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Aventurischer Bote #158 (PDF)
Von Volker Thies

Rezension erschienen: 18.06.2013, Serie: Rollenspiel, Autor(en): , Verlag: Ulisses Spiele, Seiten: 40, Erschienen: 2013, Preis: 3,90 EUR


Räuber verprügeln, Jungfrauen oder Burschen befreien, Schätze abstauben: Früher oder später reicht vielen Rollenspielern dieses typische Aufgabenspektrum ihrer Helden nicht mehr. Größere Herausforderungen und damit Ehren sollen her; vorzugsweise ein wohlklingender Adelstitel mit zugehöriger Herrschaft über ein kleines Lehen. Für DSA-Spieler soll eine Regelergänzung die eigene Grundherrschaft bespielbar machen. Der erste Teil dieses Konvoluts unter dem Titel "Der ringende Herr" ist im Aventurischen Boten 158 erschienen.

In diesem Artikel nimmt sich das DSA-Hausmagazin auf rund neun Seiten der wirtschaftlichen Grundlage eines Lehens und der Folgsamkeit der lieben Untertanen an. Das System fußt auf den Basiswerten Bevölkerungsgröße, Berufsverteilung und Qualität des Ackerbodens. Aus ihnen, weiteren Sonderfaktoren und den steuernden Eingriffen des Spielers ergeben sich die Natural- und Bareinnahmen. Auch typische Abgaben, die der Herrscher selbst zu leisten hat, sowie Ausgaben für Militär und Verwaltung werden aufgelistet. Dazu kommt ein grobes System, um die Treue der Bevölkerung und das Verhältnis zu den Nachbarn in Spielwerte zu fassen. An der Baronie Dergelsmund, die DSA-Spieler aus den beiden Wildermark-Kampagnen kennen, wird das neue Lehnssystem durchgespielt und zugleich mit einer stimmungsvollen Beschreibung von Land und Leuten kombiniert.

"Der ringende Herr" ist sicher keine vollständige Wirtschaftssimulation, was die Autoren auch nicht beabsichtigt haben. Das System scheint aber geeignet zu sein, die Lehensverwaltung zügig abzuwickeln. Wer absolute Korrektheit verlangt, wird freilich viel zu mäkeln haben. Man kann sich beispielsweise fragen, warum kein Unterschied zwischen leibeigenen und freien Bauern mit ihrer höchst unterschiedlichen Abgabenstruktur gemacht wird oder warum bei den vorgeschlagenen Modifikatoren nicht beispielsweise auch Klöster auftauchen, die die benachbarte Landwirtschaft erheblich voranbringen dürften. Aber wer so tief in die Simulation eintauchen will, der wird sich sowieso nicht mit dem relativ simplen System anfreunden.

Das längste der drei Abenteuerszenarien im Heft trägt den Titel "Brabakulas Turm". Auf fünfeinhalb Seiten gilt es, einen offenbar verfluchten Magierturm zu erforschen, sich verschiedenen Bedrohungen entgegenzustellen und eine Art Puzzle zu lösen, um schließlich eine geisterhafte Bedrohung auszuschalten.

Dass der Aventurische Bote 158 eine Aprilausgabe ist, merkt man spätestens bei dem Abenteuer mit dem schönen Titel "3W6+X". Damit kann tatsächlich ein Abenteuerplot komplett ausgewürfelt werden. Die angebotenen Bausteine zeugen von einem guten Maß an Selbstironie. So können die Helden auf einer Wanderung bei Gradnochsjepengurken von der allseits verhassten Nahema über den Haufen gefahren werden, danach den Auftrag der Rückeroberung des Svellttals bekommen und als Belohnung die Hand einer Kalifentochter erhalten.

Trotz dieser amüsanten Tabellen ist der Aventurische Bote 158 eine äußerst dezente April-Ausgabe, verglichen mit manchem Vorjahr. Bei den Produktankündigungen fallen zwei Audio-Projekte in die Scherz-Kategorie. Leider werden wir auf André Wieslers Söldner-Mutmach-Lied verzichten müssen. Zur Untermauerung des Aprilscherzes über eine DSA-Aussprache-Datenbank gab es immerhin ein paar kurze Audiodateien im Internet. Dennoch wird die Frage, wie man N'shr Ssha'Khr Ssech korrekt ausspricht, weiter unbeantwortet bleiben.

Ein kleines myranisches Dungeon, das allerdings auf einer sehr wirren Geschichte fußt, zwei Monstren für den Südkontinent Uthuria und ein erster Turnierbericht des neuen DSA-Tabletop "Schicksalspfade" komplettieren den außeraventurischen Teil des Boten.

Aufmacher der zwölf inneraventurischen Seiten ist ein Aufruf der Ingerimmkirche, die dämonische Konkurrenz in den Schattenlanden durch eigene Handwerks-Höchstleistungen zu deklassieren. Dummerweise leidet gerade dieser Text an stilistischem Pfusch; mit dem schrägen Sprachbild des Titels "Lauffeuer aus Hammerschlägen" ebenso wie einem Stein, der erst ins Rollen gebracht und dann aufgegriffen wird. Ähnlich wie in der Kirche des Handwerksgotts soll der Bote offenbar auch im Mittelreich eine Stabilisierung festschreiben. Immerhin endet per Artikel zumindest vorerst der Zwist zwischen den beiden potenziellen Erben des größten Herzogtums. Eine Adelsfehde löst sich ebenfalls in Wohlgefallen auf, die Rondrakirche disloziert ihre Orden neu und im Kosch wird die zerstörte Fürstenburg wieder aufgebaut. Streit gibt es lediglich innerhalb der Efferdkirche über kartografische Dogmen. Neben vielen kleineren Texten liefert das Magazin Begleitartikel zum Abenteuer "Sturmgeboren" und zum Finale einer Alveraniarskampagne.
Unverständlich bleibt die Verwendung ganzer zwei Seiten zu einem Theaterskandal im Horasreich. Zwar mag die Rückbesinnung auf das alte Reich Bosparan die Spielatmosphäre im Horasreich beeinflussen und in Richtung Renaissance bewegen. Aber muss das tatsächlich mit einem drögen Feuilleton-Artikel nebst kulturphilosophischem Kommentar abgehandelt werden, die für die meisten Abenteuergruppen praktisch keinen spielerischen Wert haben?

Das Cover verweist auf die Quanionsqueste. Allerdings findet sich zu dieser Kampagne rund um die Praioskirche lediglich eine Produktvorstellung im Heft.

Fazit: Der Aventurische Bote 158 liefert eine Lehens-Simulation, die auf den ersten Blick einen recht kompakten und damit brauchbaren Eindruck macht. Das Abenteuerszenario ist ein klassisches Magierturm-Dungeon und die Aprilscherze bleiben angenehm im Hintergrund. Inneraventurisch deutet die Nachrichtenlage auf Stabilisierung, wobei allerdings nicht alle Artikel durch Inhalt und Umsetzung überzeugen.

Anmerkung: Dieser Rezension lag die elektronische Ausgabe als pdf-Datei zu Grunde.




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