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30 Days of Night 1: Die Barrow-Trilogie
Von Christoph Schubert

Rezension erschienen: 09.07.2013, Serie: Comics, Autor(en): Steve Niles, Verlag: Cross Cult Verlag, Seiten: 400, Erschienen: 2012, Preis: 35


Es ist immer eine Freude, wenn sich alte Weisheiten bewahrheiten. Eine davon lautet, dass fürchterlichen Filmen oft gute Bücher zugrunde liegen. Als Cross Cult den monumentalen Wälzer 30 Days of Night – Die Barrow-Trilogie herausbrachte, durchzuckte es den Autor dieser Zeilen. Der Film war nicht mehr als ein einziges Gemetzel mit kleinen Schockeffekten, einer lieblos dahin geworfenen Story und ein paar Darstellern mit zweifelhaften Motiven für die absolut hanebüchenen Taten, um vor einer Horde Vampire zu flüchten.
Wo das Comic diesen Kern natürlich auch behandelt, bringt es doch weitaus mehr Spannung und Hintergründe in die Geschichte, die 30 Days of Night sauber abrunden und erst den nötigen Respekt verschaffen.

Natürlich dreht sich das Buch um die kleine Stadt Barrow in Alaska, die im Winter 30 Tage lang bittere Dunkelheit ertragen muss. Diesen Umstand nutzt eine Gruppe von Vampiren, um sich endlich nicht mehr vor der Menschheit verstecken zu müssen und ihrer Gier nach Blut nachzugehen. Das ist aber nur die halbe Wahrheit. Denn wo der Film aufhört, geht das Buch erst richtig los.
Es erzählt im zweiten Teil, wie die Frau des Sheriffs, welcher sich selbst zum Vampir machte, um den Ort zu retten, eine Gruppe von Kämpfern um sich scharrt, um den Untoten den Kampf anzusagen. Parallel dazu arbeitet ein zweiter Zirkel daran, durch Filmdokumente die Existenz von Vampiren zu belegen und der Öffentlichkeit preiszugeben. Der Ort Barrow spielt hier keine große Rolle.
Der dritte Teil spielt dann wieder in der Stadt, wo alles begonnen hat. Die Vampire wollen Barrow ein für alle mal vernichten und so die Schmach tilgen, die sie dort erlitten haben. Die Bewohner sind jedoch längst keine Angsthasen mehr und haben mächtig aufgerüstet. Des Weiteren finden sich auch unter den Vampiren Widersacher, die dieser Revanche nicht untätig zusehen wollen.
Es endet, wo es begonnen hat, mitten in Alaska, mitten in der Dunkelheit in eisiger Stille.

Optisch besticht das Buch durch einen sehr eigenen Stil. Die Bilder sind eine Mixtur aus Fotomontage und Risszeichnung. Der Großteil der Panels ist dunkel und unscharf – dies veranschaulicht sehr gut die Ödnis Alaskas und wirren Schemen in der verschneiten, stürmischen Dunkelheit. Umso farbgewaltiger wird es, wenn Schüsse fallen und Blut fließt.
Blut ist zugleich das Stichwort, denn davon gibt es eine ganze Menge. Hektisch dahin gezeichnete Zähne und Klauen fliegen über die Seiten und so manches Panel wirkt, als ob jemand das Buch mit einer Dose Tomatenmark bearbeitet hätte.
Hektik und Panik mit wirren Grafiken bilden einen verstörenden Gegenpart zu den ruhigen, oft großflächigen Panels, in denen Untote die Lage sondieren, ihre Zähne fletschen und einfach nur grässlich aussehen. Chapeau, diese Fototechnik bringt tote Augen richtig gut zur Geltung – Gänsehaut garantiert!

Fazit: Dieser Ziegelstein von einem Comic ist vor allem ein optisches Meisterwerk. Die Geschichte an sich ist besser als der Film, jedoch nicht so außergewöhnlich, wie man es sich nach 400 Seiten wünscht. Trotzdem wird durch das Setting ein ganz wundervoller Grusel erzeugt – selbst für Hartgesottene.




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