inquisitor bis hin zum Psioniker finden sich hier zehn mögliche Charaktere. Diese haben alle unterschiedliche Startwerte für die Werte Stärke, Wille, Scharfsinn und Lebenspunkte, die man auf den Charakterleisten einstellt, besondere Fähigkeiten, die zum Beispiel Boni im Kampf oder bei Verderbensproben bringen, und ein zum Hintergrund passendes Startfeld. Jetzt erhalten die Spieler noch Starteinflussmarker, eine Mission und die passende Ausrüstung, zum Beispiel den Bolter mit drei Energiermarkern und einem Bonus von +3 beim Kampf, und dann beginnt das Spiel tatsächlich.
Die Runden laufen immer identisch ab. Bewegung wird durch 1W6 bestimmt, wobei der Spieler im äußeren und inneren Kreis entscheiden darf, ob er mit oder gegen den Uhrzeigersinn laufen will. Die Felder, die er erreicht, tragen schließlich Symbole oder Sonderregeln in Textkästen. Symbole zeigen an, welche Art von Gefahrenkarte aufgedeckt werden muss, rote Karten stehe für Kampf und Orks, blaue Karten für Willenskraft und Tyraniden und gelbe Karten für Scharfsinn und Eldar. Der Spieler führt, wenn nötig, die Gefahrenkarten oder die Sonderregeln aus. Im Kampf entscheidet der Wurf mit einem oder mehreren der mitgelieferten Würfel und der Einsatz von Ausrüstungskarten und Kraftkarten, erstere sind Waffen und sonstige Ausrüstung. Letztere sind besondere Fähigkeiten oder besondere Hintergründe. Ist der Gegner besiegt, erhält man die Karte als Trophäe, verliert man, dann verliert man einen Lebenspunkt, von denen man am Anfang nicht all zu viele hat, und erhält unter Umständen noch andere Nachteile, zum Beispiel Verderbniskarten, die den Charakter Richtung Wahnsinn und Chaos treiben. Ab sechs Punkten wird man vom Chaos übermannt und das Spiel endet für diesen Charakter dann. Verliert man den Kampf und seinen letzten Lebenspunkt, dann beginnt das Spiel mit dem selben Charakter bei Null. Gehen wir vom Positiven aus und man gewinnt die Kämpfe, dann kann man mit drei Trophäen eine neue Stufe kaufen. Je nach Charakter bringt ein Stufenanstieg unterschiedliche Dinge, zum Beispiel kann man von Stufe 1 auf 2 beim Freihändler Scharfsinn um einen Punkt erhöhen und man erhält eine Sonderbelohnung. Bei Stufe 4 erhält der Freihändler zwei Einflussmarker und dar eines der drei Hauptattribute steigern. Dass jeder Charakter anders aufsteigt, empfinde ich als sehr gelungen, denn das sorgt für wirkliche Unterschiede, auch wenn der Rollenspieler in mir gerne einen noch offeneren Stufenanstieg hätte. Stufen sind wichtig, um aber den Endgegner und das gesamte Szenario, von denen es fünf verschiedene mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden gibt, zu besiegen, muss man mindestens drei Missionen, zum Beispiel das Besiegen von drei Orks oder das Befragen eines Eldars, erfüllen, um anschließend diese drei Missionstrophäen gegen ein Relikt, ein gesegneter Gegenstand, der Boni bringt, einzutauschen. Nur mittels eines Reliktes ist es möglich, das letzte Drittel des Spielbrettes zu betreten, die einzelnen Felder zu besiegen, was alles andere als einfach ist, und schlussendlich den Sieg für den Imperator und für sich zu erlangen.

Für sich ist dabei das Stichwort, denn man spielt, wie schon geschrieben, nebeneinander her. Man kann nur sehr wenig miteinander oder gegeneinander machen, das Einzige ist das Würfeln der Gegner für den Mitspieler und ab und an das Abstauben einer Ausrüstungskarte, mehr leider nicht. Das sehe ich als größtes Manko des Spiels, denn "Relic" könnte viel mehr, wenn man mit- und gegeneinander spielen könnte. Ich hoffe, dass die versprochene Erweiterung genau das beinhaltet und der Spielspaß dann deutlich wächst.
So macht das Spiel zwar auch Spaß, wird aber schnell zu einer Würfelorgie beziehungsweise zu Reihenweisen Neustarts, wenn die Würfel mal nicht so fallen wie benötigt. Ansonsten sind die Regeln dann doch sehr schnell verinnerlicht und nur einige spezielle Regeln und Regelkonstellationen gilt es noch nachzuschlagen. Während des Spiels kommt man Dank der Bilder aber auch dank der Regeln in die passende Stimmung. In Stimmung sollte man aber auch kommen, weil man doch etwas länger an diesem Spiel sitzt. Insgesamt macht es aber dennoch auch beim nebeneinanderher Spielen Spaß und das ist die Hauptsache. Alles Weitere wird dann hoffentlich wohl die schon genannte Erweiterung machen.

Fazit: "Relic" ist ein unterhaltsames Spiel mit tollen Bildern und ein gelungenen Story, die sich dank unterschiedlicher Missionen, Szenarien und Charakteren immer ändert und deshalb immer wieder neu ist. Die Regen sind einfacher als man es auf den ersten Blick erwartet und sorgen nicht nur für Stimmung sondern auch für Spielspaß. Noch besser wäre aber eine Regelung für kooperatives oder gegeneinander gerichtetes Spiel.




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