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Key of Z
Von Nils Rehm

Rezension erschienen: 03.01.2014, Serie: Belletristik, Autor(en): Claudio Sanchez und Chondra Echert, Verlag: Cross Cult Verlag, Seiten: , Erschienen: 2013, Preis: 18,00 EUR


Dank der geblockten Ausstrahlung der ersten drei Staffeln von "The walking Dead" auf RTL2 stehen Zombiegeschichten wieder im Fokus des allgemeinen Interesses. Die vierte Staffel macht gerade Winterpause. Da trifft es sich gut, dass mit Key of Z ein guter Ersatz erschienen ist. Das Comic stammt von Claudio Sanchez, Frontmann der Band "Coheed and Cambria", der zusammen mit seiner Ehefrau Chondra Echert für das Comic verantwortlich zeichnet. Beide haben für einige Parallelen zu "The walking Dead" gesorgt:
Eine Epidemie hat dafür gesorgt, dass die Toten als hungrige Zombies in Massen wieder unter den Lebenden wandeln - und sie reagieren auf Geräusche.
New York, Ort der Handlung, wurde überrannt. Die wenigen Überlebenden zogen sich in Sportstadien (ihre Festungen) zurück und bildeten neue, vom Recht des Stärkeren geprägte Formen des Zusammenlebens aus. Gangs haben sich gebildet, die ihre Rivalität brutal austragen.

In dieser Welt bewegen sich die beiden Protagonisten Alvarez und Ewing. Alvarez, noch mehr Jugendlicher als Erwachsener, hat eigentlich eine ruhige Stellung in der Lagerverwaltung seiner Gang. Als aber sein älterer, wegen seiner Brutalität geachteter und gefürchteter Bruder stirbt, wird er immer häufiger schikaniert. So zwingt man ihn, als Läufer zu arbeiten, also als Sammler die Ruinen nach brauchbaren Gegenständen (Waffen, Lebensmittel, ...) zu durchforsten. Auf einem dieser wegen der Zombies und rivalisierender Gangs äußerst gefährlichen Trips trifft er auf Ewing, der ihm gleich das Leben rettet. Der verbitterte Mann hat seine Frau und sein Kind auf grausame Art verloren und zieht seither als Einzelgänger durch die Straßen. Die von seinem kleinen Sohn als Geburtstagsgeschenk für ihn ausgesuchte Mundharmonika verleiht ihm eine einzigartige Fähigkeit: Er kann wie der Rattenfänger von Hameln Trauben von Zombies mit dem Klang seines Instrumentes in seinen Bann ziehen.

Das Comic erzählt größtenteils die spannende Geschichte der beiden, die sie nach ihrer Zusammenkunft erleben. Eingestreut sind einige Rückblenden, die dabei helfen, die Hintergründe der beiden Hauptcharaktere zu verstehen. Am Ende haben sich die Autoren die Möglichkeit offen gehalten, eine Fortsetzung zu schreiben. In einem Fernsehinterview fällt auch die Bezeichnung "Beginn einer Serie", ohne dass dies dementiert wird.
Im Vergleich zur Filmserie "The walking Dead" können die Charaktere natürlich nicht so fein schattiert dargestellt werden. Unrealistisch oder zu grob wirkt Key of Z hierbei trotzdem nicht. Ewing redet charakterbedingt kaum über seine Ideen und Pläne - geschweigedenn Gefühle - und Alvarez fehlt altersbedingt die Erfahrung, so dass er eher vorschnell handelt, als dass er sich erklärt. Beide leben zudem in einer Welt, in der man eigentlich niemandem vertrauen sollte.
Einzig ungewöhnlich - aber nur, wenn Key of Z tatsächlich ein Einzelcomicband bleibt - erscheint die Nutzung der Mundharmonika. Sie spielt eher am Rande eine Rolle. Der Leser wartet eigentlich bis zum Ende, dass sie der Schlüssel zu einer dramatischen Wendung wird, die dann aber schließlich doch mit ganz anderen Mitteln erreicht wird.

Der Zeichenstil von Aaron Kuder (coloriert von Charlie Kirchhoff) passt sehr gut zu der Geschichte. Er schafft die gewünschte bedrohliche Atmosphäre, ohne dabei lächerlich oder befremdlich zu wirken. Dabei sind die Bildfolgen so arrangiert, dass sie wie die Kamerafahrten eines Films wirken. Manchmal kommen sie auch ohne Text aus und transportieren dennoch gekonnt ihre Aussagen.

Neben dem eigentlichen Comic bietet Key of Z noch ein paar Extras: Eine Covergalerie, Auszüge aus einem Skizzenbuch, ein paar Seiten aus Ewings Tagebuch und schließlich ein Interview mit Autor Claudio Sanchez.

Fazit: Key of Z weckt Heimatgefühle für Freunde der Serie "The walking Dead", präsentiert aber eine eigenständige, spannende und gut graphisch umgesetzte Geschichte. Man muss also keine Angst haben: Hier werden keine simplen Variationen verabreicht. Das Comic macht Lust auf mehr, dem die Autoren hoffentlich nachkommen werden.




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