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Von Jeanette Wette
Rezension erschienen: 03.04.2004, Serie: Rollenspiele, Autor(en): Cunningham, Elaine, Verlag: Feder und Schwert, Seiten: 359, Erschienen: 2003, Preis: 9,95 Euro
Halruaa ist es gelungen, die Schlacht am Wehr für sich zu entscheiden. Das Volk feiert seinen Sieg und trauert gleichzeitig um seine Toten. Vielen ist bewusst, dass der Sieg nur einer um Haaresbreite gewesen sein mag und es tauchen Fragen auf, die an den Grundfesten des Reiches zu rütteln vermögen.
Matteo ist zum Ratgeber König Zalathorms ernannt worden und sein erster Auftrag ist gleich sein schwierigster: Der König hat ihn mit der Verteidigung der Königin betraut, gegen die schwerwiegende Beweise vorliegen, welche darauf hindeuten, dass sie das halruuanische Volk verraten hat. Matteo sieht sich konfrontiert mit einem großen Konflikt: Zu entscheiden, ob ihm das Wohlergehen Halruaas, die Loyalität zu seinem König oder aber die Liebe zur Wahrheit am nächsten stehen. Tzigone währenddessen wurde in das Reich der Finsteren Feen gezogen, wo sie quälenden Illusionen schutzlos ausgesetzt ist. Gleichzeitig aber geben ihr diese Illusionen Aufschluss über das Schicksal ihrer Mutter und die Wege, wie dieses und ihr eigenes Schicksal mit dem von Kiva oder Dhamari Exchelsor verflochten ist. Kiva hat sich auf die Seite des zurückgekehrten Nekromanten Akhlaur geschlagen und gemeinsam mit ihm versucht sie das halruaanische Reich endgültig ins verderben zu stürzen.
Der dritte Teil der Trilogie ist besonders der Aufklärung gewidmet. Die Schicksale der Protagonisten, sowie ihre Beziehungen zueinander, zur Geschichte und zum Schicksal des Reiches Halruaa werden entwirrt. Und das ist durchaus eine Aufgabe! In den ersten beiden Bänden ist es der Autorin gelungen, ein äußerst weitverzweigtes Netz von Verbindungen zwischen den Charakteren aufzubauen, bestehend aus Politik und Intrige, aus Verpflichtungen, Freundschaft und Liebe. In diesem abschließenden Teil werden die weißen Flecke gefüllt. Er beschäftigt sich zu einem guten Teil mit der Vorvergangenheit der Charaktere, besonders die Geschichte Tzigones, die bisher zu einem Gutteil aus Mutmaßungen bestand, wird jetzt erhellt.
Trotz all dem Abdriften in die Vergangenheit, die es den Charakteren wie den Leserinnen gleichermaßen erlaubt, die Gegenwart besser zu verstehen, hält die Zukunft noch einiges an Spannung bereit: die Schlacht ist zwar gewonnen, doch dass sie überhaupt stattgefunden hat, hat gezeigt, dass Halruaa verletzlich ist. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis andere diese Verletzlichkeit wahrnehmen und Halruaa endlich in den Abgrund stürzen, aus dem es sich einst erhoben hat. Wird es Kiva und Akhlaur gemeinsam gelingen, dem Reich Halruaas das Verderben zu bringen? Ist Königin Beatrix nun eine Verräterin an ihrem Volk oder ist sie es nicht? Und, was hat das geheimnisvolle Herz Halruaas mit alledem zu tun?
So wie die ganze Trilogie ist auch dieser letzte Band sehr spannend geschrieben und er zieht seine Spannung vor allen Dingen aus der Verknüpfung der Schicksale sehr unterschiedlicher Charaktere und ihrer Motivationen. Die Charaktere sind sehr farbig dargestellt, es fehlt ihnen nicht an Tiefe, sie müssen sich mit Konflikten auseinandersetzen und selbst herausfinden, wodurch ihr Schicksal beeinflusst wird. Durchaus kein Buch, um es 'mal eben so nebenbei' zu lesen. Die vielfachen Verknüpfungen der Charaktere so wie das häufige Wechseln von Schauplätzen und Zeiten verlangen nach Aufmerksamkeit. Gleichzeitig macht es auch Spaß zusammen mit den Charakteren die Geschichte nur Stück für Stück erhellt zu bekommen und mit ihnen zu rätseln und zu zweifeln, welcher Schritt wohl der richtige ist und, ob eine andere Person ihnen wohlgesonnen ist oder sie für ihre Pläne nur missbrauchen will.
Leider trägt die wirklich schlechte Übersetzung nicht unbedingt dazu bei, das komplizierte Netz aus Beziehungen zu verstehen. Fast durchgehend kann man die englische Satzstruktur erahnen, die aufzubrechen der Übersetzer sich leider nicht die Mühe gemacht hat. Zusammen mit abgehackten Satzkonstruktionen und fehlenden Verben kommt zum Rätseln über den Inhalt des Buches oft noch das Rätseln darüber, was dieser oder jener Satz wohl aussagen soll.
Alles in allem ist es ein wirklich spannendes Buch, das einen gelungenen Abschluss und Höhepunkt der Trilogie darstellt und die Leserin in eine zauberische Welt aus den vergessenen Reichen entführt, in der die Magie so gegenwärtig ist, dass jede Gänsemagd ein paar Sprüche wirken kann. Lediglich die Übersetzung kann das Lesevergnügen trüben, sodass jeder englischkundigen Leserin angeraten sei, das Buch im Original zu lesen.
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