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Theomachie
Von Martin Wagner

Rezension erschienen: 27.12.2013, Serie: Gesellschaftsspiele, Autor(en): Jakub Wasilewski, Adam Kwapinski und Tomasz Bylina, Verlag: Historical Games Factory, Seiten: , Erschienen: 2013, Preis: 39,95


Crowdfunding für Brettspiele erfreut sich in der letzten Zeit sowohl bei Verlagen als auch bei Fans großer Beliebtheit. Die Verlage können durch die Unterstützung der Spieler besser planen und auch die Spieler selbst können über die Zukunft ihres Hobbys mitentscheiden. Das klingt nach einer Win-Win-Situation und in fast allen Fällen, also in den Fällen, wo die zeitlichen Abläufe passen und die Unterstützer auch bekommen, was sie unterstützt haben, ist es das auch.

Ein recht aktuelles Crowdfunding-Projekt für den deutschsprachigen Raum ist das Spiel "Theomachie" der Historical Games Factory unter Unterstützung des polnischen Verlages Fundacja Niepodleglosci. Der Name des Spiels ist dabei Programm, denn darin treten zwei bis vier Spieler in die riesigen Fußstapfen von Göttern, die auf Kosten ihrer Gläubigen gegeneinander kämpfen. Der Kampf wird dabei mit Elementen, Gebeten und Mythen in Kartenform geführt und entschieden.

Der erste Eindruck ist durchaus gelungen, denn das Spiel kommt in einer düsteren Box daher, deren Rückseite den bereits erwähnten Kampf verspricht aber auch, bis auf ein paar Kartenbilder, nicht zu viel preisgibt.
Umso überraschter ist man dann, wenn die Box geöffnet wird und nicht nur viele Marker mit verschiedenen Symbolen auftauchen sondern auch viele Karten in zwei verschiedenen Größen. Für die kleineren Karten (normale Kartengröße verglichen mit anderen Spielen) und auch für die größeren Karten gilt vorweg schon eines: Die Illustrationen sind absolut gelungen und machen Lust auf das Spielen, damit man diese Karten auch mal in Action sieht.
Betrachten wir erst einmal die großen Karten. Zwölf gibt es davon, aufgeteilt in vier Pantheons mit jeweils drei Göttern. Als Pantheons stehen das griechische, das germanische, der persische und das keltische zur Verfügung und es wurden jeweils die bekanntesten Götter für das Spiel ausgewählt. So finden sich zum Beispiel die Göttinnen Ishtar, Danu, Athene und Morrigan sowie die Götter Thor, Poseidon, Marduk und Cernunnos darunter. Diese Gottheitskarten sind wichtig für das Spiel. Neben dem Namen und der Pantheonzugehörigkeit finden sich darauf nämlich auch Fähigkeiten und Wünsche. Die Fähigkeiten sind Boni, die der Spieler der Gottheit zu Beginn des Spiels oder in jeder Runde erhält, während die Wünsche den Spielern bei Erfüllung den Erhalt von Wundermarkern ermöglichen. Diese Marker kann man gegen Mythenkarten mit speziellen Effekten für das Spiel erwerben.
Damit ist das Spiel selbst aber noch nicht erklärt. Das geht aber recht schnell, wobei die Anleitung, die nicht immer sehr deutlich ist und erst nach mehrmaligem Lesen verstanden wird, dabei nicht sehr hilfreich ist. Das Spiel basiert auf der beliebten Poker-Variante Texas Hold'em, wobei die Elementkarten die Karten sind, die in der Mitte des Tisches liegen und als Pokerkarten für alle fungieren. Fungieren ist dabei vielleicht etwas missverständlich, denn die Karten zeigen keine Bilder und keine Zahlen sondern nur jeweils eines von vier Elementen, die üblichen vier, und zwischen einem und drei Symbolen, Ordnung oder Chaos. Mithilfe dieser Karten, also den Elementen und den Symbolen, die sie zur Verfügung stellen, von denen in der ersten Runde drei aufgedeckt und dann jeweils nach einer Bietphase, in der Gläubige gesetzt werden, jeweils eine weitere aufgedeckt wird, bis fünf Karten offen liegen, können die Spieler Gebetskarten ausspielen, die in der Kampfphase wichtig sein können. Gebetskarten kosten Elemente und Ordnung- oder Chaossymbole und können nur gespielt werden, wenn genügend Symbole und Elemente zur Verfügung stehen. Fehlt ein Element, kann man von der Hand auch Machtkarten spielen. Machtkarten wirken wie Elementkarten und zeigen Elemente und Symbole des Chaos oder der Ordnung. In der Kampfphase treten die Spieler mit ihren Göttern, deren Gläubigen und deren Machtkarten gegeneinander an. Der Spieler mit den meisten Gläubigen gewinnt, erhält seinen Einsatz zurück und zusätzlich dazu noch weitere Gläubige, je nach Art des Erfolges.
Die Gläubigen habe ich bisher etwas vernachlässigt. Es gibt drei Arten: normale Gläubige, die einen Kraftpunkt liefern, Priester, die fünf Kraftpunkte liefern und Propheten, die ganze zehn Kraftpunkte liefern. Die unterschiedlichen Gläubigen sind nicht nur für das Bieten wichtig sondern auch für die Wirkung von einigen Machtkarten, die zum Beispiel nur dann wirken, wenn ein Priester geboten wurde oder ein Prophet.
Ist die Kampfphase vorbei und der Gewinner hat seine Gläubigen erhalten, können die Spieler mit Gläubigen noch neue Gebetskarten und Mythenkarten kaufen, bevor die nächste Runde beginnt.
Das Spiel dauert solange, bis nur noch ein Gott Gläubige besitzt und dieser ist dann der Gewinner von Theomachie. Soviel zum gelungenen Spiel selbst und den Gewinnvoraussetzungen.
Noch besser ist aber die Idee des Spielaufbaus. Schon viel gesagt wurde über die Gebetskarten, die man kaufen kann und die man, will man gewinnen, auch spielen muss. Genau deshalb benötigt man einige dieser Karten schon in der ersten Runde des Spiels. Diese erhält man in einem simplen aber doch durchdachten System in der Deckbauphase. "Deck" meint dabei den Zugstapel, von dem man in jeder Runde seine Handkarten neu zieht. Je nach Anzahl der Spieler werden zwischen drei und fünf Karten zufällig gezogen. Eine Karte darf man sich aussuchen, die restlichen Karten gibt man weiter. Von diesen neu erhaltenen Karten sucht man sich dann wieder eine Karte aus und gibt die restlichen Karten weiter. Ist nur noch eine Karte übrig, werden erneut drei bis fünf Karten gezogen und wieder ausgewählt. Hat jeder Spieler zwölf Karten auf der Hand, wählt er davon acht aus, die dann im Spiel sein Deck bilden. Die Auswahl erfolgt dabei zum einen auf Basis der Gebetskarten, zum anderen aber natürlich auch auf Basis der Gottheitskarte, denn die Gottheitskarten fordern und fördern unterschiedliche Gebetskarten und damit auch unterschiedliche Spielstrategien.

Spielaufbau, Spielablauf und die Grundidee dahinter mit den unterschiedlichen Karten, insbesondere den Gottheitskarten, sorgen für ein Spiel, bei dem eine Partie so gut wie nie einer anderen gleicht. Dazu kommen die tollen Texas Hold'em-Mechanismen, der aktuell beliebtesten Poker-Variante, und natürlich die absolut gelungenen Bilder, die für eine passende Spielatmosphäre sorgen und vor allen Dingen die weniger gelungene Anleitung vergessen machen. Mehr kann man bei einem Spiel nicht richtig machen und glücklicher könnten die Crowdfunder und der Verlag nicht darüber sein, dass dieses Spiel das Licht der Welt erblickt hat und deswegen nun auch anderen zur Verfügung gestellt werden kann.

Fazit: "Theomachie" ist ein gelungenes Spiel mit tollen Spielmechanismen, unter anderem der Poker-Variante Texas Hold'em, und tollen Bildern, die zum Anschauen und natürlich zum Spielen einladen. Wer ein Spiel spielen will, in dem Götter mit Gläubigen als Einsatz spielen und dabei ihre Macht aus den Elementen und der Ordnung und dem Chaos ziehen, der macht hiermit alles richtig und wird viel Spaß damit haben. Ich hoffe sehr, dass in einer Erweiterung neue Götter und vor allen Dingen eine offizielle Variante für fünf und sechs Spieler folgen.




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