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Heroes of the Storm - Sword of the Great King
Von Martin Wagner

Rezension erschienen: 12.01.2014, Serie: Rollenspiel, Autor(en): Mika Pohjola, Verlag: Tactic, Seiten: -, Erschienen: 2013, Preis: ca. 25€


Wird der deutsche Rollenspielmarkt der letzten Jahre betrachtet, dann scheint es so, als würden nicht mehr nur erfahrene Rollenspieler sondern auch Neulinge immer mehr bedient. Der Rollenspielnachwuchs, egal welchen Alters, denn für den Einstieg in das Hobby ist man nie zu alt, scheint bei den deutschen Verlagen immer mehr in den Fokus zu rücken. International scheint das aber weniger der Fall zu sein, denn die bekannten Verlage bringen "nur" neue Editionen alter Systeme heraus oder eher Rollenspiele für erfahrene Spieler.

Eine Ausnahme ist jetzt ausgerechnet der finnischer Spieleerfinder Mike Phjola mittels Indiegogo, eine internationale Crowdfunding-Plattform, ein Spiel für Anfänger zuerst in finnisch und nun in englischer Übersetzung veröffentlicht. Gefunden habe ich das Rollenspiel in der englischen Übersetzung mit dem Titel "Heroes of the Storm – Sword of the Great King" an einem Stand auf der Spiel 2013 in Essen und ohne lange zu zögern zugegriffen.

Der erste Eindruck ist wirklich gut, denn die Box ist stabil, scheinbar gut gefüllt und vom Cover her sehr ansprechend, auch wenn es vielleicht einen Hauch zu düster wirkt für jüngere Rollenspielanfänger.
Der Blick in die Box offenbart dann einen Satz Würfel, sechs Stück, vom W4 bis zum W20, ein Buch für die Spieler und noch eines für den Spielleiter, eine Karte der Spielwelt und einige Charakterbögen.
Der erste genauere Blick fällt natürlich auf die Karte, man ist da neuerdings ja wirklich verwöhnt. Tatsächlich ist man von der Karte etwas enttäuscht, wobei sie keinesfalls schlecht, aber eben nicht so gut wie manch andere Karten in Rollenspielen ist. Man kann sie definitiv verwenden und hat einige Anlaufpunkte und auch einige spontane Abenteuerideen, etwas wenn man den großen Turm ohne Namen und die Tempelruine sieht.
Der zweite Blick fällt auf den Charakterbogen. Übersichtlich, was für Anfänger gut ist, aber wenig ansprechend, obwohl versucht wurde mit geometrischen Formen bei den sekundären Attributen für einen Blickfang zu sorgen. Auf den zweiten Blick ist das aber doch gar nicht so schlecht, denn die Formen machen wirklich Sinn und passen zum Attribut und sorgen so dafür, dass man den Wert für die Probe schnell finden kann. Auch die farbliche Einteilung der Lebens- und Balancepunkte, dazu später mehr, ist nützlich und hilft beim Spielen ungemein. Manchmal überzeugen einen die Dinge erst auf den zweiten Blick.
Jetzt ist Zeit für die beiden Bücher und natürlich die Regeln. Die Bücher sind nicht gebunden sondern nur an zwei Stellen getackert, wie man es von Zeitschriften kennt. Das ist nicht schlecht, kann doch deswegen der Preis gedrückt werden und für die zwei Bücher mit nur jeweils etwas mehr als fünfzig Seiten ist das auch völlig ausreichend.

Das Spielerhandbuch ist meine erste Wahl und mir fällt gleich positiv die Entscheidung auf das Buch vollfarbig zu drucken. Das Inhaltsverzeichnis ist, was bei der Seitenanzahl nicht anders zu erwarten ist übersichtlich und verspricht doch alles, was man zum Spielen benötigt. Den Anfang macht dann aber Mike Pohjola selbst, in dem er im Vorwort die Leser begrüßt und ihnen gleich erzählt, um was es in diesem Spiel geht. Es folgt ein Prolog, der in das Land Nathar einführt und gleichzeitig als kleines Soloabenteuer als Einstieg ins Regelwerk fungiert und die Würfelmechanik, W20+Bonus je nach Höhe des Attributs gegen einen Schwierigkeitsgrad, erklärt.
Im Anschluss an diesen Prolog folgt ein knapper Abriss der Gegebenheiten in Nathar, die sehr an die Geschichte Robin Hoods erinnern, und die Vorstellung der Attribute, sowie die Vorstellung der Würfel. Die Attribute sind nicht neu, aber absolut passend für ein Fantasysetting, Geschick, Stärke und Intelligenz finden sich ebenso darunter wie Ausdauer, Instinkt und Macht. Außer Macht erklärt sich alles von selbst und Macht ist soviel wie eine Mischung aus Einfluss und Magie. Sind die Grundlagen erläutert, geht es ans Eingemachte.
Die Charaktererschaffung, Klassen, Waffen und Rüstungen und Schwächen werden auf 22 Seiten mit passenden einseitigen Bildern vorgestellt. Die Charakter entstehen fast von selbst, da man eigentlich nur eine Klasse auswählen, die Attribute auswürfeln, sekundäre Attribute berechnen beziehungsweise aus dem Buch auf den Bogen übertragen, eine oder zwei heroische Fähigkeiten oder Zauber bestimmen und eine Schwäche auswählen braucht. Die Klassen sind gut gewählt und bieten neben den altbekannten Kriegern, Zauberern, Elfen und Waldläufer auch eher exotische Wahlmöglichkeiten, den Schweinehirten, der schon in vielen Romanen zum Helden wurde, zwei eigene Rassenkreationen, den Whiskerling, eine Mensch-Tier-Kreuzung, die irgendwie an Eichhörnchen und Fuchs erinnert und garantiert viele Spieler finden wird, und den Stahlo, riesige trollähnliche Wesen, die sicherlich auch ihre Anhängerschaft erhalten werden. Sehr gelungen finde ich bei den Klassen sowohl die allgemeine Beschreibung als auch die Nennung einiger bekannter Figuren aus Romane und Filmen, die die jeweilige Klasse repräsentieren und einige Namensvorschläge. Die Klassen sind ausgewogen und sorgen, bei passender Kombination für tolle Spielrunden. Waffen und Rüstungen müssen nicht gesondert erwähnt werden und auch die Schwächen sind nicht unbekannt, geben den Charakteren aber wirklich Tiefe und führen zu Rollenspiel. Die heroischen Fähigkeiten sind breit gefächert, die meisten bringen Vorteile im Kampf, andere bei Geschicklichkeitsproben oder beim kampieren. Die Zauber sind passend für Anfänger, einen Wunschzauber oder einen Zauber der sofort tötet sucht man vergebens, Zauber der Heilung, Verbesserungszauber und natürlich einige andere Zauber sind aber vorhanden und die reichen auch aus.
Die Regeln folgen und sie sind wirklich simpel und machen Lust auf das Spielen des Rollenspiels, denn eigentlich muss man nur eines wissen: Man nimmt einen Würfel, addiert einen Bonus und vergleicht gegen einen Schwierigkeitsgrad oder beim Kampf gegen den Verteidigungswert des Gegners, der durch die Attribute und den Rüstungswert vorgegeben ist. Schaden macht man je nach Waffe entweder als Trefferpunkte oder als Schaden auf den Balancewert, der so etwas wie der Ausdauerwert ist. Es finden sich noch zusätzliche Informationen zum Schleichen und Verstecken und zum Kampieren, aber auch hier gelten dieselben Regeln.
Zu erwähnen ist noch die Regelung des Stufenaufstiegs und der Erfahrung. Diese erhält man zum Teil durch Abenteuer und zum Teil auch durch das clevere Einsetzen von heroischen Fähigkeiten. Letzterer Einsatz führt dazu, dass die durch Abenteuer gewonnene Erfahrung umgewandelt werden kann, was zum Stufenaufstieg führt, der neue Fähigkeiten und eine Verbesserung der Werte mit sich bringt.
Den Abschluss des Spielerhandbuches bildet eine Reihe von Nichtspielercharakteren und Handouts für die Spieler ohne Informationen.

Der nächste Blick gilt dem Handbuch des Spielleiters. Nach einer kurzen aber gelungenen Vorstellung der Aufgaben des Spielleiters mit einigen Tipps, folgen einige Regeln und Tabellen für Reisen, Begegnungen und Nahrungssuche in Nathar sowie die Vorstellung eines Händlers und seiner Waren.
Anschließend erhalten der Spielleiter und die Spieler Material für viele Spielabende, denn es folgt eine Kampagne in sechs Episoden mit recht offenem Ende, in der die Spieler nicht nur das System und die Welt genauer kennenlernen, sondern auch das Schwert des großen Königs finden müssen, um die Welt und das Königreich vor bösen Mächten zu beschützen. Die einzelnen Episoden bieten alles, was man in einer Welt erwartet, in der Magie, Räuber, korrupte Krieger und ein grausamer Herrscher ihr Unwesen treiben. Kurzum, die Kampagne ist gut und eine gelungene Mischung aus Fantasy und Robin Hood. Letzteres ist am Anfang mehr als deutlich, aber genau das ist auch gut für Anfänger, denn die können dann locker einsteigen, und gegen Ende, wenn die Spieler erfahrener sind, überwiegt dann der Fantasyanteil.
Das alles klingt sehr überzeugend, ist aber noch nicht alles, denn bisher habe ich noch nichts über das gelungene Lektorat und Korrektorat, die wirklich tollen und äußerst ansprechenden Illustrationen und das richtig gute Layout gesagt, das die Bücher und damit das gesamte Anfängerrollenspiel perfekt abrundet. Mike Pohjola und die Crowdfunder haben alles richtig gemacht und vielleicht dafür gesorgt, dass neue Rollenspieler und vor allen Dingen jüngere Rollenspieler das beste Hobby überhaupt, ich weiß, dass das nicht sehr objektiv ist, für sich entdecken.

Fazit: "Heroes of the Storm – Sword of the Great King" von Mika Pohjola ist ein tolles Rollenspiel für Anfänger mit dem besten aus bekannten Rollenspielen und gelungenen neuen Dingen. Eine interessante Welt, in der man schon mit der Box eine tolle Kampagne mitgeliefert bekommt und natürlich alles andere, was man zum Spielen benötigt außer der Fantasie. Die wird aber dank der tollen Beschreibungen, der Bilder und auch dank einiger Tipps und Tricks schnell geweckt. Suchen und zugreifen!




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