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CV - Das wahre Leben
Von Martin Wagner

Rezension erschienen: 12.06.2014, Serie: Gesellschaftsspiele, Autor(en): Filip Milunski, Verlag: Heidelberger Spieleverlag, Seiten: , Erschienen: 2013, Preis: 24,95 EUR


Egal in welchem Alter man auf das bisher Erlebte und Erreichte zurückschaut, man wünscht sich doch nicht selten, dass man einige Entscheidungen anders getroffen zu haben als man sie tatsächlich getroffen hat. Bei einigen führt das dazu, dass sie traurig über verpasste Chancen nachzudenken, bei anderen nur dazu, dass sie weiter nach vorne schauen und eben aus der aktuellen Situation das Beste für die Zukunft machen.

Vor vielen Jahren wurde das Leben bereits einmal in ein Spiel gepackt und viele Erwachsene können sich noch daran erinnern das Rad des Lebens gedreht zu haben und schließlich verheiratet gewesen und mit mehreren Kindern im Auto hinter sich sitzend über das Spielbrett gefahren zu sein. Mit dem neuen Spiel "CV – Curriculum Vitae" (lat. Lebenslauf) vom Heidelberger Spieleverlag erhält das Leben ein neues Spiel, bei dem zwei bis vier Spieler von der Kindheit bis ins Greisenalter ihren Lebenslauf durch den Erwerb von Lebenslaufkarten und mit einem klaren Ziel vor Augen, das im wahren Leben meist keiner hat, bestimmen.

Der erste Blick gilt wie immer der Ausstattung. Dafür wirft man einen Blick in die quadratische Box. Über allem liegt die achtseitige Anleitung, die nicht nur einfach zu verstehen ist, sondern auch mit vielen Beispielen, Bildern und Anmerkungen wirklich überzeugen kann. Nach dem ersten Blick in die Anleitung zieht man die Box näher zu sich. In meinem Fall endete dieser Schritt mit einem Naserümpfen, denn der allgemeine Geruch des Spiels ist alles andere als gut. Hoffentlich ist das nur in meiner Box der Fall, weil ansonsten wird das Spiel zu einem olfaktorischen Erlebnis der negativen Art für alle. So hoffe ich, dass nur meine Spielrunde da durch musste. Unter der Anleitung liegt das Spielbrett, welches neben drei Feldern für Karten - dazu gleich mehr - aus den Bereichen Junger Erwachsener, Mittleres Alter und Greisenalter, auch Platz für drei zufällige Zielkarten und für die CV-Karten hat, die man erwerben kann. Am Rand findet sich noch eine Tabelle für die Punkteberechnung. Letztere wird erst am Ende des Spiels benötigt. Unter dem Spielbrett finden sich Würfel mit Symbolen statt Punkten, Karten und Spielmarker mit denselben Symbolen wie auf den Würfeln.

Der Spielaufbau ist recht simpel. Die Karten werden nach den Symbolen auf der Rückseite sortiert, Kinderwagen für Kindheit, Fahrrad für Junger Erwachsener, Auto für Mittleres Alter, Brille für Greisenalter, Flagge für Ziele. Anschließend werden die Karten gemischt. Die drei Karten, für die Plätze auf dem Spielbrett vorgesehen sind werden dort abgelegt. Jeder Spieler erhält dann Kindheitskarten und eine Zielkarte. Die Kindheitskarten sind, mit einer Ausnahme, nämlich dem Fahrrad, das den Startspieler anzeigt, Ereigniskarten, die jederzeit ausgespielt werden können und Boni bringen. Jeder Spieler liest sich sein Ziel durch und darf dann Kindheitskarten weitergeben und erhält auch welche. Anschließend beginnt das Spiel mit dem Aufdecken der ersten fünf Lebenslaufkarten und dem offenen Auslegen von einer bis drei Zielkarten, je nach Spieleranzahl. Auf den Vorderseiten dieser Karten befinden sich sechs Felder. Zuerst findet man den Kartentitel, zum Beispiel "Angestellter in Papas Firma". Darunter stehen die Kosten für den Erwerb der Karte, in diesem Fall drei Beziehungssymbole, ein Bild - an die muss man sich erst einmal gewöhnen, denn sie sind doch sehr außergewöhnlich gezeichnet -, die Effekte, Symbole, die man von den Karten erhält, in diesem Fall drei Mal Geld und einmal Pech, ein Symbol in der oberen Ecke, das den Kartentyp vorgibt und unten links, das die Kartennummer anzeigt, die man in manchen Fällen durchaus benötigt. Es gibt fünf CV-Kartenarten, Gesundheit, Bildung, Beziehungen, Arbeit und Besitztümer. Zusätzlich dazu gibt es noch die Ereigniskarten. Jede Kartenart hat ihre Vorzüge, so erhält man durch Arbeit natürlich Geld, aber auch anderen Effekte sind möglich, je nach Job beziehungsweise je nach anderer Karte, es ist auf alle Fälle immer passend zum Titel. Jetzt kommen die Würfel ins Spiel, denn, bevor man überhaupt eine Karte kaufen kann, muss man Würfeln. Die Würfel zeigen sechs Symbole, die fünf für die fünf Kartenarten und einmal das Pech-Symbol. Drei Pech-Symbole führen zum sofortigen Beenden der Runde und zwingen den Spieler zur Abgabe einer CV-Karte. Pech kann dazu führen, dass man sein Auto oder gar seinen Job verliert, eben wie im wahren Leben. Mit den Symbolen erwirbt man sich schließlich CV-Karten, die wiederum Symbole bringen, diese erhält man am Anfang jeder Runde in Form eines Markers, den man dann abgibt, was das Ganze gerade in späteren Runden wirklich übersichtlicher macht.
Auf diese Art und Weise werden die drei Kartenstapel durchgespielt, bis fast keine Karten mehr übrig sind. Das Spiel endet, wenn nur noch so viele Karten vorhanden sind, wie Spieler mitspielen. Tritt das ein, geht es ans Auszählen und zwei weitere Bestandteile der Box, die Wertungstafel und ein Stift kommen zum Einsatz. Zuerst werden die Punkte der Gesundheits-, der Bildungs- und der Beziehungskarten berechnet, anschließend die Punkte der Besitzkarten und zu guter Letzt werden die Zielkarten, sowohl die eine persönliche als auch die eine bis drei auf dem Spielbrett ausgewertet. Jetzt gilt es einige Punkte durch passende Symbole oder passende Karten zusätzlich zu erhalten, um den Sieg davonzutragen.

Ein gelungenes Spiel, welches durch einfache und durchdachte Regeln mit absolut passenden Mechanismen und Kartenarten überzeugen kann, das aber auch zwei Schwächen hat, zum einen der Geruch, zum anderen die Bilder. An letzteres kann man sich gewöhnen, ersteres darf nicht passieren. Trotzdem hat mich das Spiel komplett überzeugt, denn das Gesamtbild überzeugt und der Spielspaß, der in jedem Spiel aufs Neue entsteht, da kein Spiel dem Spiel davor gleicht, jedes Leben entwickelt sich dementsprechend anders als das vorherige, ist für viele Stunden gegeben.

Fazit: CV ist ein tolles Spiel, das durch tolle Regeln und Mechanismen äußerst realistisch das wahre Leben in ein Spiel gepackt hat. Zwar können der Geruch und die Bilder nicht sofort überzeugen, aber das Spiel schafft das dann ohne Probleme in den ersten Minuten. Ein Spiel für jung und alt, das den Ernst des Lebens spielend vorwegnimmt. Kurzum, kaufen und Spaß haben.




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