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Schwarze Segel - Rose der Unsterblichkeit 2 (Epub)
Von Philipp Kiefner

Rezension erschienen: 26.07.2013, Serie: Belletristik, Autor(en): André Wiesler, Verlag: Ulisses Spiele, Seiten: 280, Erschienen: 2013, Preis: 11,95


Mit Schwarze Segel ist der zweite Teile der DSA-Romanreihe Rose der Unsterblichkeit rund um die Entdeckung Uthurias von André Wiesler erschienen. Nach einem sehr manierlichen Start im Vorgängerband Schwarze Perle waren die Erwartungen hoch, denn schließlich geht es ja um nichts weniger als die Entdeckung eines neuen Kontinents, ein Meilenstein in der Aventurischen Geschichte.

Doch so schnell lässt der Autor die Leser nicht vom Haken und man muss sich erst durch eine längere, actionlastige Reisepassage arbeiten, bis es dann endlich heißt "Land in Sicht". Natürlich beginnen die Probleme nun erst so richtig. In einer alten Ruinenstadt, die ebenso unprätentiös wie undemokratisch Porto Velvenya getauft wird, entsteht nach und nach die erste Kolonie auf uthurischem Boden. Die Besiedelung und Erforschung der Stadt beschreibt das Buch aber eher en passant, ohne tiefere Auseinandersetzung mit den großen Anstrengungen, die solche Schritte erfordern. Viel mehr wendet sich die Handlung schlaglichtartig den zahlreichen Protagonisten zu, die jedoch nicht mehr ganz so frisch wirken, wie im ersten Buch. Schade eigentlich, denn eine mysteriöse Stadt einer längst untergegangenen Kultur hätte mehr Beachtung verdient. Die einzige entsprechende Passage dient aber recht plump dazu ein Artefakt als späteres Handlungselement in die Geschichte einzubringen. Insgesamt will einfach keine richtige Entdeckerstimmung aufkommen. Das liegt hauptsächlich an der Ignoranz der Handelnden gegenüber ihrer Umwelt. Eine Seuche bricht aus. Na und? Der Grund dafür scheint allen egal zu sein. Wer hat die Stadt erbaut und warum wurde sie verlassen? Was es mit den Klopferspinnen auf sich? Und was entdecken die ersten Expeditionen ins Umland? Leider komplette Fehlanzeige. Der Fokus liegt dafür eher auf inneraventurischen Zwistigkeiten, den Gedankengängen der Protagonisten sowie Liebes- und Kampfszenen. Gerade letztere gibt es zu Hauf, was vor allem an den immer aggressiver werdenden Eingeborenen liegt und natürlich auch an den Feinden im Inneren. Man munkelt es seien finstere Paktierer, gottlose Gesellen und allerlei Saboteure und Spione fremder Mächte im Gefolge der Expedition nach Uthuria gekommen...

Um Schwarze Segel nicht Unrecht zu tun, die Handlung ist unterhaltsam, flott und durch die geheimen Gegenspieler auch spannend. Jedoch fehlt das Exotische, das gewisse Etwas, welches den Unterschied zwischen Aventurien und Uthuria ausmachen sollte. Unbekannte Geräusche, Farben oder Gerüche, die eine beklemmende Atmosphäre unter dem Blätterdach eines fremden Dschungels erzeugen, das wäre der Stoff eines Entdeckerromans. Darüber hinaus hätte eine stärkere soziale Komponente dem Roman etwas mehr Tiefgang verliehen. Wie reagieren die Eingeborenen auf den Erstkontakt, wie verhalten sie sich, als die ersten Überfälle der Sklavenjäger beginnen und was machen die Sklaven aus der alten Welt? Sehen sie vielleicht hier die Chance auf eine neue Zukunft?
An diesen Dingen sieht man, was aus diesem Roman hätte werden können: Eine Handlung, die sich von der Masse abhebt und weniger Altbekanntes wie die ewigen Streitigkeiten unter den Granden oder Geweihten behandelt. Eine faszinierende Flora und Fauna, wie in den Anfangswerken von Alan Dean Foster oder eine drückende, düstere Szenerie, wie sie beispielsweise bei Karl Edward Wagner zu finden ist, hätten echt gut getan. Hier hingegen werden leider zu oft Klischees bedient oder man vergreift sich bei der Requisitenwahl - Dämonenhai und Seeschlange lassen grüßen.

Zum Abschluss noch ein Kommentar zum Titelbild, das die halbnackte und angemessen wild wirkenden Wahelahe zeigt: Sex sells und außerdem fügt es sich gut zu Alrik, der das Cover des ersten Romans zierte.

Fazit:
Schwarze Segel ist leichte Unterhaltungskost, mit einer etwas gehetzt wirkenden Handlung, viel Kampf und noch mehr Handlungssträngen. Das Buch liest sich ebenso schnell wie flüssig und kann an mancher Stelle überraschen. Insgesamt ist aber der Roman unter seinen Möglichkeiten geblieben. Als kurzweilige Sommerlektüre durchaus empfehlenswert. Wer sich jedoch den längst überfälligen Uthuria-Knaller erhofft hat, wird wohl enttäuscht werden.




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