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Chew - Bulle mit Biss 6: Space Kekse
Von Christoph Schubert

Rezension erschienen: 07.08.2013, Serie: Comics, Autor(en): John Layman, Rob Guillory, Verlag: Cross Cult Verlag, Seiten: 140, Erschienen: 2013, Preis: 16,80 €


Das Wichtigste vorab: Tony Chu spielt in diesem Comic keine Rolle. Der Gute vegetiert nach dem äußerst unschönen Zusammenstoß mit dem Ex-Lover seiner Liebsten zwar im Krankenhaus vor sich, hat diesmal aber fast nicht einmal eine Sprechrolle. Diesen sechsten Band der allseits beliebten Höllenfahrt durchs Wunderland der absurden Skurrilitäten, müssen diesmal andere bestreiten.

Ein Glück, dass es an Namensvettern nicht mangelt. Da wäre zum einen Tony Chus Schwester Toni Chu und sein Bruder Chow Chu, die zusammen einem Künstler auf der Spur sind, der Gemälde anfertigen kann, die schmecken, wie sie aussehen. Ein wunderbarer Weg an die so leckeren Geschmackserlebnisse zu kommen, die seit der Verbannung jeglichen Hühnchenfleisches zu Sehnsüchten verdammt sind. Dabei stoßen sie allerdings auf eine noch widerliche Kreation, die sich ihren Weg auf dem Lebensmittelmarkt bahnen möchte.

Der zweite Teil ist eine Hommage an die glorreichen Tage des mexikanischen Wrestlings, die in neuerer Zeit durch keinen anderen als den Kampfhahn POYO repräsentiert werden. Zusammen mit Halb-Cyborg John und Doppelagenten Caesar geht es sprichwörtlich in die Hölle und zurück - Heldentaten ungezügelter Hähnchen-Ekstase, Frikassee aus den tödlichen Klauen eines Höllenhahns, Kikeriki-Kamikaze-Kuddelmuddel, das nur eines übrig lässt: Rote, breiige Masse, schön untermalt mit genretypischen, großformatigen Devotionalien.

So muss man sich abschließend fragen, um was es jetzt im Buch eigentlich geht. Wie jeder Band ist auch dieser sechste ein Kleinod filigraner Erzählkunst, immer nah am roten Faden, aber nie wirklich drauf. Vor allem kommt langsam Licht in die dunklen Beweggründe des "Vampirs", der uns schon eine ganze Weile begleitet, während eine Menge Hintergründe zu Tonys Schwester und dem Agenten Caesar offenbart werden.

Zeichnerisch ist der Band wie immer erste Sahne - es gilt wirklich jeden noch so kleinen Fitzel Geschriebenes zu lesen, und sei es nur eine abstruse Notiz, die kopfüber im Krankenhaus von der Decke hängt. Fantastisch, wie viel Detailarbeit Autor und Zeichner hier investieren.

Fazit:
Weiter, immer weiter mit Bleifuß auf der absurden Reise! Doch langsam schwant es dem Leser, dass der Aufprall richtig böse wird, denn die Bremsen haben längst versagt. Nach diesem Band wird es Gewissheit: Das ist bereits ein Höllenritt, eine Fahrt mit 180 Sachen durch die Fußgängerzone, ohne Rücksicht auf Frauen, Kinder oder kleine Hunde. Genießt noch die Geschwindigkeit und blickt bloß nicht aus dem Fenster.




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