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Game of Thrones Kartenspiel
Von Martin Wagner

Rezension erschienen: 22.09.2013, Serie: Gesellschaftsspiele, Autor(en): Eric M. Lang, Christian T. Petersen, Nate French, Verlag: Heidelberger Spieleverlag, Seiten: , Erschienen: 2013, Preis: 24,95 EUR


Als George R.R. Martin die Romane der Saga Das Lied von Eis und Feuer begann, hat er wohl kaum daran gedacht eine so erfolgreiche Reihe zu schreiben, die nicht nur als TV-Serie verfilmt, sondern auch in viele andere Formate umgewandelt wird. Die Romane waren Insidertipps, bis die Fernsehserie einen wahren Hype auslöste, der wiederum die Spielindustrie auf den Plan rief. Brettspiele, Computerspiele und vieles mehr sind bisher erschienen und es scheint kein Ende zu nehmen.

Eines der Spiele ist das Game of Thrones-Kartenspiel, das Fantasy Flight Games und für Deutschland der Heidelberger Spieleverlag mit der bestimmt nicht billigen Lizenz von HBO, der Produktionsfirma der Serie, veröffentlicht haben. Die Grundbox, die ein Kartenspiel mit Verrat, Intrigen und erbitterte Machtkämpfe verspricht, zeigt als Cover das Ziel, den Eisernen Thron, wie er in der Fernsehserie zu sehen ist.

Der Blick in die Box offenbart einige Marker, Goldmarker und Machtmarker, und noch zwei Standarten für die beiden in der Grundbox mitgelieferten Häuser, Lennister und Stark, also Löwe und Wolf. Dazu finden sich ein dickes Regelheft und darunter die Karten, die allesamt Bilder aus der Fernsehserie zeigen. Sie haben nicht nur die Rückenmotive Löwe und Wolf für die Sets der beiden Häuser, sondern noch eine dritte Rückseite, nämlich den Eisernen Thron. Wie man es vom Heidelberger Spieleverlag gewohnt ist, werden kleine Tüten für das Spielmaterial mitgeliefert, damit dieses nicht in der Box herumfliegt.

Der Blick ins Regelheft offenbart recht simple Regeln, mit einer Ausnahme, die an bekannten Trading-Card-Games Regeln erinnern: Tappen zum Angreifen und zum Wirken einer besonderen Fähigkeit. Die Marker erklären sich fast schon durch den Namen, Goldmarker sind das Zahlungsmittel für die Charaktere, Machtmarker zeigen an, wie viel Macht man bisher gesammelt hat. Mit 15 Machtmarkern hat man das Spiel der Throne gewonnen.

Die Kartendecks der Häuser Lennister und Stark beinhalten neben Charakteren - bei den Starks die Mitglieder des Hauses sowie einige universelle Charaktere, wie Kleinfinger und Robert Baratheon - auch Orte wie Winterfell, Ereignisse sowie Zusätze für die Charaktere, wie ein treuer Schattenwolf oder Unterricht. Bei den Lennisters finden sich dieselben Kartenarten, jedoch andere Charaktere, Jaime und Tyrion zum Beispiel und natürlich andere Orte und passende Ereignisse und Zusätze. Identisch sind die universellen Charaktere, die ebenfalls zweimal im Spiel sein dürfen, wenn sie nicht limitiert sind. Während Orte, die Vorzüge bringen, und Ereignisse, die spontane Veränderungen bewirken, selbst erklärend sind, weisen die Charaktere neben speziellen Fähigkeiten, die man zum Teil durch Tappen auslöst und zum Teil dauerhaft aktiv sind, auch noch die spielentscheidenden Werte auf. Neben den Kosten und dem Name sind das die Stärke als Maß der Effizienz bei Herausforderungen, die Eigenschaft, zum Beispiel "Heimlich", was einem Charakter erlaubt an Feinden vorbei zu schleichen, und "Ruhmreich", das bei erfolgreich gemeisterten Herausforderungen einen Machtpunkt mehr einbringt, und die Attribute, die anzeigen, zu welchen Herausforderungen der Charakter überhaupt in der Lage ist. Die Attribute sind Militärschlag, Intrige und Machtkampf, symbolisiert durch eine Axt, ein Auge und eine Krone. Die dritte Kartenart mit dem eisernen Thron auf der Rückseite sind die Strategiekarten. Diese Karten, von denen jeder Spieler eine eigenen Stapel hat, werden am Anfang jedes Zuges durchsucht und von den Spielern ausgewählt. Sie geben dann Strategie, Initiative, Einkommen und den Schaden für den Zug vor. Einige Strategiekarten bringen Boni für die eigenen Angriffe, andere Abzüge für feindliche Angriffe und noch so einiges mehr.

In der Aufbauphase wählen die Spieler ein Haus, stellen ihre Strategiestapel zusammen, mischen ihre Decks, ziehen ihre Starthand, sieben Karten, legen Startkarten aus, und dann frischen sie wieder auf sieben Karten auf. Ansonsten legen die Spieler noch ihre Standarten aus und bauen ihre Spielfläche passend auf.

Das Spiel beginnt mit dem Ausspielen der Strategiekarte, die die folgende Runde prägt. Es folgen das Ziehen von zwei neuen Karten vom Deck und der Aufmarsch, das Ausspielen und Bezahlen von Charakteren, Orten und Zusätzen. Anschließend beginnen die Herausforderungen. Der Spieler mit der Initiative wählt seine Angreifer aus und welche Art von Herausforderung diese ausführen. Der zweite Spieler wählt dann seine Angreifer und die Art der Herausforderung. Er sollte er auch schon überlegen, wie er gleich verteidigen will, denn Angriffe tappen die Charaktere und dann können diese nicht mehr verteidigen. Das Ganze ist sehr chaotisch und man braucht mehrere Runden, um hinter das System zu steigen und erfolgreich anzugreifen beziehungsweise zu verteidigen; insbesondere unter Berücksichtigung der Strategiekarten - der Ausnahme von den einfachen Regeln. Die Herausforderungen selbst sind aber wieder sehr simpel. Die Stärke der Angreifer und der ausgewählten Verteidiger wird verglichen und je nach Art der Herausforderung geschieht etwas, wenn der Angreifer gewinnt. Bei verteidigten Herausforderung passiert nichts. Bei Militärschlägen sterben so viele Charaktere, wie es der Schadenswert der Strategiekarte vorgibt, bei Intrigen müssen so viele Handkarten abgelegt werden und bei Machtkampf muss der Spiele Machtpunkte abgeben. Die nächste Phase ist die Herrschaftsphase, bei der ungetappte Charaktere und einbehaltenes Gold Machtpunkte einbringen. Danach werden alle Charaktere wieder aufgerichtet, das ungenutzte Gold abgeben und eine neue Runde beginnt. Tipp: In keiner Phase seine Ereigniskarten vergessen und ruhig hin und wieder mal ins Regelheft schauen, auch wenn vielleicht irgendwann die letzte Seite mit der Kurzübersicht der Regeln ausreicht.

Die meiste Zeit einfache Regeln, ein gutes Regelheft, das wirklich alles erklärt, und eine gute Idee mit den Strategiekarten machen das Game of Thrones-Kartenspiel zu einem guten Spiel, mit dem man sicher Spaß haben kann, insbesondere, wenn man mit Erweiterungen spielt. Unterhaltsamer wird es durch die Bilder, die die erste Staffel der Fernsehserie vor dem geistigen Auge auferstehen lassen. Dazu noch passende Zitate auf den Karten und die Stimmung ist perfekt. Optisch also auch überzeugend, und dennoch hat mich das Spiel nicht komplett überzeugt. Von Anfang bis Ende hatte ich das Gefühl, das das Spiel einzig und allein eine Möglichkeit ist, mit dem Namen und der Lizenz noch etwas mehr Geld zu machen. Zuviel aus anderen Spielen übernommen und zu wenig Das Lied von Eis und Feuer trotz der drei Arten von Herausforderungen.

Fazit: Game of Thrones – Das Kartenspiel ist ein gutes Kartenspiel über in der Welt der Fernsehserie "Game of Thrones" mit tollen Bildern aus der Serie und passenden Zitaten, die für Stimmung sorgen. Die Regeln sind beinahe durchweg einfach gehalten und ermöglichen einen raschen Einstieg ins Spiel. Überzeugt hat es mich dennoch nicht, denn mir fehlt, trotz der optischen Hommage an die Serie, der deutliche Bezug im Spiel selbst dazu. Gut, aber nicht sehr gut.




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